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Neuerlicher Antrag gescheitert

Ponyreiten auf dem Herbstfest: Rosenheim sieht keinen Handlungsbedarf für ein Verbot

Für die einen Freude, für andere Tierquälerei: das Ponykarussel während des Rosenheimer Herbstfests. 
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Für die einen Freude, für andere Tierquälerei: das Ponykarussel während des Rosenheimer Herbstfests. 
  • Jens Kirschner
    VonJens Kirschner
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Sollte es heuer wieder ein Herbstfest geben, wird wohl auch das Ponykarussel wieder den Attraktionen der Rosenheimer Wiesn gehören. Teile der Rosenheimer Politik wünschen sich ein Verbot des Ponyreitens. Doch die Rosenheimer Stadtverwaltung mauert.

Rosenheim – Das Ponyreiten auf dem Herbstfest lässt Partei-Stadträtin Ricarda Krüger nicht wirklich los. Schon im Juni vergangenen Jahres hatte sie einen Antrag an Rosenheims Rathauschef Andreas März in dieser Sache gestellt– ohne Erfolg. Zur jüngsten Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses brachte die fraktionslose Partei-Stadträtin ein Verbot derartiger Attraktionen auf dem Rosenheimer Herbstfest jedoch erneut auf Tapet.

„Ich finde, dass das Ponykarussell nicht das richtige Bild ist, das wir Kindern im Umgang mit Tieren vermitteln sollten“, sagte Krüger im Ausschuss. Die Argumente gegen die Veranstaltung blieben dabei mehr oder minder die gleichen: Pferde seien Fluchttiere, die durch die Beschallung wie auch durch das Leuchtspektakel Stress ausgesetzt seien. Zudem: „Das stupide Laufen im Kreis vermittelt kein zeitgemäßes Bild von Tieren und Pferden des ethischen Tierschutzes, sondern vermittelt vielmehr das Bild eines Konsumgutes“, argumentiert Krüger in ihrem Antrag.

Stadt verweist auf Veranstalter

Die Rosenheimer Verwaltung sieht sich in dieser Sache jedoch nach wie vor nicht zuständig und verweist auf den Wirtschaftlichen Verband (WV) als Herbstfest-Veranstalter, der die Standplätze für das Herbstfest nach eigenem Ermessen vergibt. Beim WV betont dessen Geschäftsführer Klaus Hertreiter, dass man alle Bewerbungen fürs Herbstfest sorgfältig abwäge.

Das Ponyreiten erfreue sich jedoch nach wie vor großen Zuspruchs bei den Besuchern. Und die Betreiber des Angebots, das Schautellerehepaar Virginia und Ronny Kaiser, versichern, ihre rund 30 Pferde bekämen ausreichend Pausen und seien zwischen ihren Einsätzen auf einer großen Koppel untergebracht.

Politisches Statement setzen

So oder so zeigte sich die Verwaltungsspitze, namentlich Oberbürgermeister Andreas März, zur jüngsten Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses zunehmend genervt von diesem Thema.

Zumal auch vonseiten der Grünen Kritik in Richtung Verwaltung zu vernehmen war: „Ich finde, die Verwaltung macht es sich sehr leicht zu sagen, der Wirtschaftliche Verband ist Ausrichter des Herbstfestes“, sagte Grünen-Fraktionschefin Sonja Gintenreiter. „Wir könnten ein politisches Statement setzen.“ Der SPD-Fraktionschef Abuzar Erdogan schlug als Kompromiss vor, Politik und Verwaltung sollten in dieser Sache das Gespräch mit dem WV suchen.

März: „Sehen keine Handlungsbedarf“

Dem entgegnete März, dass dies den Stadträten unbenommen bleibe – ohne die Verwaltung, wohlgemerkt. Nachdem Partei-Stadträtin Ricarda Krüger ihr Unverständnis über diese Haltung zum Ausdruck gebracht hatte, wurde März in seinem Ton nochmals deutlicher: „Wir sehen keinen Handlungsbedarf, und deswegen sehe ich keine Notwendigkeit, die Fraktionsvorsitzenden zu einem ‚Roundtable‘ einzuladen“, sagte er, bevor er zur Abstimmung aufrief. Mit sechs Gegenstimmen aus den Reihen der CSU folgte der Ausschuss der Empfehlung der Verwaltung, den Antrag zum Verbot des Ponykarussels abzulehnen.

Fraglich ist, ob damit das Thema für die Rosenheimer Verwaltung wirklich beendet ist. Denn Ricarda Krüger will das Rathaus mit ihrem Anliegen wohl auch weiterhin konfrontieren, wie sie auf Anfrage schildert.

Tierschützer protestieren vor Rosenheimer Rathaus

Ungefähr 20 Personen versammelten sich am Dienstag im Vorfeld der Sitzung des Rosenheimer Haupt- und Finanzausschusses vor dem Rathaus. Sie demonstrierten gegen das Ponykarussell auf dem Herbstfest. Für Versammlungsleiter Alex Saalfeld ist das Angebot mit echten Tieren nichts weiter als „Tierquälerei“. Tradition und Profitstreben könnten nicht rechtfertigen, dass Ponys stundenlang unter dem Lärm des Herbstfestes angekettet im Kreis laufen müssten.

Vor dem Rosenheimer Rathaus demonstrieren Tierschützer gegen das Ponykarussell. 

Dies belaste die Fluchttiere. Die Demonstranten wollten dem Stadtrat mit ihrer Anwesenheit signalisieren, dass sich dieser nicht aus der Verantwortung entziehen könne. Ihren Argumenten wollten die Demonstranten umso mehr Nachdruck verleihen, nachdem sie Mitarbeiter der Stadtverwaltung an den Rand des Rathausvorplatzes verwiesen. Appelle seitens der Kundgebungsteilnehmer gab es auch in Richtung der Eltern: Wenn ihre Kinder reiten wollten, sollten sie dies auf einem Reiterhof tun. „Es ist eine grundlegende Sache, dass man ein lebendiges Wesen nicht für die menschliche Unterhaltung missbraucht“, klagte ein Teilnehmer an. Das Herbstfest verliere mit einem Verbot nicht an Qualität, da es noch viele andere Fahrgeschäfte gebe. Die Demonstranten kündigten an, bei weiteren Beschlüssen in Sachen Ponykarussel wieder protestieren zu wollen. ks/bb

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