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Rosenheimer Röstereien erhöhen Preise

Kosten für Kaffee explodieren: Das sind die Gründe für den drastischen Anstieg

Sebastian Wolfarth von der Rösterei 93 Grad erwartet nicht, dass der Preis für Kaffee wieder fällt.
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Sebastian Wolfarth von der Rösterei 93 Grad erwartet nicht, dass der Preis für Kaffee wieder fällt.
  • VonThomas Stöppler
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Dürre, Frost und Pilze – wegen Ernteausfällen steigen die Kaffeepreis stark an. Die Röstereien sind gezwungen das an den Endverbraucher weiterzugeben. Doch auch bei besseren Ernten droht Kaffee ein teures Gut zu bleiben.

Rosenheim – Das Lieblingsgetränk der Deutschen wird teurer. Über 160 Liter Kaffee trinkt der durchschnittliche Bundesbürger pro Jahr. Und muss nun in der Rösterei deutlich mehr zahlen.

Bereits gestern erhöhte der Marktführer Tchibo seine Preise um bis zu 1,30 Euro pro Pfund. “Wir haben lange gezögert, aber seit vergangenem Sommer sind die Rohkaffeepreise um 50 Prozent gestiegen. Dieser Entwicklung tragen wir Rechnung und passen nun unsere Verkaufspreise an“, erklärte Tchibo-Sprecher Arnd Liedtke. Bereits im vergangenen Sommer hatte Tchibo die Preise aufgrund des erhöhten Rohstoffpreises angezogen.

Ernteausfälle in Brasilien

Besonders krass ist der Anstieg der Börsenkurse: Das Opium der Puritaner, wie George Orwell Kaffee einmal nannte, wird in Frankfurt und an der Wallstreet für mehr als das Doppelte gehandelt als im vergangenen Jahr. „Da ist viel spekulatives Kapital dabei“, meint Max Bauer, Chefeinkäufer bei Dinzler. Kaffee ist nach Rohöl der meistgehandelte Rohstoff der Welt. Und trotzdem ist das eher einer der kleineren Preistreiber.

Der allgemein gestiegene Bedarf ist ein Grund, aber im Moment am Gravierendsten sind die Ernteausfälle in Brasilien und Kolumbien – zwei der drei größten Exporteure der braunen Bohnen. Erst Dürre, dann Frost machten den Kaffeebauern in den letzten beiden Jahren zu schaffen. Zusätzlich zum Wetter erschwert auch noch der sogenannte Kaffeerost die Arbeiten auf den Plantagen. Ein Pilz, der die Kaffeepflanze befällt, und oft dafür sorgt, dass ganze Abschnitte der Plantagen ohne Erträge gerodet werden müssen.

Und nicht zuletzt sorgt auch Corona für Personalmangel aufgrund erschwerter Einreisebedingungen in den Anbauregionen und vermehrte Lieferschwierigkeiten. Es fahren schlicht weniger Containerschiffe und die Plätze auf den Ozeanriesen werden folglich teuer. So lag im Vorjahr der Preis für eine Containerüberführung von Südamerika nach Hamburg noch bei rund 4500 US-Dollar, erzählt Sebastian Wolfarth von der Rösterei 93 Grad in Pang. Mittlerweile sind die Kosten hierfür auf über 10.000 USD gestiegen.

Einkaufspreis um 70 Prozent gestiegen

Bauer spricht sogar vom achtfachen Einkaufspreis gegenüber der Vorzeit der Pandemie. Klar ist, dass ein Unternehmen diese Preise weitergibt. Bei Dinzler steigt der Preis pro Kilo um gut vier Euro.

Auch bei 93 Grad kommt man nicht um eine Preiserhöhung herum: „Der Einkaufspreis ist im letzten Jahr um mehr als 70 Prozent gestiegen“, was sich nun unmittelbar auf den Kaffeekäufer auswirke, erklärt Wolfarth unserer Zeitung. Zwischenzeitlich findet ein richtiges Ringen um die letzten Vorräte der beliebten Sorten aus Brasilien statt. Deshalb die Rösterei bei den Endpreisen mitgehen, damit er den Qualitätskaffee überhaupt anbieten und so mit den großen Kaffeemarken konkurrieren kann.

Klimawandel bedroht Anbauflächen

Max Bauer erklärt den großen Preissprung auch damit, dass man für den Kunden Klarheit schaffen wollte. Statt peu à peu die Preise immer wieder anzuziehen, gibt es so nur eine Erhöhung mit der der Kunde rechnen kann. .

Die Gründe für den Anstieg der Preise sind unterschiedlich nachhaltig.

Zwar kündigte Tchibo bereits an, die Preise wieder zu senken, „sobald die Rohkaffeepreise dies wieder zulassen“, aber wann das passiert ist fraglich. Zum einen weil durch den Klimawandel rund 40 Prozent der weltweiten Anbauflächen verloren gehen könnten und zum anderen weil in klassischen Teetrink-Nationen wie China und Indien – zwei der bevölkerungsreichsten Länder der Welt – die Nachfrage nach Kaffee extrem steigt.

Auschschalten der Zwischenhändlerr

Die größte Hoffnung für den Kaffeepreis ist neben der Rückkehr auf ein logisitisches Niveau von vor der Pandemie, wohl der Ausbau des direkten Handels. Stand jetzt kaufen Röstereien ihren Kaffee selten bei den Bauern direkt, sondern meist über einen Broker. Mit dem Ausschalten von Zwischenhändlern könnte der Preis wieder etwas fallen.

Mit Umsatzeinbußen rechnen weder Max Bauer von Dinzler noch Sebastian Wolfarth von 93 Grad. Zwar steigt der Preis, aber am Ende ist Kaffee halt das Herzblut müder Männer (und Journalisten), wie Raymond Chandler schrieb. Und bevor es einem so ergeht wie einem der Protagonisten in Literaturnobelpreisträger Orhan Parmuks „Mein Name ist Rot“, zahlt man doch lieber etwas mehr. Der hörte auf Kaffee zu trinken und sein Gehirn verweigerte sofort und folgerichtig jede weitere Tätigkeit.

Zumal es auch gute Nachrichten gibt: für die heimischen Cafés und Bäckereien erwarten Bauer und Wolfarth allerdings keine Preissprünge. Ein Kilo Kaffee ergibt in etwa 100 Tassen. Das macht pro Kaffee einen Unterschied von etwas mehr als 4 Cent. Unwahrscheinlich, dass man als Gast im favorisierten Lieblingscafé davon etwas spürt.

Bis vor wenigen Tagen warben Röstereien mit dem alten Preis, wie hier Tchibo in Rosenheim

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