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Über Folgen der Gaskrise und Lösungen für die Region

Müssen wir bald frieren, Herr Brühl? Rosenheims Stadtwerke-Chef im Exklusiv-Interview

Stadtwerke-Leiter Dr. Götz Brühl begrüßt, dass ein Bewusstsein fürs Sparen geschaffen wird.
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Stadtwerke-Leiter Dr. Götz Brühl begrüßt, dass ein Bewusstsein fürs Sparen geschaffen wird. 
  • Anna Heise
    VonAnna Heise
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Ob das Gas im Winter knapp wird, ist noch unklar. Trotzdem rufen Experten zum Sparen auf. Ein Gespräch mit Dr. Götz Brühl, Geschäftsführer der Rosenheimer Stadtwerke, über die aktuelle Situation, Energiefresser und die Frage, warum in Zukunft auf die Verbrennung von Holz gesetzt wird.

Im April haben Sie gesagt, dass wir für den Winter vorbeugen müssen. Wie ist mittlerweile die Situation?

Dr. Götz Brühl: Mittlerweile sind die Gasspeicher in Deutschland zu 90 Prozent gefüllt. Das lässt uns entspannter auf den Winter blicken als noch im Frühjahr. Es herrscht nach wie vor sehr viel Ungewissheit. So wissen wir beispielsweise nicht, wie kalt der Winter wird. Fest steht nach wie vor, dass die 40 Prozent des deutschen Gases, die aus Russland kamen, ersetzt werden müssen. Die Hälfte davon kann durch zusätzliche Lieferungen ersetzt werden. Die restlichen 20 Prozent lassen sich nur durch Sparen abfangen.

Also Heizung runter und Pulli an?

Brühl: Das meiste Gas fließt in die Beheizung. Heißt im Umkehrschluss: Jeder Einzelne sollte ungefähr drei Grad einsparen. Ein Grad weniger entspricht einer Energieeinsparung von rund sechs Prozent. Für die Fernwärme haben wir im vergangenen Winter seit 30 Jahren wieder Heizöl eingesetzt. Dadurch sind wir technisch in der Lage durch eine Substitution auf Öl Gas zu sparen.

Viele Kommunen haben bekannt gegeben, dass sie auf warmes Wasser verzichten wollen – anders als in Rosenheim.

Brühl: Energetisch ist diese Maßnahme in meinen Augen bedeutungslos. Allerdings hilft sie, ein Bewusstsein fürs Sparen zu schaffen. Und das wiederum begrüße ich.

Was sagen Sie Bürgern, die Angst haben, im Winter frieren zu müssen.

Brühl: Wenn wir die Heizung um drei Grad runterdrehen, sind wir in den meisten Fällen immer noch bei 19 Grad. Das ist nicht kalt. Wir müssen damit anfangen, unsere Komfortzone zu verlassen und uns im Winter auch einfach mal einen Pulli drüberziehen – auch wenn wir uns im Innenraum aufhalten. So können wir es aber gemeinsam schaffen, dass uns das Gas nicht ausgeht.

Die Rosenheimer Grünen haben sich dafür eingesetzt, dass Energiefresser wie dem Eisstadion oder die Bäder zugemacht werden.

Brühl: Energiefresser ist ein sehr emotionaler Begriff, bei dem eine gewisse negative Attitude mitschwingt. Denn es würde ja bedeuten, dass alles, was nicht in die Rubrik Energiefresser fällt, in Ordnung ist. Und genau diese Denkweise ist nicht schlau. Wir können die Welt nicht in Gut und Böse unterteilen.

Also sind das Hallen- und Freibad nicht böse?

Brühl: Das Hallenbad wird mit Fernwärme aus dem Rosenheimer Müllheizkraftwerk betrieben, das Freibad sogar mit einer eigenen Leitung. Das Freibad benötigt viel Wärme, wenn es draußen kalt ist. Auch deswegen wird es nur im Sommer geöffnet.

Trotzdem hatte man sich dazu entschieden, das Freibad länger offen zu lassen.

Brühl: Das Freibad ist eine Freizeiteinrichtung, die zur besseren Lebensqualität und der öffentlichen Gesundheit beiträgt. Wir orientieren uns im Moment an den Besucherzahlen. Aber sollte es ans Eingemachte gehen, entscheidet am Ende natürlich der Stadtrat, ob das Freibad geschlossen bleiben soll oder nicht. Unsere Empfehlung ist ganz klar, den Betrieb aufrechtzuerhalten, so lange es für die Badegäste warm genug ist.

Vom Erdgas-Mangel wäre auch das Müllkraftwerk in Rosenheim betroffen. Kommt die Anlage in der Stadt schon an die Kapazitätsgrenzen?

Brühl: Wir sind immer an der Kapazitätsgrenze, will sagen: Die Anlage wird immer voll ausgelastet. Daran ändert auch die momentane Situation nichts.

Bei einem Spaziergang durch die Stadt fallen immer wieder hell erleuchtete Schaufenster und beleuchtete Haueingänge auf. Muss das sein?

Brühl: Generell gilt: Was nichts nutzt, gehört abgeschaltet. Es braucht für mich keine hell erleuchteten Schaufenster in der Nacht. Schon alleine mit Blick auf die Lichtverschmutzung. Aber man muss auch sagen, dass die Beleuchtung energetisch nicht viel ausmacht. Natürlich gibt es auch hier Verbesserungspotenzial. Einen Großteil unserer Straßenlaternen haben wir aber bereits auf LED umgerüstet.

Seit Februar haben die Stadtwerke zudem 80 zusätzliche Haushalte an die Fernwärme angeschlossen.

Brühl: Das Interesse ist sehr groß. Aber es steckt auch unheimlich viel Arbeit dahinter. Im Moment sind circa ein Drittel aller Haushalte in Rosenheim an das Fernwärmenetz angeschlossen. Unser Ziel ist es, dass sich diese Zahl in den kommenden zehn Jahren noch verdoppelt.

Viele Leute sorgen sich, dass sie ihre Nebenkosten nicht mehr bezahlen können. Die Stadtwerke haben die Möglichkeit, Strom- und Gassperren auszusetzen. Erst kürzlich hat Oberbürgermeister Andreas März gesagt, dass er sich im Härtefall dafür einsetzt, dass es Regeln geben wird.

Brühl: Ich bin der Auffassung, dass man Menschen nicht zum Benzin sparen bringen kann, indem man die Steuern senkt. Wir können es nicht billiger machen zu heizen und uns dann wundern, dass die Bürger mehr verbrauchen. Natürlich muss Menschen, die in Not sind, geholfen werden. Dafür gibt es in der Stadt Einrichtungen, die verschiedene Möglichkeiten haben. Ich persönlich finde einen Eingriff in den Markt immer schwierig, weil er am Ende zu „leeren Regalen“ führt.

Ihre Prognose für die kommenden Monate?

Brühl: Niemand weiß, wie knapp Öl und Gas in den kommenden Monaten werden. Hinzu kommt, dass wir nicht wissen, wie kalt der Winter wird. Fakt ist, dass das Thema nicht unbekannt ist. Noch nie war der Füllstand des Gasspeichers so präsent in den Medien wie in den vergangenen Monaten. Vonseiten der Stadtwerke arbeiten wir seit längerer Zeit an einer zusätzlichen Möglichkeit, um Energie zu sparen oder besser zu nutzen.

Wie läuft das?

Brühl: Gut. Wir haben eine Kooperation mit der Firma Zosseder, um einen Holzvergaser auf deren Gewerbegrundstück zu bauen. Im März wurden die entsprechenden Beschlüsse gefasst, der Genehmigungsantrag ist auf dem Weg. Wir haben ein Verfahren entwickelt, das den Energiegehalt von Holz deutlich besser ausschöpft, als die Verbrennung von Holz in einem Heizkessel oder Heizkraftwerk. Durch die Biomassevergasung gewinnen wir aus dem Holz zunächst ein brennbares Gas. Mit diesem Brennstoff erzeugen wir dann mit hoher Effizienz in modernen Gasmotoren Strom und Wärme.

Ist das Holz in Deutschland nicht auch knapp?

Brühl: Altholz haben wir in Rosenheim in großer Menge und auch bei Frischholz interessieren uns nur die Teile des Baumes, die sonst nicht verarbeitet werden können.

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