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Hilfe für kleine und große Patienten

Wie das Teddybär-Krankenhaus Kindern die Angst vor Krankenhäusern und Operationen nehmen will

Im Teddybär-Krankenhaus hilft Nico Hanny (links) den Kindern um David (rechts) bei der Behandlung der Verletzungen ihrer Kuscheltiere.
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Im Teddybär-Krankenhaus hilft Nico Hanny (links) den Kindern um David (rechts) bei der Behandlung der Verletzungen ihrer Kuscheltiere.
  • Julian Baumeister
    VonJulian Baumeister
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Viele Kinder haben Angst vor Krankenhäusern oder Operationen. Ganz oft auch durch schlechte Erfahrungen im Kreise der Familie. Um ihnen diese Angst etwas zu nehmen, gibt es in Rosenheim ein Teddybär-Krankenhaus. Dort wird der Ablauf eines Krankenhausaufenthalts samt Untersuchung simuliert. Am Beispiel von Kuscheltieren.

Rosenheim – Es herrscht große Aufregung im Aufnahmebereich des Krankenhauses. In der Einfahrt blinkt noch das Blaulicht des Krankenwagens. Gerade wurde „Simon“ mit schweren Kopfverletzungen eingeliefert. Er ist in eine Jagdfalle geraten.

Während sich die Ärzte und deren Assistenten die türkisen OP-Kittel anziehen, füllt Leo in aller Ruhe den Anamnesebogen für seinen Teddybären aus. „Auf der Suche nach Futter hat ihn das Metalltor der Falle erwischt“, sagt Leo. Der fünfjährige hat sein Kuscheltier nach dem Unfall sofort ins Teddy-Krankenhaus in Rosenheim gebracht. Dort warten Nico Hanny und sein Team. Sie wollen den flauschigen Patienten und deren Besitzer helfen.

Hilfe für Groß und Klein

In erster Linie will Hanny, der Initiator des Teddybär-Krankenhauses, den Kindern helfen und ihnen die Angst vor einem eigenen Krankenhausaufenthalt nehmen. Dazu hat seit Freitag (13. Mai) nach zwei Jahren Coronapause wieder das Teddybär-Krankenhaus in der Pettenkoferstraße geöffnet.

Im Schüler- und Studentenzentrum haben die Ehrenamtlichen um Hanny einige Räume in ein „echtes“ Krankenhaus verwandelt. Es gibt einen OP-Saal mit Geräten zur Überwachung der Sauerstoffsättigung oder einer Narkosemaske. Ebenso ist ein kleines MRT im Nebenzimmer nachgebaut worden.

Gebrochene Ohren und Arme

Auch Leo und der sechsjährige David haben ihre Teddybären vorbeigebracht. Beide Jungen mussten bisher einmal ins Krankenhaus. Allerdings sei das nicht „so schlimm gewesen“. „Bisschen Angst habe ich trotzdem vor einer Operation“, sagt David, der seinen Bären „Max“ mit gebrochenem Arm und Ohr dabei hat. An der ersten Station müssen die Jungen ihre Kuscheltiere erst mal anmelden. Anamnesebogen inklusive.

Nach kurzer Wartezeit geht es direkt weiter ins Behandlungszimmer. Dort werden „Simon“ und „Max“ gründlich untersucht. Unter Anleitung von Nico Hanny überprüfen die Jungen sowohl Augen als auch Ohren der Bären. Herzfrequenz und Atmung werden ebenfalls fachmännisch mit einem Stethoskop kontrolliert. „Da ist doch bisschen Blut in dem Ohr“, sagt Leo.

Die Teddybären werden sogar mit einem MRT durchleuchtet.

Deshalb muss der Bär ein Zimmer weiter ins MRT, um die Verletzung am Kopf genauer beurteilen zu können. Die Bilder überraschen. Beide Bären haben zu den Brüchen Spielzeug im Bauch. „Die Kinder haben schon viel Fantasie, was die Verletzungen betrifft, da müssen wir mithalten“, sagt Hanny. Selbst ein durch den Sturz vom Fahrrad gebrochenes Herz sei schon dabei gewesen. Damit die Teddys gesund werden, geht es im Anschluss in den Operationssaal. Zunächst müssen sich Leo und David sterile Schutzanzüge anziehen.

Auf dem OP-Tisch werden die Bären dann erst mal narkotisiert. Nach dem Desinfizieren der Hände suchen die Jungen mit Hanny den Bauchraum der Kuscheltiere mit einer Pinzette ab. Nach kurzer Zeit kommen tatsächlich ein Spielzeugauto und eine Christbaumkugel zum Vorschein.

Ganz zur Überraschung von Leo und David. „Das hat er bestimmt mal beim Fressen mit verschluckt“ sagt Leo. Zusammen mit dem Teddy-Doc verbinden die beiden dann noch alle Wunden der Bären mit Verbänden und Pflastern, ehe es zum Abschluss zur Krankenhausapotheke geht. Für Medikamente nach einer OP muss schließlich auch gesorgt sein. Nach einem kurzen Abstecher in den ausgestellten Krankenwagen, geht es für Leo, David und die geheilten Kuscheltiere wieder nach Hause – mit etwas „weniger Angst“ als vorher.

Keine Scheu vor Defibrillator und Co.

„Das ist eine super Idee“, sagt Monika Jacobsen, die Mutter von Leo und David. Falls einem der beiden doch mal etwas passiere, wäre der Ablauf im Krankenhaus nichts Neues für die Kinder. „Sie wissen jetzt ungefähr, was dort gemacht wird und es drohen keine bösen Überraschungen“, sagt Jacobsen.

Das ist auch für Nico Hanny das Wichtigste. „Die Kinder sollen den Ablauf von einer Behandlung kennenlernen“, sagt der Medizinstudent. Am besten auch mal ohne die Eltern. Denn die könnten im Krankenhaus nicht immer dabei sein.

Auch die Angst vor medizinischen Geräten wie Defibrillatoren oder Operationsbesteck will Hanny etwas lindern. Ganz oft hätten Kinder davor nur Angst, weil es sich „kalt durch das Metall“ anfühlt. „Wenn sie es selber in der Hand haben, merken sie oft, dass es im Prinzip nicht anders als die Taschenlampe zuhause ist“, sagt Hanny. Er zeigt sich mit dem ersten Ansturm an „Patienten“ zufrieden. „Schon schön, wenn man sieht, wie es angenommen wird“, sagt Hanny. Bis Samstag (14. Mai) um 16.30 Uhr hat das Teddybär-Krankenhaus im Schüler- und Studentenzentrum an Pettenkoferstraße 9 noch geöffnet.

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