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Pfarrer im Wiesn-Einsatz

Eine Predigt im Autoscooter: Sascha Ellinghaus ist der Seelsorger der Rosenheimer Schausteller

Er ist der Mann, der die Kirche aufs Volksfest bringt: Sascha Ellinghaus ist der Leiter der Zirkus- und Schaustellerseelsorger.
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Er ist der Mann, der die Kirche aufs Volksfest bringt: Sascha Ellinghaus ist der Leiter der Zirkus- und Schaustellerseelsorger.
  • Anna Heise
    VonAnna Heise
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Eine Taufe auf der Fläche beim Autoscooter oder eine Erstkommunion im Sand der Manege: Es gibt kaum etwas, das Sascha Ellinghaus nicht kennt. Der 50-Jährige ist der Leiter der Zirkus- und Schaustellerseelsorger und hält am Dienstag, 6. September, den Schausteller-Gottesdienst in Rosenheim. Ein Porträt.

Rosenheim – In den vergangenen Tagen hat Sascha Ellinghaus mehr als 1000 Kilometer zurückgelegt. Er war zu Besuch in Flensburg bei einer italienischen Clownsfamilie, hat ein Kind auf einem Volksfest in Bremen getauft und ein Fahrgeschäft im Ruhrgebiet gesegnet.

Einen Teil der Strecke ist er mit dem Zug gefahren, den Rest mit seinem weißen Kleinbus. In diesem transportiert der 50-Jährige alles, was er braucht, um eine sakrale Atmosphäre auf dem Volksfest zu schaffen. Er hat eine Reise-Orgel dabei, einen Altartisch, der sich zusammenfalten lässt, Kerzen, Liederhefte und verschiedene Gewänder. „Mir ist es wichtig, dass eine kirchliche Atmosphäre entsteht, gerade dann wenn der Gottesdienst nicht in einer Kirche stattfinden kann“, sagt Ellinghaus am Telefon.

Alltag schwer mit Kirchenleben vereinbar

Und das sei gar nicht so selten. Denn der Alltag der Schausteller lasse sich in den meisten Fällen nur schwer mit dem Kirchenleben vereinbaren. Statt Gottesdiensten an Sonn- und Feiertagen, verteilen sie Fahrchips, verkaufen Schokobananen oder geben Tipps am Schießstand. Zeit für Gottesdienste, Firmungen und Taufen bleibt oftmals nur unter der Woche.

Von Volksfest zu Volksfest

Und genau hier kommt Sascha Ellinghaus ins Spiel. Der Geistliche reist von Volksfest zu Volksfest und spendet Sakramente. „Die Botschaft ist die gleiche, nur die Umsetzung ist eine andere“, sagt er. Heißt: Statt die Gläubigen zu sich kommen zu lassen, reist er ihnen hinterher.

Seit 2002 mit voller Begeisterung dabei

„Während meines Priesterseminars hätte ich mir niemals vorstellen können, dass ich derjenige bin, der im Autoscooter Kinder tauft“, sagt Ellinghaus. Doch seit 2002 tut er genau das – mit großer Begeisterung. „Ich mache den Beruf sehr gerne“, sagt er. Dass liege unter anderem auch daran, dass der Geistliche, egal wo er hinkomme, immer wieder auf Leute treffe, die er kenne. Mit einigen sei er befreundet, andere kenne er schon seit der Taufe oder Kommunion.

Heimat ist dort, wo der Wohnwagen steht

„Schaustellern liegt Tradition sehr am Herzen“, sagt Ellinghaus. Auch deshalb sei es für sie wichtig, einen Seelsorger zu haben, den sie kennen.

Denn in einem Leben, in dem man ständig unterwegs ist und die Heimat immer dort ist, wo gerade der Wohnwagen steht, brauche es zumindest beim Glauben Beständigkeit. Und genau dafür versucht Sascha Ellinghaus zu sorgen.

Jedes Jahr 30 Beerdigungen

Er begleitet die Schausteller bei schönen Ereignissen und hilft ihnen durch die schwierigen Zeiten. „Wir übernehmen jedes Jahr um die 30 Beerdigungen“, sagt er. Auch wenn sein Terminkalender oft vollgestopft sei mit Terminen in ganz Deutschland, versuche er sich die Zeit zu nehmen, um den Schaustellern durch die Krisenzeiten zu helfen.

Fahrgeschäfte ausprobieren

Und doch überwiegen die positiven Momente. Jene, in denen sich Ellinghaus selbst wie ein Teil der Schaustellerfamilie fühlt. Und das bedeutet, dass er auch hin und wieder eine Einladung bekommt, die Fahrgeschäfte auszuprobieren, die er gerade erst gesegnet hat. „Autoscooter fahre ich. Ein Kinderfahrgeschäft auch, wenn es dafür ausgelegt ist. Aber für alle Überkopf-Fahrgeschäfte bin ich zu alt“, sagt Ellinghaus. Bereits vor 20 Jahren habe sich sein Magen gegen diese Art von Fahrgeschäften entschieden.

Wiedersehen mit alten Bekannten

In den „Gladiator“ in Rosenheim wird der Seelsorger also aller Wahrscheinlichkeit nicht einsteigen. Auf das Herbstfest freut er sich dennoch. Nicht nur, weil er alte Bekannte wiedersieht, sondern auch, weil er die Stimmung so schätze. „Es heißt nicht umsonst die sympathische Wiesn“, sagt er. Viel Zeit in Rosenheim wird er nicht verbringen.

Nachdem er um 9.30 Uhr den Schausteller-Gottesdienst in der Klosterkirche gehalten hat, während dem es heuer erstmals auch eine Taufe gibt, wird er das „Original Münchener Kasperl-Theater“ segnen, und sich dann auf den Weg nach Bonn machen. Und kann noch mehr Kilometer zurückzulegen.

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