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Unterwegs mit der Wiesnwache

Schmuckfotos, Videoaugen und robuste Einsätze: Wie es nachts auf dem Herbstfest zugeht

Die Wiesnwache auf dem Rosenheimer Herbstfest sorgt für die Sicherheit der Besucher.
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Die Wiesnwache auf dem Rosenheimer Herbstfest sorgt für die Sicherheit der Besucher.
  • Anna Heise
    VonAnna Heise
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Betrunkene, Raufereien und Missachtungen des Wiesnverbots: Auch wenn das Herbstfest bisher größtenteils friedlich verlaufen ist, gibt es immer wieder kleinere Zwischenfälle. Um diese kümmert sich die Wiesnwache der Rosenheimer Polizei. Unterwegs mit einer Einsatzgruppe.

Rosenheim – „Obacht! Polizeieinsatz! Wir müssen da jetzt durch“: Mit schnellen Schritten bahnt sich Thomas Opetnik einen Weg durch die Menschenmassen auf dem Herbstfest. Der Einsatzleiter der Wiesnwache schiebt die Besucher aus dem Weg. Läuft vorbei an Schießbuden, Fahrgeschäften und dem Stand mit dem Schmalzkuchen. Dicht hinter ihm befindet sich Hauptkommissar Robert Maurer. Die beiden Männer bilden an diesem Abend eine Einsatzgruppe. Über schwarze Kopfhörer sind sie mit einem Funkgerät verbunden. Darüber versorgt sie eine Kollegin mit Informationen.

Ein Blick über das Herbstfest

Diese Kollegin ist Denise Chen. Sie sitzt in ihrem Büro im Gebäude des Polizeipräsidiums, das nur wenige Meter von der Loretowiese entfernt ist. Chen blickt auf die vier Bildschirme, die vor ihr auf dem Schreibtisch stehen. Sie runzelt die Stirn, zoomt heran, beobachtet für einige Sekunden das Geschehen rund um den Glückshafen. Dann lehnt sie sich zurück. „Während der Herbstfestzeit haben wir zusätzliche Kameras auf der Loretowiese aber auch in der Innenstadt angebracht“, sagt sie, ohne ihren Blick vom Bildschirm zu nehmen. So sieht sie ganz genau, was wo auf der Loretowiese passiert. Sobald ihr etwas Ungewöhnliches auffällt, funkt sie die Kollegen auf dem Herbstfest an.

Ein Streit im Biergarten

Wie vor wenigen Minuten, als sie Thomas Opetnik und Robert Maurer über einen Streit in einem Biergarten informiert hat. Zwei Gruppen, sieben Männer, aufgeheizte Stimmung. Als die beiden Beamten ankommen, haben vier andere Kollegen die streitenden Männer bereits voneinander getrennt. Die Lage ist im Griff, für Opetnik und Maurer ist der Einsatz erledigt.

Keine Zeit zum Durchatmen

Zeit zum Durchatmen bleibt nicht. Die beiden Beamten werden zurück zur Wiesnwache gerufen, die sich während der Herbstfestzeit im Glückshafen befindet. Über Funk bekommen sie mitgeteilt, dass sich im Tatzlwurm ein Mann aufhalten soll, dem erst vor einigen Tagen ein Wiesnverbot ausgesprochen wurde. Er soll in eine Schlägerei verwickelt gewesen sein.

Wenn die Handschellen klicken: Immer wieder müssen Besucher in Gewahrsam genommen werden.

In der Wiesnwache angekommen, schnappt sich Maurer den Ordner, in dem er und seine Kollegen alle Wiesnverbote festhalten – mit Foto, Nummer und Name. Er blättert durch die einzelnen Bilder, als er Nummer 50 findet, macht er mehrere Kopien von dem Din-A4-Blatt und übergibt eine an Opetnik. Sie schauen sich das schwarz-weiß Foto an, das einen 64-jährigen Mann zeigt. Dann setzen sie sich in Bewegung. Vorbei an der Mandelbrennerei und dem „Musik Express“ geht es zum Tatzlwurm.

Ein Bild von Wiesn-Verbot Nummer 50

Direkt am Eingang werden die beiden Beamten von einem Sicherheitsmann begrüßt. Sie zeigen ihm das Bild, erklären kurz, um was es geht. Innerhalb von Sekunden wissen Maurer und Opetnik ganz genau, wo der 64-Jährige sitzt und mit wie vielen Menschen er unterwegs ist. An seinem Tisch angekommen, erinnern sie ihn an das Wiesn-Verbot und fordern ihn auf, mit auf die Wache zu kommen. Über den Hinterausgang geht es – unter den Blicken der Herbstfestbesucher – erneut vorbei an Fahrgeschäften und Fressbuden. Der 64-Jährige nimmt auf der Bank in der Wiesnwache Platz, hebt zur Erklärung an und beharrt darauf, dass ein Wiesn-Verbot „völlig unverhältnismäßig“ sei.

Anzeige wegen Hausfriedensbruch

Maurer und Opetnik hören zu, nicken, machen sich Notizen. Doch an dem Wiesn-Verbot – das ohnehin nur der Wirtschaftliche Verband als Hausherr aufheben kann – ändert sich nichts. Der 64-Jährige erhält eine Anzeige wegen Hausfriedensbruch, bevor ihn die beiden Polizisten vom Festgelände begleiten. Kurz warten sie, dann verfolgen sie ihn, um sicherzugehen, dass er das Gelände nicht an einer anderen Stelle wieder betritt. „Der geht nach Hause“, ist sich Maurer nach relativ kurzer Zeit sicher.

Auf der Suche nach dem Langos-Stand

Weil das Funkgerät still ist, beschließen die beiden Beamten, eine Runde über die Wiesn zu drehen. Schon nach wenigen Minuten werden sie von einer jungen Frau angehalten, die auf der Suche nach einer Toilette ist. Direkt im Anschluss wird Opetnik gefragt, ob er wisse, wo der Langos-Stand ist. Geduldig beantworten die beiden Polizisten die Fragen der Besucher. Sie winken Bekannten zu, plaudern mit den Standbetreibern und nehmen sich Zeit für Fotos.

Geweigert, mitzugehen

Ein Rauschen dringt aus dem Funkgerät, kurze Stille, dann setzen sie sich wieder in Bewegung. Gerade wurde ein junger Mann festgenommen, die Kollegen bitten um Unterstützung. An der Wiesnwache angekommen, sehen Opetnik und Maurer das Problem schon von weitem. Der Besucher stemmt sich mit aller Kraft gegen die Polizisten und weigert sich mit ihnen mitzugehen.

Viele können sich am nächsten Morgen gar nicht mehr daran erinnern, warum sie in der Ausnüchterungszelle gelandet sind.

Polizeihauptkommissar Robert Maurer

Er schreit, schimpft und verlangt nach dem Dienstführer. „Ich bin ein deutscher Staatsbürger, mit dem nicht so umgegangen werden sollte“, brüllt er. Schließlich gelingt es den Polizisten, den Mann auf die Wache zu bringen. Hier werden seine Personalien aufgenommen, ein Alkoholtest ergibt einen Wert von über zwei Promille. Einsichtig zeigt sich der Mann nach wie vor nicht.

Ein Blick in die Ausnüchterungszelle: Hier schlafen uneinsichtige Herbstfestbesucher ihren Rausch aus.

Für Maurer und Opetnik ein Fall für die Ausnüchterungszelle auf der anderen Straßenseite. Es gibt fünf Zellen, in jeder befindet sich eine Toilette und eine Matratze. In der Zelle angenommen, werden dem Mann Lederhose, Hemd, Kette, Schlüssel und Geldbeutel abgenommen und außerhalb der Zelle verstaut. Die Beamten lassen den Mann nur mit Unterhose und Socken bekleidet zurück. Mittlerweile hat er das Schreien aufgegeben und weint. „Viele können sich am nächsten Morgen gar nicht mehr daran erinnern, warum sie in der Ausnüchterungszelle gelandet sind“, sagt Hauptkommissar Maurer. Kurz überlegt er: „Ist vielleicht auch besser.“

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