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Nachruf

Tod im Alter von 86 Jahren: Vitus Mitterfellner war ein Wirt mit Leib und Seele

Vitus Mitterfellner mit seiner Frau Juliane
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Vitus Mitterfellner mit seiner Frau Juliane.
  • Thomas Stöppler
    VonThomas Stöppler
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Das Duschl ist eine Rosenheimer Institution - genau wie sein langjähriger Wirt Vitus Mitterfellner. Jetzt ist der gelernte Metzgermeister im Alter von 86 Jahren verstorben. Aber seine Söhne führen sein Erbe weiter - wenn auch nicht im Duschl.

Rosenheim - Morgens Fleisch machen, mittags den Einkauf und dann an den Stammtisch. Letzteres freilich nicht nur zum Vergnügen - auch wenn es sicher Spaß gemacht hat. Aber wer Wirt mit Leib und Seele ist, dessen Arbeitstag geht halt oft bis spät in die Nacht und beginnt dann auch gleich wieder in der Früh. Vitus Mitterfellner war über 50 Jahre der Wirt vom Duschlbräu und das in dritter Generation. Nun ist er nach kurzer, schwerer Krankheit verstorben.

350 Liter Bier am Tag

Das Duschlbräu ist seit 1922 ist in Betrieb, damals noch deutlich größer und eine klassische Bierhalle. 180 Plätze schätzt Vitus Mitterfellner Junior, Sohn des Verstorben. 350 Liter Bier am Tag flossen durch die Zapfhähne des Lokals am Max-Josef-Platz, aber damals, erklärt er, sei das Duschl ja auch eines von zwei Wirtshäusern am Max-Josef-Platz gewesen.

Das Lokal brummt und die Familie bekommt einen Enkel: Vitus Mitterfellner, Sohn von Vitus und Therese, Enkel von Vitus und Viktoria, wird am 10. April 1936 geboren. Der junge Vitus macht eine Metzgerlehre im heimischen Betrieb. „Harte Jahre sind das gewesen“, hat er gesagt, erzählt Ehefrau Juliane, „aber ich habe daraus gelernt.“

Er macht seinen Meister in Augsburg und das Metzgerhandwerk bringt ihn auch auf den Metzgerball. Juliane ist auch da, damals im Januar 1961. In der Pause singt sie mit ihrem Bruder auf der Bühne, ein Jahr zuvor war sie Ballkönigin gewesen. Alles gute Gründe, warum Vitus sie bemerkt. Und sie bemerkt ihn auch und dann geht alles ganz schnell: „Wir haben uns gleich verliebt“, sagt sie. Sieben Monate später wird geheiratet - da ist Juliane schon schwanger: Im Dezember erblickt die Tochter das Licht der Welt. „Das ging ja damals gar nicht anders, unverheiratet Kinder bekommen kam gar nicht in Frage“, erinnert sich Juliane Mitterfellner.

4000 Weißwürste für ein Frühstück

Aber rückblickend scheint es auch unabhängig von den äußeren Umständen wohl die richtige Entscheidung gewesen zu sein, denn zwei Jahre später folgt der erste Sohn, Vitus, und 1965 der zweite, Peter. Vergangenen Sommer feierte das Paar noch ihre diamantene Hochzeit. Als Peter zur Welt kommt, ist Vitus bereits nicht mehr in erster Linie Metzger, sondern auch Wirt des Duschls. 1964 übernehmen sie das Lokal von seinen Eltern, die wiederum das Lokal von Vitus Großeltern übernommen hatten. Und nicht nur das: Über die Jahre hat die junge Familie immer wieder noch andere Lokale: Unter anderem leiten sie die Küche in der Inntalhalle und schmeißen auch den Heuboden.

„Da ging es immer wild her“, erzählt Juliane und ihre Söhne lächeln wissend. Und Vitus Mitterfellner war immer mittendrin. An Fasching machte er nachmittags 4000 Weißwürste, damit die Feiernden in der Früh genug zu essen hatten. Dazu war auch am Abend viel zu tun, Fasching feiert sich schließlich nicht von allein. Viel Arbeit sei es gewesen, sagt Juliane und die Kinder waren immer mit dabei. Alle drei helfen mit, alle drei lernen Gastronomieberufe, Peter und Vitus sind selbst als Gastronomen tätig.

Ruhe tanken mit dem Hund

1985 kommt es dann im Duschl zur Katastrophe, das Lokal brennt ab. Peter erinnert sich, wie er morgens von der Arbeit nach Hause kam und vor dem abgebrannten Lokal steht: „Wir haben plötzlich nix mehr gehabt - nur das, was man anhat.“ Beim Neubau wird das Lokal umgestaltet. Es wird kleiner und ein Restaurant statt einer Bierhalle. Konkret geht es für Vitus weiter wie vorher: Fleisch machen, einkaufen, an die Stammtische setzen. „Nur am Nachmittag“, sagt Julianne, „da haben wir uns rausgenommen. Sind mit dem Hund an den See, ein bisschen Ruhe und frische Luft in der Natur tanken.“

2012 hören die beiden auf, 76 Jahre alt ist da Vitus, Julianne ist 70. Die Söhne sind selbst mit ihren Lokalen beschäftigt. „Das ist wie bei der Queen, da wäre ich ja nie ran gekommen“, erzählt Peter lachend.

Wenn Juliane Mitterfellner von den alten Zeiten erzählt, dann strahlt sie. Wild war es eben, ins Duschl kamen alle, der ein oder andere Rosenheimer OB genau wie Trachtler und junge Feiernde. Hart war die Arbeit, aber es war eine gute Zeit, die 61 Jahre - trotz Brand, trotz der vielen Arbeit. Wann Vitus denn geschlafen hat in den arbeitsreichen Zeiten? „Schlafen tun wir nicht“, sagt Vitus der Jüngere, „immer noch nicht“. Jetzt ruht Vitus Mitterfellner. Er hinterlässt seine Frau, drei Kinder und acht Enkel.

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