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Expressverbindung im Stundentakt

Nach Rosenheims Blockade: Scheitert jetzt das gesamte „Alpenbus“-Projekt?

Frühstens 2025 soll der Alpenbus starten. Eine schnelle Verbindung von Murnau bis nach Rosenheim quer übers Land.
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Frühestens 2025 soll der Alpenbus starten. Eine schnelle Verbindung von Murnau bis nach Rosenheim quer übers Land.
  • Anna Heise
    VonAnna Heise
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Der Alpenbus zwischen Bad Tölz und Rosenheim soll frühestens 2025 in Betrieb gehen. Bereits im Dezember 2021 sprachen sich die Rosenheimer Stadträte gegen eine finanzielle Beteiligung aus. Jetzt kommen erste Zweifel an der Entscheidung auf - aus mehreren Gründen.

Rosenheim - Der ÖPNV muss attraktiver werden. Davon ist Sonja Gintenreiter überzeugt. „Rosenheim leidet unter einer enormen Belastung durch den Straßenverkehr. Wir brauchen Alternativen zum Auto“, sagt die Fraktionsvorsitzende der Grünen. Eine neue Buslinie - wie etwa der Alpenbus - sei deshalb ein „aussichtsreicher Baustein“.

Betriebskosten vom Freistaat gefördert

Der Alpenbus soll, wie berichtet, ab Juni 2024 auf zwei Linien die Landkreise Miesbach, Bad Tölz-Wolfratshausen, Garmisch-Partenkirchen, Weilheim-Schongau sowie Stadt und Landkreis Rosenheim verbinden. Die Busse sollen im Stundentakt fahren, 65 Prozent der Betriebskosten könnten im ersten Jahr vom Freistaat Bayern gefördert werden.

Kürzere Reisezeiten, attraktive Verbindungen

„Der Freistaat verfolgt mit der Förderung landesbedeutsamer Buslinien das Ziel, Expressverbindungen im Stundentakt durch Busse zu schaffen und dadurch das Netz des Schienenpersonennahverkehrs (SPNV) zu ergänzen“, teilt ein Sprecher des bayerischen Verkehrsministeriums auf OVB-Anfrage mit. Mit der Einrichtung der Alpenbuslinie könnten „kürzere Reisezeiten und attraktive Verbindungen“ ermöglicht werden.

Einstimmige Entscheidung gegen Beteiligung

So jedenfalls lautet die Theorie. Doch die Praxis sieht wie so oft etwas anders aus. Was unter anderem daran liegt, dass sich die Rosenheimer Stadträte einstimmig gegen eine Beteiligung am Alpenbus ausgesprochen haben. Begründet wurde die Entscheidung unter anderem damit, dass die jährlichen Kosten in Höhe von 75.000 Euro, die die Stadt in den Alpenbus investieren müsste, besser angelegt wären, um den Nahverkehrsplan vor Ort umzusetzen.

Nachdem auch die Rosenheimer Grünen gegen die Expresslinie gestimmt haben, scheint es jetzt erste Zweifel an der Entscheidung zu geben. „Es hat sich damals zu vage angehört“, sagt Sonja Gintenreiter. Mittlerweile habe man sich intensiv mit dem Thema beschäftigt und sei zu der Erkenntnis gekommen, dass es ein „Schildbürgerstreich“ wäre, wenn der Bus an Rosenheim vorbeifährt, weil „der Stadtrat nicht bereit ist, einen verhältnismäßig geringen Beitrag zum Ausbau der Alpenbusverbindung zu leisten“.

Zustimmung aller Aufgabenträger

Zumal bis auf die Stadt Rosenheim alle Aufgabenträger den Planungen zugestimmt haben. „Derzeit prüfen alle betroffenen Aufgabenträger die Fortführung des Projekts“, sagt Marlis Peischer, Pressesprecherin des Landratsamtes Bad Tölz-Wolfratshausen, das für das Verkehrsprojekt „Alpenbus“ federführend zuständig ist. Geplant sei, auch nochmals auf die Stadt und den Landkreis Rosenheim zuzugehen, um mögliche Lösungen zu finden.

Landkreis muss auf Entscheidung der Stadt warten

„Der Landkreis Rosenheim wäre grundsätzlich bereit, bei der Alpenbuslinie mitzumachen“, sagt Michael Fischer, Pressesprecher des Rosenheimer Landratsamtes. Derzeit bleibe dem Landkreis jedoch nichts anderes übrig, als auf die Entscheidung der Stadt zu warten. Die steht laut Christian Schwalm, Pressesprecher der Stadt Rosenheim, nach wie vor in Gesprächen mit den anderen beteiligten Landkreisen. „Für den nächsten Verkehrsausschuss ist voraussichtlich geplant, das Thema auf die Tagesordnung zu setzen“, teilt er auf OVB-Anfrage mit.

Ob die Stadträte ihre Entscheidung dann überdenken werden, scheint - mit Ausnahme der Rosenheimer Grünen - im Moment noch offen. Und damit auch, wie es mit dem Alpenbus weitergeht. „Der Startzeitpunkt der Alpenbuslinie ist gegenwärtig offen, da aktuell alternative Linienführungen ohne die Stadt Rosenheim geprüft werden und dies eine Neuplanung erfordert“, bestätigt ein Sprecher des Verkehrsministeriums.

Finanzierungsdeckel vom Tisch

Zumindest eine Sache steht jedoch fest: „Eine etwaige Teilnahme am Projekt mit der Bedingung eines vorher festgelegten Finanzierungsdeckels lehnen sowohl der Freistaat Bayern als maßgeblicher Fördermittelgeber als auch die übrigen Aufgabenträger ab“, teilt Pressesprecherin Marlis Peischer mit. Landkreisübergreifende Buslinien könnten nur dann aufgesetzt werden, wenn vorher die vollständige Finanzierung gesichert ist. Dabei gelte: Je mehr Fahrgäste einsteigen, desto geringer werden die Kosten.

Alternativer Endpunkt möglich

Sollte sich sich die Stadt Rosenheim endgültig gegen eine Beteiligung am Alpenbus entscheiden, könnte laut eines Sprechers des Verkehrsministeriums ein geeigneter alternativer Endpunkt mit Schienenanschluss in den Landkreisen Miesbach oder Rosenheim geprüft und gegebenfalls geplant werden. Dies stünde der angebotenen Förderung durch den Freistaat nicht entgegen.

Zentrale Achse im Voralpenland

„Unabhängig vom Ergebnis der jeweils laufenden Abstimmungen setzt der Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen alles daran, den Alpenbus zum nächstmöglich Zeitpunkt - frühestens 2025 - umzusetzen“, sagt Marlis Peischer. Man sehe anhand der Expressbusse rund um München, dass diese mit einem guten Angebot von den Fahrgästen angenommen werden. „Das gleiche erhoffen wir uns vom Alpenbus als künftige zentrale Achse im Voralpenland“, ergänzt die Pressesprecherin.

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