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Rosenheimer Hauptausschuss beschließt

Container-Dorf am Sportplatz vom Tisch - das sind die neuen Pläne für eine Flüchtlings-Unterkunft

Die Stadt Rosenheim überlegt, Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine in Containern unterzubringen.
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Die Stadt Rosenheim überlegt, Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine in Containern unterzubringen.
  • Anna Heise
    VonAnna Heise
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  • Rosi Gantner
    Rosi Gantner
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Die Stadt Rosenheim sucht händeringend nach Unterkünften für Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine. Gegen den ursprünglichen Plan, Container auf einem Sportplatz aufzustellen, gab es deutlichen Widerstand. Dienstagabend, 26. April, nun die Kehrtwende im Hauptausschuss: Das sind die neuen Pläne.

+++ Update 26. April 2022 19:30 Uhr +++

Rosenheim - Der Hauptausschuss der Stadt Rosenheim erteilte in seiner Sitzung am Dienstagabend, 26. April, den ursprünglichen Plänen der Stadtverwaltung, Unterkünfte für Ukraine-Flüchtlinge auf dem Gelände des Sportplatzes des SV Westerndorf zu errichten, eine Absage. Schon im Vorfeld der Sitzung war Protest gegen das Vorhaben, ein Container-Dorf, laut geworden.

Eiligst hatte die Stadtspitze um Oberbürgermeister Andreas März am Dienstag einen Alternativvorschlag erarbeitet und am Abend dem Gremium präsentiert: eine Tiny-House-Siedlung im Rosenheimer Norden - offenbar auf städtischen Flächen westlich der Westerndorfer Straße, wie es in der Sitzung hieß. Der Hauptausschuss begrüßte diese Wende und stellte sich mit einem einstimmigen Votum hinter den Alternativvorschlag. Das Container-Dorf auf dem Westerndorfer Sportplatz dürfte damit Geschichte sein.

Ein ausführlicher Bericht aus der Sitzung folgt am Mittwoch.

Rosenheim - Klaus Jordan versteht die Welt nicht mehr. Über mehrere Ecken hat der Vorsitzende des SV Westerndorf St. Peter von den Plänen der Verwaltung erfahren, dass darüber nachgedacht wird, am Schulportplatz in Westerndorf St. Peter Container aufzustellen, um dort ukrainische Geflüchtete unterzubringen. „Wir wurden mehr oder weniger vor vollendendete Tatsachen gestellt“, schreibt Klaus Jordan in einem Brief an Oberbürgermeister Andreas März (CSU), der auch der OVB-Redaktion vorliegt.

Hintergrund: Die Stadt Rosenheim hat von der Regierung von Oberbayern den Auftrag bekommen, Kapazitäten für rund 460 Kriegsflüchtlinge zu schaffen. Neben den Plätzen in der Luitpoldhalle, in angemieteten Wohnungen, dem Kastenauer Hof und einer städtischen Asylunterkunft wird jetzt auch überlegt, ob Container in Westerndorf Abhilfe schaffen könnten. Der sich formierende Widerstand sorgte offenbar am Sitzungstag für ein Umdenken. Oberbürgermeister Andreas März will im Hauptausschuss eine Alternative vorstellen.

Aufnahmestopp verkünden?

Für Klaus Jordan steht schon jetzt fest, dass er die ursprünglichen Pläne so nicht hinnehmen will. „Wenn der Standort kommt, dann würden wir nicht mit der gleichen Anzahl an Jugendmannschaften weitermachen können“, sagt Jordan. Der Verein müsste Mannschaften abmelden und einen Aufnahmestopp verkünden.

„Unser Standort und unsere soziale Verantwortung werden damit aufs Spiel gesetzt“, schreibt der Vorsitzende. Zudem sei der SV Westerndorf der einzige Fußballverein im Rosenheimer Norden, bei dem fast ausschließlich Rosenheimer Kinder spielen. Die Pläne der Stadt hätten demnach auch unmittelbare Konsequenzen für das soziale Umfeld im Norden Rosenheims. Jordan befürchtet zudem, dass durch die umfangreichen und eingreifenden Baumaßnahmen der Trainingsplatz über Jahre hinweg gar nicht beziehungsweise nur eingeschränkt benutzbar sei.

Alternative: Ehemalige Bogensiedlung

Statt die Container auf dem Schulsportplatz in Westerndorf St. Peter zu errichten, schlägt er vor, über alternative Standorte nachzudenken - beispielsweise das Gelände der Bundespolizei oder an der ehemaligen Bogensiedlung. „Hier ist unseres Wissens nach keine Bebauung bis 2027 geplant“, sagt Jordan und fügt hinzu: „Wir appellieren dringend, unsere berechtigten Interessen zu berücksichtigen und sind sicher, dass es bessere und geeignetere Standorte für diese Maßnahme gibt.“

Dieser Meinung sind auch die Rosenheimer SPD und Stadträtin Ricarda Krüger (Die Partei). In einem gemeinsamen Eilantrag fordern sie ganz aktuell die Verwaltung auf, sich gegen den Standort der Schulsportanlage in Westerndorf St. Peter auszusprechen und stattdessen andere Möglichkeiten zu untersuchen. Neben dem Gelände der Bundespolizei schlagen sie auch das ehemalige Gesundheitsamt in der Rathausstraße 30 sowie etwaige Kirchengrundstücke vor.

Geht es nach SPD und „Die Partei“ könnte das ehemalige Gesundheitsamt in der Rathausstraße 30 als Unterkunft für Kriegsflüchtlinge dienen.

Ganzheitlich nach Notunterkünften suchen

„Bei der Unterbringung der ukrainischen Geflüchteten dürfen wir uns nicht nur auf städtische Grundstücke konzentrieren, sondern müssen ganzheitlich nach idealen Grundstücke für Notunterkünfte suchen“, sagt Abuzar Erdogan, Fraktionsvorsitzender der SPD. Bei der Auswahl des Schulsportareals in Westerndorf St. Peter handelt es sich in seinen Augen um einen „nicht geeigneten Standort“, für den es deutlich bessere Alternativen gebe.

Kritik gibt es von SPD und „Die Partei“ auch dafür, dass mit der Auswahl dieses Standortes die schwierige Entscheidungsgrundlage „Schul- und Vereinssport“ versus „Unterbringung ukrainischer Geflüchteter“ provoziert werde, obwohl es eine Reihe geeigneter Alternativen gäbe.

Gelände der Bundespolizei bietet Platz

Wie eben das Gelände der Bundespolizei. „Es bietet ausreichend Platz und ist gut angeschlossen“, sagt Erdogan. Ihm sei bewusst, dass sich die genannten Alternativen nicht alle im Eigentum der Stadt befinden, sondern Kirchen oder staatlichen Institutionen gehören. „Sowohl die Kirche als auch der Staat haben sich öffentlich zur Unterstützung bei der Unterbringung ukrainischer Geflüchteter bekannt. Infolgedessen sind bei der Suche nach geeigneten Grundstücken auch diese einzubeziehen“, sagt der Fraktionsvorsitzende.

Ob auf dem Schulsportplatz in Westerndorf St. Peter tatsächlich Container errichtet werden sollen oder es eine Alternative gibt, entscheidet sich in der Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses am Dienstag, 26. April. Beginn der Sitzung ist um 17 Uhr.

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