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Auch Bund Naturschutz schießt gegen Bahn

Kritiker warnen vor Brenner-Nordzulauf: So wird Rosenheim zum Provinzbahnhof

Out of Rosenheim: Der Bahnhof und damit die Region könnten durch die Brenner-Nordzulauf-Pläne der Bahn abgehängt werden.
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Out of Rosenheim: Der Bahnhof und damit die Region könnten durch die Brenner-Nordzulauf-Pläne der Bahn abgehängt werden.
  • Michael Weiser
    VonMichael Weiser
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Brennerdialog und Naturschützer in der Region Rosenheim stellen sich weiterhin gegen die Pläne der Bahn zum Brenner-Nordzulauf. Neue Munition liefert ihnen ausgerechnet eine Unterstützer-Plattform der Bahn.

Rosenheim – Pruttings Bürgermeister Johannes Thusbaß fand hinterher deutliche Worte: „Dass das Projekt zu hinterfragen sei, war mir vorher schon klar. Aber dass das Ganze so überflüssig ist, hätte ich nicht gedacht.“

Thusbaß‘ Kommentar zum Brenner-Nordzulauf trifft den Ton von Brenner-Dialog Rosenheimer Land und Bund Naturschutz voll. Sie hatten am Dienstag in einer gemeinsamen Video-Pressekonferenz ihre Analyse der Studie der Brenner Corridor Platform vorgetragen. Fazit: Die Gegner des Trassenneubaus der Bahn im Landkreis Rosenheim fühlen sich in alten Argumenten neu bestärkt.

Brennerdialog: Karten liegen auf dem Tisch

Weder für den Güter- noch für den Personenverkehr sinnvoll, in ökologischer Hinsicht ein Desaster, eine Zumutung für die Anrainer, ein Milliardengrab: Diese Argumente waren bei der Pressekonferenz erneut zu hören. Eigentlich liegen die Karten seit langem auf dem Tisch.

Durch die Studie aber, so kann man es sagen, werden sie nun neu gemischt. Zumindest in den Augen der Trassen-Gegner. Die Korridorstudie der Brenner Corridor Platform weise einige „Denkfehler“ auf und leite falsche Schlüsse ab. So äußerten sich sowohl die Vertreter von Bund Naturschutz und Brennerdialog Rosenheimer Land.

Ironie der Geschichte: Die „Platform“ ist eine Organisation, in der Vertreter der drei am Brenner-Nordzulauf beteiligten Verkehrsministerien, der drei Infrastrukturbetreiber, der BBT SE, samt Regionen und Eisenbahnverkehrsunternehmen Lobby-Arbeit für das Projekt betreiben.

Das Kreuz mit dem Umwegverkehr

Dabei hatte Dr. Martin Vieregg von der Vieregg-Rössler GmbH „Innovative Verkehrsplanung“ die Macher der Studie zu Beginn gelobt. Das Papier sei „substanziell und ordentlich gemacht“, sagte Vieregg bei der Präsentation.

Was ihm gefiel, waren die niedrigen Zahlen, die laut der Studie im Personenverkehr über den Brenner zu erwarten seien. Etwa 2200 Menschen reisten täglich auf der Strecke zwischen Innsbruck und Verona, für diese eher geringe Anzahl an Fahrgästen reichten die bestehenden Kapazitäten locker.

Auch der Kundenzuwachs, der durch eine Verkürzung der Fahrtzeit erreicht werden könnten, genüge nicht. Die laut Korridorstudie theoretisch mögliche Verdreifachung der Fahrgastzahlen sehen Vieregg und seine Mitstreiter kritisch. Die neugebaute Tempo-Trasse mache einen Bogen um viele Zentren. Ohne Halt in Städten wie Rosenheim, Kufstein, Bozen oder Trient verliere die Verbindung potenzielle Fahrgäste.

Das hohe Verkehrsaufkommen am Brenner halten die Trassengegner für künstlich aufgeblasen. „Wir haben fast ein Drittel Umwegverkehr am Brenner“, rechnete Vieregg vor. Gemeint sind LKWs, die auch kürzere Routen einschlagen könnten, aber beispielsweise durch niedrige Maut auf den Brenner gelotst werden.

Belastete Brenner-Zubringer im Inntal: Auch Söder will die Mauterhöhung

Dieses Argument hatte kürzlich Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) in einem Brief an Verkehrsminister Volker Wissing (FDP) angesprochen. Söder hatte den Weg einer Mauterhöhung vorgeschlagen. Dieses unnötige Drittel des Verkehrsaufkommens dem künftigen Brennerverkehr zuzurechnen, sei jedenfalls nicht richtig.

Für einige wichtige Verkehrsachsen sieht Vieregg auch die Verbindung über Gotthard oder Tauern wichtiger als den Brenner. Die Annahme, auch der Container-Verkehr zum Hafen Triest laufe über den Brenner, sei „unrealistisch“.

Gegner der Bahn-Pläne zum Brenner-Nordzulauf: Thomas Riedrich vom Brennerdialog bei der Pressekonferenz.

Ein Fehler sei in der Vorplanung auch darin gemacht worden, dass man den Ostkorridor in die Planungen nicht einbezogen habe. Diese Ostkorridor führt von den Nordseehäfen über Leipzig, Regens und Mühldorf bis Freilassing und Salzburg. Die davon abzweigende Verbindung zwischen Mühldorf und Rosenheim aber tauche nicht einmal im „potenziellen Bedarf“ des Bundesverkehrswegeplans auf. Heißt: Die Planer gehen von einem Brenner-Zulauf nur über München aus. Der Bahnknotenpunkt in der Landeshauptstadt sei aber bereits jetzt überlastet.

Thomas Riedrich, Sprecher des Brennerdialogs, forderte Verkehrsminister Volker Wissing auf, mehr Mut „als Ihre Amtsvorgänger“ zu zeigen und die für ein unsinniges Projekt eingeplanten zehn Milliarden Euro lieber in die Modernisierung der bestehenden Infrastruktur zu stecken.

Riedrich malte ein altbekanntes Schreckgespenst an die Wand: Der Bahnhof Rosenheim, längst veraltet, werde in den Fernverkehrsplanungen der Bahn abgehängt. „Rosenheim ist dann nur noch ein Provinz-Bahnhof“.

Kritik der Grünen am Bund Naturschutz

Ein Fan der Bahn, aber nicht des Trassen-Neubaus: So äußerte sich am Dienstag der Bayern-Chef des Bund Naturschutz, Richard Mergner. Dafür setzte es Kritik von Dr. Markus Büchler, Sprecher für Mobilität der Landtags-Grünen: Mergner habe sich „verfahren“. Wer die Natur schützen wolle, müsse auf die Bahn setzen und die Infrastruktur ausbauen. Büchler: „Bitte wenden, Herr Mergner!“

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