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SCHULE ALS SEHNSUCHTSORT

Rosenheim: So fühlt es sich an, im Lockdown Schüler, Elternteil oder Schulleiterin zu sein

Samuel und Christine Beinhofer aus Rosenheim lernen gemeinsam an Samuels Schreibtisch. Er geht in die zehnte Klasse auf der Johann-Rieder-Realschule und bereitet sich im Corona-Lockdown auf seine Abschlussprüfungen vor.
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Samuel und Christine Beinhofer aus Rosenheim lernen gemeinsam an Samuels Schreibtisch. Er geht in die zehnte Klasse auf der Johann-Rieder-Realschule und bereitet sich im Corona-Lockdown auf seine Abschlussprüfungen vor.
  • Alexandra Schöne
    vonAlexandra Schöne
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Sie sind genervt, niedergeschlagen, machen sich Sorgen um ihre Zukunft – aber kommen trotzdem alle irgendwie zurecht. Zwei Schüler, eine Mutter und eine Schulleiterin aus Rosenheim berichten aus ihrem Corona-Alltag.

Rosenheim –  Samuel Beinhofer (15) ist jemand, der die Dinge pragmatisch sieht. Jemand, der sagt: Hilft nichts, durch die Pandemie müssen wir durch. Auch, wenn’s wehtut. Er besucht die zehnte Klasse an der Johann-Rieder-Realschule in Rosenheim. Zehnte Klasse, das bedeutet: Abschlussprüfungen in ein paar Wochen. Dann will er auf die FOS, Abitur machen.

Zehnte Klasse, das bedeutet auch Präsenzunterricht statt Homeschooling. „Ich bin froh, überhaupt mal wieder in die Schule zu gehen“, sagt Beinhofer. Denn die Zeit im vergangenen Jahr, als auch er nicht ins Klassenzimmer durfte, sei nervig gewesen. Jetzt stört ihn vor allem, dass er nicht mehr Fußball im Verein spielen kann. Das vermisst er, genauso wie seine Freunde. Sie sieht er nur noch online beim gemeinsamen „Zocken“.

„Mittlerweile hat man keinen Bock mehr“

Sein größtes Problem sei aber, dass er sich nur noch schwer zum Lernen anspornen kann. Das sagt er ganz offen. „Am Anfang waren meine Freunde und ich schon noch motiviert. Abschlussprüfungen und so. Aber mittlerweile hat man keinen Bock mehr.“

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Für seine Mama Christine Beinhofer, Elternbeiratsvorsitzende an der Realschule, verständlich. Sie beobachtet ihren Sohn seit einem Jahr dabei, wie er „keinen Ausgleich und keine sozialen Kontakte“ mehr habe. „Das macht mich traurig“, sagt sie. Als Elternteil fühle man sich hilflos. Sie berichtet von Gesprächen mit überanstrengten Eltern, die sich jede Woche auf eine neue Situation einstellen müssten. Sie fordert, dass die Realschule deshalb Sozialarbeiter zur Unterstützung bekommt.

Am Ignaz-Günther-Gymnasium gibt es zwar keine Sozialarbeiter, dafür aber den Schulpsychologen Michael Thoma. Den Eindruck, dass immer mehr Schüler wegen der Pandemie depressiv würden, hat er nicht. „Es haben eher diejenigen noch mehr Schwierigkeiten, denen es vorher auch schon nicht gut ging“, sagt Thoma. Trotzdem herrsche bei manchen eine gewisse „Zukunftspanik“. Viele seiner Schützlinge fürchteten nach der Pandemie große Wissenslücken oder dass sie im nächsten Schuljahr sitzenbleiben.

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Um zu helfen, schickt er immer wieder Briefe an Schüler und Eltern. Er gibt Lerntipps, teilt seine Gedanken zu Corona und listet Ideen für die Freizeit auf. „Werde zum Waldabenteurer!“, heißt es auf einem seiner bunten Blätter. Oder: „Werde zum ‚Historiker‘ und lies mal etwas ganz anderes!“. Er rät den Kindern und Jugendlichen, kreativ zu werden und neue Sachen auszuprobieren.

Mit der Familie mehr unternehmen

Zu Eltern sagt er: „Locker bleiben. Sie sollen den Druck aus der Gesellschaft nicht zu stark annehmen und auf ihre Kinder übertragen.“ Er sieht die Pandemie als Chance, als Familie wieder enger zusammenwachsen, indem man mehr Zeit miteinander verbringt.

Das ist eine Sache, die auch Maja Stahl (16) schätzt. Sie besucht die elfte Klasse am Karolinen-Gymnasium, sitzt jeden Tag daheim vor ihrem Computer. Sie backe viel mit ihrer Familie, erzählt sie. Trotzdem vermisse sie es, im Klassenzimmer zu sitzen. Vor dem Computer schweife sie irgendwann ab. „Es ist hart“, sagt sie.

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Ihre Routine: Schule, Essen, Mittagsschlaf, Schule, Sport. Und am Abend vielleicht noch einmal Schule. Ein Arbeitsauftrag geht ja noch, denke sie sich oft. Vom Schulalltag abzuschalten, sei daheim schwer. Auch die Ungewissheit belastet die Schülerin. Wann geht es zurück ins Klassenzimmer, welche Klausuren stehen noch an? Fragen, auf die sie keine Antworten bekomme.

Am Wochenende Eltern abtelefonieren

Auch Magdalena Ramm, Schulleiterin der Städtischen Mädchenrealschule, kämpft mit dieser Ungewissheit. Sie sagt, die Anweisungen vom Ministerium kämen oft viel zu spät. Was dazu führe, dass sie und ihre Mitarbeiter auch an Freitagabenden und an Wochenenden die Eltern über die kommende Woche informieren.

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Das sei anstrengend, genauso wie der Wechselunterricht in den zehnten Klassen. Während die eine Hälfte der Schülerinnen im Klassenzimmer sitzt, ist die andere Hälfte per Video zugeschaltet.

Die Folge: „Man muss noch besser vorbereitet sein“, sagt sie. Technik, Unterlagen in digitaler Form, alles muss funktionieren. Wenn sie durch neue Regeln den Ablauf mal wieder ändern muss, rege sie sich nicht mehr auf. „Es hilft nichts, da muss man durch.“

Da sind Magdalena Ramm und Samuel Beinhofer einer Meinung.

Stadtjugendring Rosenheim: Jugendarbeit wieder ermöglichen und Zentren öffnen:

Der Stadtjugendring Rosenheim (SJR appelliert an die Bayerische Staatsregierung, Jugendarbeit wieder zu ermöglichen. Der Vorsitzende des SJR und SPD-Stadtrat, Abuzar Erdogan, kritisiert die Politik: „Die Landesregierung lässt beharrlich die Nöte von Kindern und Jugendlichen außer Acht, sobald es nicht mehr um Schule oder Kindergarten geht.“ Immer mehr junge Menschen würden sich aber zurückziehen und mental unter der Pandemie leiden, heißt es in einer Mitteilung des SJR. Was ihnen fehle: soziale Kontakte durch Wechsel- und Distanzunterricht sowie Homeoffice und Ansprechpartner außerhalb der Familie. Deshalb sei die offene und verbandliche Jugendarbeit wichtig, um Kindern und Jugendlichen einen „Raum für ihre existenziellen Probleme“ zu schaffen. Der SJR fordert, Jugendzentren zu öffnen, Angebote bereits während der Osterferien zuzulassen und Mitarbeiter in der Jugendarbeit in die Impfverordnung des Bundes aufzunehmen. Außerdem sollte die Regierung junge Menschen an den „für sie relevanten Entscheidungen zur Eindämmung der Pandemie“ beteiligen.

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