In Rosenheim sind Kindergartenplätze Mangelware: Stadt kauft Container

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Von außen eher unwirtlich wirken die Kindergarten-Container, die im Rosenheimer Stadtteil Heilig Blut aufgestellt sind.
  • Ilsabe Weinfurtner
    vonIlsabe Weinfurtner
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Zum neuen Kindergartenjahr fehlen in Rosenheim 100 Kindergartenplätze. Container sollen die Not lindern. Zum Teil wenigstens.

Rosenheim – Die einen nennen sie Module, die anderen Container. Das eine klingt eleganter als das andere. Doch am Ende bleiben es Behelfsunterbringungen. In diesem Fall für 100 Buben und Mädchen im kommenden Kindergartenjahr, die sonst nirgendwo Platz finden. Drei Standorte hat die Stadt ausgewählt. Zwei sind fix, der dritte nicht. Und unter den Stadträten wird Kritik laut, die Flickschusterei müsse endlich ein Ende haben.

Pachtverhandlung mit Pfarrkirchenstiftung

Es gab Gespräche und Vorort-Termine, um Abhilfe für das Kindergartenjahr 2020/21 zu finden. Nun steht fest: Drei Container mit Platz für je 25 Kinder werden neben dem AWO-Integrationskindergarten mit Krippengruppe in Happing aufgestellt. Außerdem beim Kindergarten „Stadtmäuse“ an der Zinnkopfstraße, dessen Träger die Stadt ist. Für beide Standorte ist bereits grünes Licht gegeben. Was daran liegt, dass die Grundstücke, auf denen die Container aufgestellt werden, der Stadt gehören.

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Die Fläche an der Kindertageseinrichtung St. Josef der Arbeiter an der Krain-straße in Oberwöhr allerdings ist im Besitz der katholischen Pfarrkirchenstiftung St. Josef der Arbeiter. Derzeit verhandeln Stadt und Pfarrkirchenstiftung über die Pacht. Sollte man sich nicht einig werden, müsste ein anderer Platz gesucht werden. In allen drei Fällen gilt: Die Buben und Mädchen können die Räume des jeweiligen Hauptgebäudes ebenso mitbenutzen wie die Außenbereiche mit ihren Spielgeräten.

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Die übrigen 25 Kinder, die nicht auf einen der drei Standorte verteilt werden können, sollen einen Platz in einer Großtagespflegestelle im ehemaligen „Mini-Laden“ an der Lessingstraße bekommen. Außerdem übergangsweise in einem Raum in der Krippe im Rosenheimer Stadtteil Aising. Dies hatte Oberbürgermeister Andreas März (CSU) im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen angekündigt.

Die Kosten für die neuen Module, inklusive Bau- und Planungskosten, betragen insgesamt rund 960 000 Euro. Die Möblierung der Gruppenräume müssen die Träger selbst finanzieren. Die Stadt stellt aber in Aussicht, jeweils 11 000 Euro als Zuschuss zu bezahlen. Die Lieferfrist dauert drei Monate, daher müsen die Container Anfang Juni bestellt werden.

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Die Stadträte im Haupt- und Finanzausschuss sprachen sich zwar einstimmig für die Vorschläge der Stadt aus. Kritik aber gibt es, weil die Vorausplanung in den Augen einiger Stadträte nur unzureichend funktioniert. Und die Container teuer in der Anschaffung seien, ohne das Problem der fehlenden Kindergartenplätze nachhaltig zu lösen. „Nach vier bis fünf Jahren“ ließen sie sich nur noch „für ein Butterbrot“ verkaufen, monierte etwa Herbert Borrmann, der CSU-Fraktionsvorsitzende. Auch die Grünen-Stadträtin Sonja Gintenreiter sowie der Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler/UP, Robert Multrus, fordern die Stadt auf, endlich in eine verlässliche Planung zu kommen. Stadtrat Franz Opperer (Grüne) mahnt ein Raumkonzept an. Und Daniel Artmann, CSU-Stadtrat und Zweiter Bürgermeister der Stadt, bat um Zahlen aus dem Einwohnermeldeamt, die als Grundlage zur Berechnung sinnvoller seien als die des Landesamtes für Statistik.

Bolzplatz muss geräumt werden

Ebenfalls kritisch angemerkt wurde, dass an Zinnkopfstraße mit dem neuen Container der Bolzplatz weichen muss. Der aber sei an dieser Stelle ganz besonders wichtig, sagte CSU-Stadtrat Dr. Wolfgang Bergmüller. Der Bolzplatz sei stark besucht, falle er weg, müssten die Kinder auf der Straße spielen. Oberbürgermeister März gab ihm recht. Man versuche daher, den Container zwischen Kindergarten und Bolzplatz aufzustellen, das habe man bei einem Termin vor Ort geklärt, sagte März.

Wie berichtet, hatten einige der Stadträte in gleicher Sitzung darauf gedrungen, möglichst viele der Freispielflächen zu erhalten. Franz Opperer hatte sogar von einem „Trend“ in der Stadt gesprochen, diese zu überbauen, als die Sprache darauf kam, dass der Bolzplatz gegenüber der Prinzregentenschule zum Teil einem Neubau weichen muss, in dem der Kinderhort samt Mittagsverpflegung untergebracht werden sollen.

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