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Fahrradparkhaus erstrahlt in neuem Glanz

Neue Kunst und neue Regeln für Radfahrer? Das soll sich am Rosenheimer Bahnhof verändern

Das Rosenheimer Fahrradparkhaus soll ein Kunstwerk bekommen - und auch die Fahrradsituation soll gelöst werden.
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Das Rosenheimer Fahrradparkhaus soll ein Kunstwerk bekommen - und auch die Fahrradsituation soll gelöst werden. 
  • Anna Heise
    VonAnna Heise
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Seit 2020 ist das Fahrradparkhaus am Rosenheimer Bahnhof in Betrieb. Jetzt soll es ein Kunstwerk bekommen. Dafür haben sich die Mitglieder des Haupt- und Finanzausschusses einstimmig ausgesprochen. Was geplant ist, wer der Künstler ist und wie die Stadt mit Falschparkern auf zwei Rädern umgehen will.

Rosenheim - Hinter Christian Heß liegen anstrengende Tage. „Letzte Woche lag ich noch mit 40 Grad Fieber im Bett“, sagt der Bildhauer, Zeichner und Performance-Künstler aus Ullerting am Simssee. Weil es ihm mittlerweile besser gehe, habe er es sich nicht nehmen lassen, an der Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses teilzunehmen. Aus guten Grund. Denn Christian Heß ist der Mann, dessen Kunstwerk im kommenden Jahr am Rosenheimer Fahrradparkhaus zu sehen sein soll. Dafür haben sich die Stadträte am Dienstagabend einstimmig ausgesprochen.

Künstlerwettbewerb im November 2019

Die Geschichte hinter der Entscheidung ist schnell erzählt. Im November 2019 wurden die Ergebnisse des Künstlerwettbewerbs „Südtiroler Platz“ im Stadtentwicklungs- und Baugenehmigungsausschuss vorgestellt. Diesen hatte die Stadt Rosenheim auf Wunsch des Stadtrates initiiert, um dafür zu sorgen, dass der Bahnhofsvorplatz nach seiner Neustrukturierung ein völlig neues Bild erhält.

Dazu sollte auf Wunsch des Stadtrats auch Kunst im öffentlichen Raum gehören. 13 Künstlergruppen haben sich anschließend mit der Aufgabe befasst und Vorschläge gemacht - darunter auch Christian Heß.

Erster Platz geht an Berliner Künstlergruppe

Das Rennen machte letzendlich die Berliner Künstlergruppe „Inges Idee“ mit der Skulptur „Los geht‘s“. Dabei handelt es sich um eine Bahnhofsuhr auf langen, schwarz-weiß gestreiften Beinen mit Skater-Rollen. Den zweiten Platz belegte Christian Heß. Er habe damals den Beitrag „Farbige Silikonringe in den Löchern der Fassade des Fahrradparkhauses“ eingereicht.

Doch die Verwaltung hatte Bedenken. So befürchtete sie unter anderem, dass sich die vorgeschlagenen circa 150.000 Silikonringe durch dauerhafte Witterungseinflüsse nach einer gewissen Zeit von selbst lösen könnten. Auch die Erkennbarkeit des Motives und der Schutz vor Vandalismus waren laut der Verwaltung Gründe, um nach einer alternativen Lösung zu suchen.

Farbanstrich der Lochfassade geplant

Also arbeitete Christian Heß an einem neuen Entwurf. „Das Ergebnis des Künstlers ist nun ein Farbanstrich von Teilflächen der gekanteten Lochfassade“, heißt es aus dem Rathaus. Dabei werden nur die seitlichen Flächen angestrichen, nicht die vordere oder hintere Fläche. Somit erkennt der Betrachter das dargestellte Motiv deutlicher, wenn man schräg auf die Fassade schaut. Auch verändert sich das Motiv, abhängig von welcher Seite das Gebäude nun betrachtet wird.

Eine Rose und ein Stück Himmel

„Wenn man aus dem Bahnhof kommt, wird eine Rose zu sehen sein. Wenn man aus der Stadt, Richtung Bahnhof geht, ein Himmel“, sagte Heß einen Tag nach der Sitzung am Telefon. Er freue sich über die Entscheidung des Gremiums, plant - nach einem positivem Entscheid im Stadtrat in der kommenden Woche - im Frühjahr mit den Arbeiten zu beginnen. Dann dauere es zwischen zwei und drei Monaten bis das Kunstwerk fertig ist.

„Die Vorteile gegenüber der Variante mit den Silikonringen ist die Dauerhaftigkeit des Motivs, da der Künstler Farben verwenden wird, welche nicht abwaschbar sind“, heißt es aus dem Rathaus. Laut Christian Heß verwendet er einen speziellen Lack, der normalerweise für die Gestaltung von Überseecontainern verwendet wird. Zudem verwende er eine Klarlackschicht, die das Werk vor UV-Strahlung schütze. Auch Dampfstrahler, die zur Reinigung der Fassade genutzt werden, würden dem Kunstwerk nicht schaden.

Piktogramm soll Fahrradparkhaus erkennbar machen

Darüber hinaus wurde der Künstler laut Stadt beauftragt, die Erkennbarkeit als Fahrradparkhaus mit der Gestaltung der Fassade zu überarbeiten. Vorgestellt hat Heß ein schlichtes Fahrrad-Piktogramm, das unabhängig von dem Kunstwerk montiert werden kann. Das Piktogramm hat eine Größe von circa 150 x 250 Zentimetern und wird aus zwei Millimeter dickem Aluminiumblech hergestellt. „Mit der Montage von zwei Piktogrammen ist nun schon von weitem erkennbar, dass hier eine Abstellung von Fahrrädern möglich ist“, heißt es aus dem Rathaus.

Begrünung statt Kunstwerk?

Stadtrat Franz Opperer (Grüne) lobte, dass einem heimischen Künstler die Möglichkeit gegeben wurde, sich am Fahrradparkhaus zu verwirklichen. Abuzar Erdogan, Fraktionsvorsitzender der SPD, erkundigte sich, ob die Möglichkeit bestünde, das Motiv nach einer gewissen Anzahl von Jahren zu verändern. „Man kann es übermalen, zudem sind noch zwei Flächen frei, auf denen das Kunstwerk erweitert werden könnte“, sagte Heß.

Peter Rutz, Fraktionsvorsitzender der Grünen, hinterfragte, ob statt eines Kunstwerks nicht auch eine Begrünung infrage komme. Robert Multrus, Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler/UP, wollte wissen, ob mit dem Architekten des Fahrradparkhauses abgeklärt wurde, ob die Fassade anders gestaltet werden darf.

Während Oberbürgermeister Andreas März (CSU) letzteres mit Ja beantworten konnte, erinnerte er daran, dass die Intention der Fahrradparkhaus-Fassade sei, dass man von außen reinschauen könne. Bei einer Begrünung sei das nicht mehr länger gegeben. Letztendlich sprachen sich die Stadträte einstimmig für die Gestaltung des Fahrradparkhauses aus. Die Gesamtkosten für die Fassade liegen voraussichtlich bei 72.000 Euro.

„Unzufriedenstellende Situation“

Und noch etwas soll sich ändern. Geht es nach einem Großteil der Stadträte, soll sich die Verwaltung dafür einsetzen, dass in Zukunft konsequent gegen falschparkende Radlfahrer vorgegangen wird. „Die Situation am Bahnhof ist äußerst unzufriedenstellend“, sagte Herbert Borrmann, Fraktionsvorsitzender der CSU. Statt ihr Rad in dem dafür vorgesehenen Fahrradparkhaus abzustellen, würden sie kreuz und quer am Bahnhofsvorplatz stehen. „Das gehört schnellstmöglich etwas gemacht. Je länger wir warten, umso weniger wird es akzeptiert“, so Borrmann weiter.

„Wir sind davon ausgegangen, dass die Bürger den neuen Vorplatz selbstständig sauber halten“, sagte Oberbürgermeister März. Nachdem sich das als Trugschluss herausgestellt hatte, versprach er, sich der Situation anzunehmen und über eine verkehrsrechtliche Anordnung nachzudenken. Sollte diese kommen, würde das für Radfahrer bedeuten, dass sie ihr Fahrrad - nicht mehr auf dem Vorplatz des Bahnhofes abstellen dürften.

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