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Von süß bis zartbitter

Weltweit bekannt: Warum es auf dem Rosenheimer Christkindlmarkt „rostige“ Schokolade gibt

Stefano Cavallari verkauft das „Werkzeug“ von seinem Chef Luca Modolo auf dem Rosenheimer Christkindlmarkt.
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Stefano Cavallari verkauft das „Werkzeug“ von seinem Chef Luca Modolo auf dem Rosenheimer Christkindlmarkt.
  • Julian Baumeister
    VonJulian Baumeister
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Auf dem Rosenheimer Christkindlmarkt gibt es in diesem Jahr einen neuen Schokoladen-Stand. Sowohl der Betreiber als auch die Produkte sind fast in der ganzen Welt bekannt. Und auch die ein oder andere Kuriosität gibt es dort zu kaufen.

Rosenheim - Alte Schrauben, verrostetes Werkzeug, Herrenschuhe oder Handtaschen. Das gibt es in diesem Jahr auf dem Rosenheimer Christkindlmarkt zu essen. Dort hat Luca Modolo, Inhaber der Firma „Chocoidea by A.M. Schoko“, das erste Mal seinen Schokoladenstand. Der Italiener aus Freising bei München verkauft Schokoladenfiguren in der ganzen Welt. Darunter auch „intime“ Kuriositäten.

Schwieriger Verkaufsstart

„Wir machen alles aus Schokolade, was möglich ist“, sagt Modolo. Die Idee für die Schoko-Figuren habe er gehabt, als er verrostete Kneifzangen und Hufeisen an den Hauswänden alter Häuser hängen gesehen habe. Die ersten Formen habe er dann in kleiner Stückzahl mehr oder weniger zu Hause hergestellt. Am Anfang seien es fast nur Formen aus dem Handwerksbereich gewesen. „Wenn man Zartbitterschokolade nimmt und diese mit Kakaopulver bestäubt, sieht das wie rostiges Werkzeug aus“, sagt Modolo.

Luca Modolo aus Freising, der eigentlich Eisdielenbetreiber ist, verkauft seine Schokolade mittlerweile weltweit.

Verkauft habe Modolo seine Schokolade das erste Mal 2009 auf einem Weihnachtsmarkt in Freising. „Das lief gar nicht gut. Die Leute dachten, meine Sachen sind wirklich altes Werkzeug“, erzählt der Inhaber. Erst als er ein Schild mit dem Hinweis „Schokolade“ vor seinen Stand hängte, sei es besser geworden. Sogar so gut, dass Modolo mehrere Eisdielen, die seit drei Generationen in Familienbesitz waren, verkaufte und sich ganz dem Schokoladengeschäft widmete.

Weltweit auf Weihnachtsmärkten

Inzwischen hat der Freisinger Verkaufsstände auf rund 30 Weihnachtsmärkten - weltweit. „Wir sind heuer zum Beispiel in Berlin, Wien, Kopenhagen aber auch in Washington oder Denver“, sagt Modolo. Vor ein paar Jahren sei er sogar auf 70 Märkten vertreten gewesen.

Nach Rosenheim ist er gekommen, da er erfahren habe, dass es dort keinen Schokoladenstand mehr gebe. „Für uns hat das auch gut gepasst, da die Confiserie Dengel auf dem Christkindlmarkt aufgehört hat“, sagt Klaus Hertreiter, Geschäftsführer des Wirtschaftlichen Verbands Rosenheim.

Viele Sonderwünsche

Auch wenn Weihnachtsmärkte das Hauptgeschäft seien, produziert Modolo und sein Team das ganze Jahr über Schokoladenfiguren - meistens Sonderanfertigungen. „Unsere Kunden sind beispielsweise Krankenhäuser, Spielekonsolenhersteller oder Erotikshops“, sagt Modolo und lacht. Die gewünschten Formen reichten dabei von Kleidungsstücken, Brillen und Autos bis hin zur „Micky Maus“. „Der verrückteste Wunsch war ein Intimfoto“, erzählt Modolo, „der Kunde wollte, dass ich das aus Schokolade in 3D nachstelle.“

Das Größte, das Modolo aus Schokolade gebaut habe: der Kölner Dom. Daran hätten er und zwei Mitarbeiter rund 600 Stunden gearbeitet. „Am Ende war der Dom 700 Kilogramm schwer und rund 1,60 Meter hoch“, erzählt der Freisinger. Bis vor Kurzem sei das Werk in einem Schokoladenmuseum ausgestellt worden.

Herstellung per Hand

Alle Figuren werden Modolo zufolge per Hand hergestellt. „Wir verwenden dabei Lebensmittelsilikone und Gipsformen, in die flüssige Schokolade gegossen wird“, erklärt der „Chocoidea“-Inhaber. Danach kämen die Formen auf einen Rütteltisch, damit die Luft aus der Schokolade entweichen kann und dann weiter in den Gefrierschrank. „Jede neue Figur probieren wir erst im Kleinen aus, bevor sie in die Produktion geht“, sagt Modolo. Im Jahr brauche er dafür zwischen fünf und 15 Tonnen belgischer Schokolade, je nach Auftragslage.

Ob seine Kunden die Schoko-Figuren wirklich essen oder als Dekoration verwenden, wisse Modolo nicht genau. „Da gibt es ganz unterschiedliche Leute, so ganz habe ich das Verhalten noch nicht verstanden“, sagt er. Es gebe den einen Teil, der seit 13 Jahren das Gleiche auf den Weihnachtsmärkten kaufe und noch vor Ort esse. „Es gibt aber auch welche, bei denen die Schoko-Schraube nach fünf Jahren noch immer auf dem Fernseher liegt“, sagt Modolo.

Rosenheimer bevorzugen Werkzeug

Die Rosenheimer kaufen Modolo zufolge am liebsten das alte Werkezeug. „Es läuft bisher, deshalb würde ich nächstes Jahr gerne wieder nach Rosenheim kommen“, sagt er. Dem ist auch Klaus Hertreiter vom Wirtschaftlichen Verband nicht abgeneigt. „Herr Modolo verkauft kreative Sachen, die es so bei uns in der Gegend nicht gibt“, sagt der Geschäftsführer, „außerdem passt das Schokoladen-Thema gut in die Adventszeit.“

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