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Unterwegs mit einer Sozialpädagogin

Viele Rosenheimer Senioren wollen im Alter selbstständig bleiben – So hilft die Caritas dabei

Freuen sich über die Verlängerung des Projekts: (von links) Brigitte Plank, Caritas „Soziale Dienste Senioren, Wioletta Zmyslowska von der Verwaltung des Caritas-Zentrums, Manina Sobe, Caritas-Fachdienstleiterin Soziale Dienste, Alexa Hubert, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der Sparkassenstiftung Zukunft, Sozialamtsleiter Martin Wollny und sein Stellvertreter Klaus Grandl.
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Freuen sich über die Verlängerung des Projekts: (von links) Brigitte Plank, Caritas „Soziale Dienste Senioren, Wioletta Zmyslowska von der Verwaltung des Caritas-Zentrums, Manina Sobe, Caritas-Fachdienstleiterin Soziale Dienste, Alexa Hubert, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der Sparkassenstiftung Zukunft, Sozialamtsleiter Martin Wollny und sein Stellvertreter Klaus Grandl.
  • Anna Heise
    VonAnna Heise
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Weil viele Senioren zwar Unterstützung im Alltag brauchen, aber weiterhin selbstbestimmt leben wollen, hat die Caritas vor drei Jahren das Projekt „Soziale Dienste Senioren“ ins Leben gerufen. Jetzt soll das Angebot verlängert werden – zur Freude der 265 Senioren.

Rosenheim – Gerda H. wartet schon auf dem Balkon. „Zu spät“, ruft sie und lacht. Entschuldigend hebt Sozialpädagogin Brigitte Plank die Tüte mit den drei frischen Brezen in die Höhe, bevor sie sich auf den Weg in den fünften Stock macht. „Brezn bringe ich sonst eigentlich mit. Das ist eine Ausnahme“, sagt Plank. Seit fast drei Jahren besucht sie gemeinsam mit ihrer Kollegin Ramona Gehrlicher Rosenheimer Senioren in deren Wohnung. Sie organisiert Unterstützung, hilft bei der Beantragung eines Pflegegrads und berät bei der Auswahl einer Haushaltshilfe.

Zum dritten Mal getroffen

„Wir wollen die Senioren dabei unterstützen, dass sie so lange wie möglich alleine bleiben können“, sagt Brigitte Plank, während sie darauf wartet, dass sich die Fahrstuhltüren öffnen. Von dort sind es nur noch wenige Meter in die Wohnung von Gerda H. Die beiden Frauen begrüßen sich, dann verschwindet die 80-Jährige in die Küche, um sich um den Kaffee zu kümmern. Es ist das dritte Mal, dass sich die beiden Frauen treffen. Meistens für eine Stunde, manchmal länger. Je nachdem, wie viel zu besprechen und zu organisieren ist.

Damit Senioren auch weiterhin ein selbstbestimmtes Leben führen können, hat die Caritas vor drei Jahren das Projekt „Soziale Dienste Senioren“ ins Leben gerufen.

Eine Urkunde von Markus Söder

1998 ist die Gerda H. von München nach Rosenheim gezogen. „Eigentlich wollte ich nicht lange bleiben“, sagt sie. 24 Jahre später lebt sie immer noch in ihrem kleinen Einzimmerappartement. An den Wänden hängt ein Schreiben von Ministerpräsident Markus Söder, in dem er ihr zum Geburtstag gratuliert, ein Holzschrank trennt Wohn- und Schlafzimmer und über dem Bett hat sie ihre Patientenverfügung geklebt.

Leute sollen sie so nehmen, wie sie ist

„Ich hab alles, was ich brauche“, sagt Gerda H. Nur an der Unterstützung habe es eine Zeit lang gefehlt. Eben weil die Augen immer schlechter werden, die Knie und die Hüfte nicht mehr so mitmachen wie früher. Also hat sie bei der Caritas angerufen, sich erkundigt, ob es nicht die Möglichkeit gebe, dass ihr jemand unter die Arme greift.

Beim Putzen oder Unterlagen ausfüllen. Nur nicht zu viel sollte es sein. „Ich mag es, meine Ruhe zu haben“, sagt Gerda H. Sie sei gut darin, alleine zu sein. Kinder wollte sie nie, ihr letzter Mann sei vor einigen Jahren gestorben. Die Todesanzeige steckt in einer Klarsichtfolie, gleich hinter dem letzten Brief von ihrer Mutter.

Zur Unterhaltung zur Nachbarin

Und wirklich alleine ist Gerda H. sowieso nicht. Wenn ihr nach Unterhaltung zumute ist, geht sie zur Nachbarin oder marschiert mit ihrem Rollator in die Stadt, setzt sich in eine Bar und trinkt ein Bier. Sie braucht nicht viel zum Zufriedensein. Dass sie die Leute so nehmen, wie sie ist, sei ihr wichtig. Brigitte Plank macht das.

Und vielleicht ist das einer der Gründe, warum die beiden Frauen so gut miteinander zurechtkommen. „Sie war mir sofort sympathisch“, sagt Gerda H. Und deshalb darf Brigitte Plank – anders als andere – auch immer wieder kommen. Nicht nur, um mit ihr Arztbriefe durchzugehen und Rechnungen anzuschauen, sondern auch zum Reden und Kaffee trinken.

265 Senioren nehmen Angebot wahr

Gerda H. ist eine von insgesamt 265 Senioren, die das Angebot der Caritas in Anspruch nehmen. Einige von ihnen besuchen Brigitte Plank und Ramona Gehrlicher regelmäßig, von anderen hören sie nur einmal im Jahr. Wie wichtig das Angebot ist, zeigt ein Blick auf die Zahlen. So sind mehr als 20 Prozent der Rosenheimer älter als 65 Jahre. Über ein Viertel der Bevölkerung in Deutschland wird 2050 über 67 Jahre alt sein. „Dieser Herausforderung müssen wir uns stellen“, sagt Erwin Lehmann, Kreisgeschäftsführer des Caritas-Zentrums.

Ganzheitliche Hilfe für Senioren

Ein erster Schritt ist die Verlängerung des Projektes „Soziale Dienste Senioren“ bis 2025 – mit Unterstützung der Stadt und ihrer Stiftungen sowie der Sparkassenstiftung Zukunft. „Es ist wichtig, ganzheitliche Hilfen für Senioren anzubieten, um ein gutes, selbstbestimmtes Leben Zuhause in der vertrauten Umgebung zu ermöglichen“, sagt Sozialamtsleiter Michael Wollny.

Durch die Verlängerung des Projekts können Brigitte Plank und ihre Kollegin Ramona Gehrlicher also auch in Zukunft Senioren in der Stadt kostenfrei über gesetzliche Leistungen, rechtliche Ansprüche, häusliche Hilfen, Gesundheitsförderung, Mobilität, soziale Beziehungen und Alltagsaktivitäten informieren.

In Bukarest studiert, Sprachschule in Deutschland

Nach dem Besuch bei Gerda H. geht es für Brigitte Plank zu ihrem nächsten Termin. Zehn Minuten braucht sie mit dem Rad zu Joan S. Er hat in Bukarest studiert und in Rosenheim eine Deutschschule eröffnet. Jetzt wohnt er in einer Wohngemeinschaft.

Er öffnet nach dem zweiten Klingeln und muss sich im Bad erst noch seine Zahnprothese einsetzen. In der Wohnung riecht es, als ob schon länger niemand mehr das Fenster geöffnet hat. An der Wand hängt eine Weltkarte, in der Spüle stapelt sich das Geschirr und im Fernseher laufen die Nachrichten so laut, dass man die Stimme des Sprechers auch von der Straße aus hört.

Kontakt über den Blindenbund

Joan S. ist über den Blindenbund zur Caritas gekommen. Er braucht Unterstützung beim Ausfüllen von Formularen, will jemanden, der ihm dabei hilft, die zahlreichen Aktenorder, die sich in seinem Büro stapeln, zu sortieren. Er trägt eine Jogginghose, sitzt auf einem der drei Stühle, die in der Küche verteilt stehen.

An seinen Fingern kleben mehrere Pflaster. „Ich habe ein miserables Leben“, sagt er. Der Augen wegen, die es ihm schwer machen, ein selbstständiges Leben zu führen. So wie früher. Aber auch, weil die Liebe seines Lebens vor sechs Jahren gestorben ist – nach fast 50 gemeinsamen Jahren. Jetzt wirkt er verloren. In seiner Wohnung, aber auch im Leben.

An die Weltkarte gepinnt

Zumindest ein wenig will ihn Brigitte Plank unterstützen. Der Pflegegrad ist bereits beantragt, auch die Suche nach einer Person, die Joan S. im Alltag unterstützen kann, läuft. „Ich will nur ein bisschen Hilfe“, sagt er. Und das zuzugeben, scheint für ihn nicht einfach zu sein. Und doch hängt an der Weltkarte der Flyer der Caritas, festgepinnt mit einer roten Reißzwecke. Und darauf steht die Nummer von Brigitte Plank – für alle Fälle.

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