Bevor alles schließt

Letzte Gelegenheit zum Weihnachts-Shopping vor dem Lockdown: Rosenheimer Innenstadt erlebt Ansturm

Die Straßen sind voll: Viele Passanten tummeln sich am Rosenheimer Max-Josefs-Platz.
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Die Straßen sind voll: Viele Passanten tummeln sich am Rosenheimer Max-Josefs-Platz.
  • Korbinian Sautter
    vonKorbinian Sautter
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Kurz vor der Schließung des Einzelhandels ist der Andrang auf die Rosenheimer Geschäfte groß. Viele wollen noch die letzten Besorgungen für Weihnachten erledigen und versammeln sich in der Innenstadt. Die Folge: Ladenbesitzer werden von dem plötzlichen Ansturm völlig überrumpelt.

Rosenheim – Die Straßen sind voll, Menschenmassen tummeln sich vor den Läden und die Einkaufstüten sind prall gefüllt. Das ist das Bild, das sich einem bietet, wenn man am Montag, 14. Dezember, in der Rosenheimer Innenstadt unterwegs ist. Der Grund: Weihnachten steht vor der Tür und der Einzelhandel hat nur noch zwei Tage geöffnet. Bevor die verschärften Corona-Maßnahmen am 16. Dezember greifen, versuchen viele Bürger, noch schnell die wichtigsten Besorgungen zu erledigen.

So lange Einkaufen wie es noch geht

Eine von Ihnen ist Ramona Schwabe. Die 24-Jährige aus Heufeld kommt normalerweise erst direkt vor Heiligabend dazu, die Geschenke für ihre Familie und Freunde zu besorgen. Gezwungener Maßen musste sie aber bereits jetzt zur großen Shopping-Tour in die Rosenheimer Innenstadt aufbrechen. „Es ist wirklich schlimm zurzeit. Dieser Lockdown ist für alle Beteiligten eine Katastrophe“, klagt die junge Kinderpflegerin. Zwei Tage vor der erneuten Schließung des Einzelhandels war sie für die kommende Weihnachtszeit noch einmal in Bücher-, Kleidungs- und Schmuckgeschäften unterwegs.

Ramona Schwabe (24), Kinderpflegerin aus Heufeld

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Um an den beiden letzten normalen Werktagen die Lage etwas zu beruhigen, haben einige Geschäfte verlängerte Öffnungszeiten angekündigt. Laut Sabrina Obermoser, die Geschäftsführerin des City-Management Rosenheim, sollen die meisten Rosenheimer Läden bis um 20 Uhr geöffnet bleiben. „Wir wollen die Last-Minute-Einkäufer damit unterstützen und auch den Leuten nach Feierabend noch die Möglichkeit gegeben, das nötigste vor Weihnachten zu besorgen“. Die City-Managerin hofft, den großen Andrang dadurch etwas entzerren zu können und den lokalen Händlern zu helfen, die vom Lockdown völlig überrumpelt worden sind.

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Den Ansturm auf die Läden bekommt auch Tobias Bolz am eigenen Leib zu spüren. Der Rosenheimer wollte sich vor Weihnachten noch einmal einen neuen Haarschnitt verpassen lassen und musste sich dafür in eine lange Schlange vor dem Friseurladen stellen. „Ich habe direkt am Montagmorgen angerufen, damit ich noch einen Termin bekomme. Auch wenn ich noch früh dran war, hat man mir bereits gesagt, dass ich mit einiger Wartezeit zu rechnen habe“, erzählt der 22-jährige Student.

Salonleiterin Melanie Sivori versucht, bis Dienstagabend noch möglichst viele Termine unterzukriegen. Der plötzliche Andrang sei allerdings viel zu groß, um wirklich allen Anfragen gerecht zu werden. Für sie ist der kurzfristige Lockdown daher „einfach nur ein absoluter Wahnsinn“.

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Einwohner flüchten aus der Rosenheimer Innenstadt

Sich diesem Wahnsinn zu entziehen und die Innenstadt möglichst schnell wieder zu verlassen versucht Martin Deinhofer. Der 78-jährige kam notgedrungen zum Max-Josefs-Platz, um ein nicht passendes Kleidungsstück umzutauschen, solange es eben noch ginge. Auch er ist mit der aktuellen Situation alles andere als glücklich, zeigt jedoch absolutes Verständnis für die verschärften Maßnahmen. „Das ist wie die Pflicht, sich beim Autofahren den Gurt anzulegen. Das muss eben nun mal sein, um sich selbst und andere nicht zu gefährden.“

Martin Deinhofer (78), Pensionär aus Schonstett

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Um die Sicherheit auch an den Tagen bis zum Lockdown zu gewährleisten, kontrolliert die Rosenheimer Polizei täglich, ob die Maskenpflicht in den öffentlichen Fußgängerzonen vorschriftsgemäß eingehalten wird. Laut Polizeisprecher Robert Maurer halten sich die meisten Last-Minute-Einkäufer allerdings vorbildlich an die Vorgaben. Am Montag habe man lediglich sechs Anzeigen wegen eines Verstoßes gegen die Maskenpflicht aufnehmen müssen. Zusätzlich wurden vier Belehrungen an Passanten erteilt, die ihre Maske kurzfristig abnehmen wollten, um etwas zu Essen oder zu Trinken. Alles in allem habe man es sich aber gerade vor dem Lockdown viel schlimmer vorgestellt als es letztendlich war.

Tobias Bolz (22), Student aus Rosenheim

Hoffnung für nächstes Jahr bleibt

Einige Rosenheimer Einwohner wollen dem Trubel lieber komplett aus dem Weg gehen. Die Rosenheimer Werkstudentin Sarah Weidner hat sich bereits mit ihrer Familie darauf geeinigt, sich dieses Jahr nichts zu schenken. Das sorge zurzeit einfach für zu viel Stress, von dem es sowieso schon mehr als genug gebe. Die 25-Jährige kommt daher nur zum Arbeiten in die Stadt und meidet die vollen Einkaufspassagen so gut wie möglich. Wie die anderen Bürger hofft sie allerdings sehr, dass sich die Lage im nächsten Jahr wieder bessern wird und man bald wieder gefahrlos und ohne Zeitdruck durch die Stadt schlendern kann.

Sarah Weidner (25), Studentin aus Rosenheim

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