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Corona-Hilfe: Wenn die Unterstützung ausbleibt

Torsten Strehle vom Rosenheimer „Bio-Bistro“ muss monatelang auf Hilfe vom Staat warten

Noch immer leiden Gastronomen unter der Pandemie. Auch wenn es keinen neuen Lockdown gab.
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Noch immer leiden Gastronomen unter der Pandemie. Auch wenn es keinen neuen Lockdown gab. 
  • VonThomas Stöppler
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Unbürokratische und schnelle Unterstützung sollten die Überbrückungshilfen für Gastronomen sein. Aber die Anforderungen sind gestiegen und die Bearbeitung dauert – so lange, dass das Geld beim Bio-Bistro Strehle knapp wurde.

Rosenheim – Seit Anfang der Woche ist das Geld da, schreibt Siegfried Strehle: „Es war dann doch etwas kurios, da der Steuerberater von der IHK kurzfristig angeschrieben und um einige Erklärung gebeten wurde. Ein Tag nachdem diese dann abgegeben wurden, kam dann der Bewilligungsbescheid.“ Gedauert hat es allerdings – über drei Monate. Und damit wird Strehle nicht allein sein. Bei der Bewilligung der Überbrückungshilfe IV für die Monate April bis Juni der Industrie- und Handelskammer (IHK) für die pandemiegebeutelten Gastronomen hat es gedauert.

Die Anträge wurden komplizierter

Strehle, der stellvertretend für seinen Sohn Torsten, einen Großteil der Kommunikation mit der IHK übernommen hat, spricht von einem Hürdenlauf. Am 08. Mai diesen Jahres ging der Antrag ein: Überbrückungshilfe IV. Die ist komplexer als die vorhergegangen Anträge. Um den Gastronomen zu helfen, die aufgrund der Corona-Pandemie extreme Umsatzeinbußen wegen Hygienemaßnahmen und Lockdowns hatten, stellte das Finanzministerium Gelder zur Verfügung. Zunächst denkbar unbürokratisch. Bis zu 75 Prozent des Vorjahresumsatzes gab es – jedenfalls für die vor Ort konsumierten Speisen und Getränke.

Torsten Strehle

Das Geld gab es schnell, relativ jedenfalls, erzählt Strehle Senior. Ab dann wurde es komplizierter. Sowieso durfte nur der Steuerberater die Anträge einreichen, auch um vor Missbrauch zu schützen. Vor allem aber, weil es keinen kompletten Lockdown gab. Die Gastronomen mussten nachweisen, dass ihre Ausfälle mit den Coronamaßnahmen in Zusammenhang stehen.

Bei Strehle war das recht eindeutig. Schließlich ging es nicht nur um die Umsatzeinbußen in dem Bio-Bistro in der Herzog-Otto-Straße, sondern auch um die Ausfälle im Catering. Und genau da hatte Torsten Strehle zuletzt investiert. Just anfang 2020 investierte er in den Ausbau einer Küche um der wachsenden Nachfrage Herr zu werden. 20.000 Euro etwa steckte er in das Unternehmen des Sohnes und nur einen Monat später war schlagartig Schluss. Bis heute lahmt das Catering Geschäft, Großveranstaltungen werden immer noch oft abgesagt.

Fast eine halbe Million Anträge in Bayern

Bei der IHK Bayern berichtet man von gestiegenen Anforderungen. Und dass es nicht die eigentliche Zuständigkeit der IHK sei. Andere Bundesländer haben die Organisation der Hilfen selbst bearbeitet oder an eigene Förderbanken gegeben. „Wir bewilligen am Tag 300 bis 500 Anträge“, erklärte eine Sprecherin der IHK auf Anfrage der OVB-Heimatzeitungen. Aber das sei viel Arbeit, viele der Anträge seien „oftmals in nicht hinreichender Qualität.“ Das verursache wiederum Mehrarbeit. Insgesamt seien dennoch 91 Prozent der insgesamt über 445.000 Anträge bereits bearbeitet.

Die zunehmende Komplexität macht auch den Sachbearbeitern der IHK zu schaffen: „Das ist der Preis des Strebens nach Einzelfallgerechtigkeit. Komplexität durch Variantenvielfalt erschwert sowohl die Antragsstellung bei den prüfenden Dritten als auch die Arbeit der Bewilligungsstellen in den Ländern.“

Auch seien viele Antragssteller spät dran gewesen: „57 Prozent aller Anträge erreichten uns erst in den letzten beiden Wochen vor Fristende.“ Mit Steuergeldern müsse man außerdem besonders sorgfältig umgehen. Deswegen gibt es auch keine Abschlagszahlungen.

Der Vermieter hat Verständnis

Das versteht Siegfried Strehle natürlich alles – jedenfalls zum Großteil. Aber das hilft nicht, wenn es eben eng wird. Das Wort Insolvenz nimmt Strehle nicht in den Mund. Vielleicht auch weil dann Überbrückungshilfen abgelehnt werden könnten. Stattdessen hat er erst mal selbst geholfen und einen fünfstelligen Betrag in das Unternehmen des Sohnes gesteckt. Die Miete ist gestundet. „Das ist gut, aber keine Dauerlösung“, sagte Strehle letzte Woche. Wie lange das ein noch so verständnisvoller Vermieter mitmacht, sei ja auch nicht klar. Aber nachdem am Montag der Bewilligunsbescheid kam und am Dienstag das Geld, herrschte große Erleichterung. Vermutlich auch bei Strehles Vermieter.

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