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Diskussion im Bauausschuss

Neuer Technologiepark für die TH Rosenheim: Warum die Pläne für Ärger sorgen

Auf dem Gelände der ehemaligen Bogensiedlung sollen ein Technologiepark und ein Studierendenzentrum errichtet werden. Foto
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Auf dem Gelände der ehemaligen Bogensiedlung sollen ein Technologiepark und ein Studierendenzentrum errichtet werden.
  • Anna Heise
    VonAnna Heise
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Auf dem Gelände der ehemaligen Bogensiedlung will die Technische Hochschule (TH) einen Technologiepark und ein Studierendenzentrum errichten. Kritik an dem Vorhaben gab es jetzt vonseiten des Bauausschusses – jedoch nicht an dem Neubau an sich.

Rosenheim - Etwas irritiert war Franz Lukas, der für die Grünen im Stadtrat sitzt, dann schon. Der Grund: Um den Neubau der TH realisieren zu können, müssten 80 Bäume gefällt werden. 70 davon unterliegen der Baumschutzverordnung. Dabei handelt es sich um Bäume mit Stammumfängen zwischen 22 und 280 Zentimeter. „Wir haben nicht viele Großbäume in der Stadt“, kritisierte Lukas.

Er schlug deshalb vor, die Planungen noch einmal zu überdenken. „Für eine Hochschule, die sich mit der grünen Fahne schmückt, wäre es das Mindeste“, sagte Lukas. Um zumindest einen Teil der Baumfällungen zu vermeiden, regte er an, noch mehr in die Höhe zu bauen, um die Grundfläche so zu minimieren.

Mehr in die Höhe bauen?

„Wenn noch mehr in die Höhe gebaut wird, braucht es einen Bebauungsplan. Und das bedeutet in Rosenheim vor allem eines: Viel Zeit“, entgegnete Abuzar Erdogan, Fraktionsvorsitzender der SPD. Aber auch ihm bereite die Art und Weise, wie mit den Bäumen umgegangen wird, Sorge. Trotz allem unterstütze seine Fraktion die „Entwicklung an dieser Stelle“.

Wie berichtet, sollen auf dem Grundstück an der Ecke Westerndorfer- und Hochschulstraße zwei Gebäude entstehen. Der als X-Bau bezeichnete Technologiepark soll dabei verschiedene Funktionsbereiche der TH wie Werkstätten, kleinere Labore, Seminarräume sowie Projekt- und Büroarbeitsplätze beinhalten.

Tiefgarage mit 133 Stellplätzen

Im Studierendenzentrum sind eine Mensa mit Speisesaal, ein digitales Lernzentrum sowie Servicebüros vorgesehen. In einer Tiefgarage, die unter die beiden Gebäude gebaut werden soll, entstehen 133 Stellplätze. Weitere 36 Parkplätze werden oberirdisch gebaut.

Um das Vorhaben auf der etwa 25.000 Quadratmeter großen Fläche – von der circa 13.000 Quadratmeter mit Gebäuden bebaut werden – realisieren zu können, müssen die Bäume gefällt werden. „Von den 70 zu fällenden Bäumen, die durch die Baumschutzverordnung geschützt sind, stehen 68 auf dem Vorhabensgrundstück und zwei Bäume auf städtischen Grund“, heißt es aus dem Rathaus.

Stammumfänge zwischen 84 bis 392 Zentimeter

Die Stammumfänge der zu fällenden Bäume liegen in einer Spanne zwischen 84 bis 392 Zentimeter. Als Baumarten dominieren überwiegend Ahorn und Linde, daneben Birke, Hainbuche, Esche und vereinzelt Fichte, Kiefer, Walnuss und Eberesche. Laut Verwaltung plant die Technische Hochschule 76 Ersatzpflanzungen in unterschiedlichen Größen.

Dass in dem Plan sowohl die Angaben zur Pflanzenqualität und den Baumarten fehlten, sorgte in der jüngsten Sitzung des Bauausschusses für zusätzliche Kritik. „Da hätte ich mir mehr Einsatz und Mühe erwartet“, sagte Erdogan.

Qualifizierter Freiflächengestaltungsplan

Herbert Hoch, Dezernent für Recht, Sicherheit und Ordnung, schlug deshalb, den Vorbescheid unter der Maßgabe zu erteilen, dass der Bauwerber einen qualifizierten Freiflächengestaltungsplan vorlegt, dem das Umwelt- und Grünflächenamt der Stadt zustimmen muss. Dieser Plan würde beispielsweise dokumentieren, welche Bäume erhalten werden, welche Bäume und Sträucher neu gepflanzt werden und was für Grünflächen es gibt.

Lob aus den Reihen der Freien Wähler/UP

„Den Vorschlag finde ich gut“, sagte Christine Degenhart. Sie kritisierte den Vorstoß der Grünen, die Planungen noch einmal über den Haufen zu werfen. Doch genau dafür plädierte auch Daniela Dieckhoff (Grüne). So könne es ihrer Meinung nicht sein, dass Bäume Parkplätzen weichen müssten. Die Stadträtin erinnerte daran, dass auf dem Gelände „besonders schöne Bäume“ stehen, die so heute zum Teil nicht mehr wachsen.

Eine Hitzeinsel nach der anderen

„Wenn wir für die Zukunft keinen Großbaumbestand einplanen, haben wir eine Hitzeinsel nach der anderen“, sagte sie. Zustimmung erhielt sie von ihrer Fraktionskollegin Judith Kley-Stephan. „Eine solche Planung ist für mich unverständlich“, sagte sie. Ziel müsse sein, so viele Bäume wie möglich zu erhalten.

Verantwortung der TH gegenüber

Doch genau dieser Wunsch scheint jetzt vom Tisch. „Wir haben eine Verantwortung der TH gegenüber“, sagte Bürgermeister Daniel Artmann (CSU). Er erinnerte daran, dass sich das Gremium bereits im Dezember 2021 für die Kubatur ausgesprochen hatte. Aus diesem Grund sei er nach wie vor davon überzeugt, dass man dem Vorhaben „mit gutem Gewissen zustimmen kann“.

Und genau darauf lief es letztendlich auch hinaus. Mit 10:1 Stimmen gaben die Stadträte dem Vorbescheid grünes Licht. Allerdings muss der Bauwerber einen qualifizierten Freiflächengestaltungsplan vorlegen. Baubeginn könnte dann bereits im kommenden Jahr sein.

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