Rosenheim: Nach vielen Tiefschläfen darf das Theater TAM Ost wiedereröffnen

Gerhard Sellmair hat Grund zur Freude: Nach Monaten der Zwangspause dürfen die Darsteller zurück auf die Bühne.
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Gerhard Sellmair hat Grund zur Freude: Nach Monaten der Zwangspause dürfen die Darsteller zurück auf die Bühne.
  • vonAnna Hausmann
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Rosenheim: Corona ließ sie den Vorhang schließen: Nach Monaten der Zwangspause meldet sich das Theater TAM Ost mit der Premiere des Stücks „Flitterwochen zu Dritt“ wieder zurück. Wie es den Darstellern während Corona erging, schildert der Vorsitzende Gerhard Sellmair (49) im Gespräch mit unserer Zeitung.

Herr Sellmair, Ihre letzte Vorstellung liegt schon einige Zeit zurück. Wie war die letzte Vorstellung?

Gerhard Sellmair: Das weiß ich noch ganz genau: Am 7. März haben wir noch die Premiere von „Warten auf Godot“ gespielt. An sich ein schwieriges Stück, wider Erwarten hatten wir sehr viele Reservierungen. Die Premiere war ein voller Erfolg für unser Haus. Das war an einem Samstag. Am Sonntag kam die zweite Vorstellung, dann war Schluss. Bayern hatte die Corona-Verordnungen erlassen, öffentliche Veranstaltungen waren somit verboten. Das war für uns alle ein Schlag ins Gesicht. Man probt im Schnitt ein halbes Jahr für die Premiere, sucht die besten Schauspieler für die Rollen – und dann das.

Was hat die Krise mit dem TAM Ost gemacht?

Wir haben erst einmal geschaut: Wie sieht es finanziell bei uns aus? Unsere Darsteller sind Laiendarsteller, haben alle einen festen Job. Sie spielen also ehrenamtlich. Aber trotzdem haben wir im Theater laufende Kosten. Strom, Miete und Gebühr für die Stücke, die wir spielen. Das alles muss bezahlt werden – aber wenn wir keine Aufführungen haben, haben wir auch keine Einnahmen. Wir wussten: Unser Theater kann mit den Rücklagen nur bis Ende November diesen Jahres überleben. Aber keiner wusste, wie lange wir nicht spielen dürfen. Deshalb haben wir uns entschieden, die geplanten Stücke wie „Terror“ von Ferdinand von Schirach auf nächstes Jahr zu verschieben. Aber trotzdem: Man fällt erst einmal in ein Loch.

Eine Petition an die Stadt

Und dann?

In der Corona-Krise gab es viele Vermieter, die ihren Mietern eine Mietminderung angeboten haben. Das war auch unsere Hoffnung. Wir sind auf unseren Vermieter zugegangen, aber er wollte uns keinen Cent nachlassen. Das war sehr schade. Der Vermieter sagte, das Haus sei noch mit Kredit belastet. Also hat er uns stattdessen nur eine Mietstundung angeboten. Das bringt uns leider nichts, da wir ohne Einnahmen auch die Miete in ein paar Monaten nicht hätten zahlen können. In der Vorstandschaft hatten wir ein paar unschöne Diskussionen, wie es mit uns weitergeht. Wir dachten schon, wie müssen unser Haus komplett aufgeben und dafür ein paar tausend Euro Reserve für einen Neustart in einem neuen Gebäude mitnehmen. Einer unserer engagierten Mitglieder Reinhard Scheide hat eine Petitionsübergabe an die Stadt organisiert, in der wir um Unterstützung gebeten haben. Unser Theater ist immerhin eine Institution für die Kultur: Wir haben etwa 6000 Zuschauer und etwa 70 Aufführungen pro Jahr! Oberbürgermeister Andreas März und Kulturreferent Wolfgang Hauck haben sich sehr für uns eingesetzt. Die Rettung lief schließlich über die Sparkassenstiftung „Zukunft“. Wir sind allen sehr dankbar.

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Welche Hygienemaßnahmen treffen Sie im Theatersaal?

Darüber haben wir uns natürlich viele Gedanken gemacht. Wir mussten ein eigenes Hygienekonzept für unseren Saal erstellen. Das alles geschah in enger Absprache mit dem städtischen Ordnungsamt. Wir haben eine Lüftungsanlage in der die Luft komplett ausgetauscht wird. Die Plätze sind gut verteilt, jeder Gast hat genügend Sicherheitsabstand. Das heißt: Auf dem Platz muss keiner eine Maske tragen, das war uns wichtig. Normalerweise haben 99 Zuschauer in unserem Saal Platz, das haben wir drastisch reduziert. Wenn mehrere Personen aus einem Haushalt kommen, dürfen wir auch eine Ausnahme machen. Neben den Besuchern müssen wir auch auf uns selbst achten: Wir schauen auch, welche Stücke wir spielen können. Deshalb haben wir uns zum Beispiel für „Flitterwochen zu Dritt“ entschieden. Hier spielen nur drei Personen auf der Bühne. Innerhalb von zwei Monaten haben wir das auf die Beine gestellt, die Regisseure und Schauspieler haben hier großartige Arbeit geleistet.

Absicherung bis nächsten April

Was machen Sie, wenn es in Rosenheim nochmal Nachschärfungen gibt?

Die steigenden Zahlen in Rosenheim bereiten uns Sorgen. Wir proben derzeit drei Stücke. Das wäre umsonst, wenn wir hier nochmal einen Lockdown bekommen. Dann schaut es schlecht aus. Mit Hilfe der Stadt sind wir bis nächsten April abgesichert.

Wie fühlt es sich an, jetzt wieder zu eröffnen?

Die Schauspieler sind heiß darauf, wieder auf der Bühne spielen zu dürfen und nicht nur zu proben. Denn kein Schauspieler spielt nur für den Regisseur. Schon während dem „Sommer in Rosenheim“ durften wir einen Einblick in unsere Inszenierungen „Terror-Ihr Urteil“ und „Das Abschiedsdinner“ geben. Uns freut, dass die Theaterschenke wieder öffnen kann, denn die ist durch Corona richtig gebeutelt.

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