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Sicherheit von Fahrgeschäften

Nach mehreren Unfällen in Bayern: Wie sicher sind die Attraktionen auf dem Rosenheimer Herbstfest?

Grundsätzlich gelten Fahrgeschäfte als sehr sicher.
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Grundsätzlich gelten Fahrgeschäfte auf Volksfesten und in Freizeitparks als sicher.
  • VonJulian Baumeister
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Zuletzt häuften sich Unfälle mit Fahrgeschäften und Achterbahnen auf Volksfesten und in Freizeitparks. Und am Samstag (27. August) beginnt das Rosenheimer Herbstfest. Auch dort werden wieder viele Menschen in die beliebten Attraktionen einsteigen. Doch: Wie sicher sind die Fahrgeschäfte auf dem Herbstfest wirklich?

Rosenheim – Fünf Unfälle binnen weniger Tage: drei auf dem Straubinger Gäubodenfest, einer im Legoland Günzburg, ein weiterer in einem Freizeitpark im Allgäu. Die Bilanz: Mehr als 30 Verletzte, darunter auch Schwerverletzte.

Seit Anfang August häufen sich die Unfälle in Fahrgeschäften auf Volksfesten oder in Freizeitparks. Mit Blick auf das in wenigen Tagen beginnende Herbstfest, haben die OVB-Heimatzeitzungen vier Schausteller befragt, wie sicher eine Fahrt auf dem Herbstfest ist.

Hohe Anforderungen an Betreiber

Einen „Ritt der Extraklasse“ verspricht der Betreiber des „Gladiators“ auf der Website des Herbstfestes. Das Fahrgeschäft ist das höchste mobile Propeller-Loopingkarussell der Welt. Bei einer Fahrt sollen Geschwindigkeiten von bis zu 90 km/h erreicht werden – in einer Höhe von 62 Metern. Der „Gladiator“ zählt zu den diesjährigen Neuheiten des Herbstfestes.

Ein solcher „Ritt“ wäre 2018 auf dem Karpfhamer Volksfest bei Bad Griesbach allerdings fast in einer Tragödie geendet. Während einer Fahrt löste sich in 25 Metern Höhe eine drei Kilogramm schwere Abdeckplatte aus Metall am Antriebskopf und fiel in Richtung der unten wartenden Volksfestbesucher zu Boden. Das bestätigt Gottfried Kopplstätter, Geschäftsführer des Vereins „Karpfhamer Fest“.

Der „Gladiator“ zählt zu den Neuheiten auf dem Rosenheimer Herbstfest.

Nur durch ein Wunder sei damals bis auf einen leichtverletzten Mann nichts Schlimmeres passiert, sagt er. „Es waren zum Zeitpunkt des Vorfalls nicht so viele Menschen vor dem Fahrgeschäft unterwegs, das war entscheidend“, sagt Kopplstätter.

Das Fahrgeschäft sei von der Polizei für rund eine Stunde gesperrt worden, bis Techniker weitere Sicherheitslücken ausschließen konnten und das Karussell wieder freigaben. Der Grund, warum sich das Metallteil gelöst hatte, sowie weitere Zwischenfälle mit dem Fahrgeschäft sind nicht bekannt. Für Nachfragen war der Betreiber des „Gladiators“ nicht zu erreichen.

Fahrgeschäfte in Deutschland sehr sicher

Trotz dieses Vorfalls und der Unfälle der vergangenen Wochen seien Fahrgeschäfte in Deutschland auf einem sehr hohen Sicherheitsniveau, wie Linda Roy, Pressesprecherin vom TÜV-Verband auf OVB-Anfrage bestätigt. Das liege daran, dass der Betrieb von Fahrgeschäften „hohen Sicherheitsanforderungen“ unterliege. „Wir werden lückenlos vom TÜV überprüft, sogar mehrmals im Jahr“, sagt Max Fahrenschon, Schaustellersprecher von Rosenheim und selbst Betreiber eines Kinderkarussells auf dem Herbstfest.

Einmal im Jahr komme der TÜV Süd für eine „verschärfte Kontrolle“ zu Fahrenschon und seinen Kollegen. Dort werde das Fahrgeschäft auf „Herz und Nieren gecheckt“. Das reiche von der Beschaffenheit des Stahls bis hin zu kleinsten Schweißnähten. Nur wer die „sehr strengen“ Vorgaben des TÜV erfülle, bekomme eine Betriebserlaubnis für die geprüfte Attraktion für ein Jahr ausgestellt.

Die Kontrolle werde von speziell geschulten Ingenieuren, jeweils einer für Maschinenbau und einer für Elektrotechnik, vorgenommen, sagt Fahrenschon. „Die Kontrollen sind alles andere als Larifari, da wird nicht geschlampt. Die Prüfer müssen ja auch ihren Kopf hinhalten, wenn doch etwas passiert“, sagt Anja Goetzke, deren „XXL Höhenrausch“ auf der Loretowiese steht.

Abnahme durch den TÜV

Zudem würden die Fahrgeschäfte vor jedem Volksfest nochmals gesondert abgenommen. „Vor den großen Festen wie München, Straubing und Rosenheim kommt der TÜV ein weiteres Mal“, betont Fahrenschon. Auf kleineren Festen übernähmen das die Landratsämter oder Städte mit ihren Bauaufsichten, sagt er. „Öfter kann man eigentlich nicht kontrollieren, ein Auto muss nur alle zwei Jahre zum TÜV. Und nicht zusätzlich vor jeder größeren Fahrt“ sagt der Schausteller.

Über diese Kontrollen hinaus seien die Betreiber verpflichtet, einen Sicherheitscheck vor jedem Festtag auszuführen, sagt Roy vom TÜV. Dazu gehöre unter anderem das Nachziehen von Schrauben und Bolzen, das Fetten und Ölen der Mechanikteile sowie die Kontrolle der Sicherheitsbügel. „Unser morgendliches Prüfprotokoll umfasst zwölf Punkte, die wir abarbeiten müssen“, sagt Peter Münch, Betreiber der „Wilden Maus“.

Er betont, dass es bei seinem Fahrgeschäft noch keinen Zwischenfall gegeben habe. „Wie auch? Wir haben ein System zur Überwachung der Überwachung“, sagt Münch. Dadurch müsse sich kein Besucher Gedanken über die Sicherheit machen, sagt auch Thomas Gründler, Betreiber des „Circus-Circus“. „Das Risiko ist minimal, jeder kann bedenkenlos bei uns einsteigen“, betont Gründler.

Restrisiko bleibt bestehen

Und dennoch gibt es laut Fahrenschon ein Restrisiko. „Eine hundertprozentige Sicherheit wird es nie geben, genauso wenig wie im Straßenverkehr oder im sonstigen Leben“, sagt er. Vor allem Matrialfehler oder auch menschliches Versagen könnten nie ganz verhindert werden. „Beim Auto kann auch die Bremsleitung kurz nach dem TÜV-Termin brechen“, sagt Fahrenschon.

„Wir machen aber alles Menschenmögliche, damit so etwas nicht passiert.“ So sieht das auch Goetzke. „Die Sicherheit hat für uns oberste Priorität, kein Schausteller hat Interesse daran, dass etwas passiert. Alle Fahrgeschäfte, die heuer in Rosenheim stehen, sind sicher.“

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