Rosenheim mistet aus: So geht der Wertstoffhof mit dem Ansturm während der Corona-Krise um

„Die Regelungen machen Sinn“: Schreiner Siegfrid Feckl muss wegen seiner Arbeit öfter auf den Wertstoffhof.
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Viele Menschen nutzen die Ausgangsbeschränkung während der Corona-Krise, um Haus und Garten in Ordnung zu bringen und gründlich auszumisten. Das sorgt für einen Ansturm auf dem Rosenheimer Wertstoffhof. Und für einige Probleme.

Rosenheim – Noch ist Günther Ries entspannt. Das Fenster hat er runtergekurbelt, mit der rechten Hand trommelt er auf seinem Lenkrad. Seit einer halben Stunde wartet er in der Schlange vor dem Rosenheimer Wertstoffhof auf Einlass. „Ich kann an der Situation ja sowieso nichts ändern“, sagt er. In seinem Anhänger transportiert er ein kaputtes Fahrrad, Schläuche und einige Kartons. Müll, der sich in den vergangenen Wochen auf seiner Baustelle angesammelt hat. Die ist mittlerweile geräumt, der Müll immer noch in seinem Anhänger. „Ich war am Anfang der Woche schon mal hier, aber da war die Schlange noch länger“, sagt er. Jetzt hat er sich aufgerafft, auch weil er am Montag einen leeren Anhänger braucht.

Hat die Hände voll:Christoph Jahn fährt nur dann zum Wertstoffhof, „wenn es wirklich notwendig ist“.

Nur zehn Fahrzeuge auf dem Wertstoffhof

Langsam bewegt sich die Schlange vorwärts. Verlässt ein Fahrzeug den Wertstoffhof, darf ein neues rein. Ein Mitarbeiter regelt den Verkehr. Direkt am Eingang steht ein Schild, das daraufhin weist, dass aufgrund der Corona-Regelung insgesamt nur zehn Fahrzeuge auf die Anlage dürfen. „Zum Schutz der Kunden, aber auch der Mitarbeiter“, sagt Bereichsleiter Thomas Albers. Seit Januar arbeitet er bei den Stadtwerken, einen Ansturm wie in den vergangenen Wochen hat er noch nicht erlebt. „Für viele ist der Ausflug zum Wertstoffhof eine Möglichkeit, um rauszukommen“, sagt er.

Nimmt die Warterei mit Humor: Günther Ries steht seit einer halben Stunde an.

Beschimpfungen und tätliche Angriffe

Und das, obwohl die Menschen eigentlich nur dann den Wertstoffhof besuchen sollen, „wenn sie dringend etwas zu entsorgen haben“. Oft scheinen hier die Meinungen auseinanderzugehen. So musste Mitarbeiter einen älteren Herren wieder nach Hause schicken, der lediglich drei Kleiderbügel entsorgen wollte. „Wer nur Kleinigkeiten loswerden will, sollte lieber daheim bleiben“, sagt Abteilungsleiterin Elisabeth Staudacher.

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Sie sei seit dem Beginn der Krise schon öfter beschimpft worden. So würden Radfahrer und Fußgänger oft nicht verstehen, warum sie sich – gemeinsam mit den Autofahrer – anstellen müssen. „Dann schmeiße ich es eben ins Gebüsch“, brummelt ein älterer Radfahrer, der einen kleinen Beutel mit Müll dabeihat und beleidigt davon radelt.

Fahrer eines Kleinbusses fährt Mitarbeiter an

Ein harmloser Fall im Vergleich zu dem, was vergangene Woche geschehen ist. „Der Fahrer eines Kleinbusses hat unseren Mitarbeiter am Einlass absichtlich angefahren“, sagt Albers. Die Polizei musste gerufen werden, der Mitarbeiter erstattete Anzeige.

Grüngut und Kompost im Gepäck:Alexandra Pongratz ist froh, dass der Wertstoffhof weiterhin geöffnet hat.

Regelungen seien richtig und gut

Im Großen und Ganzen aber sei die Stimmung gut, die meisten hätten Verständnis für die Regelungen, sagt Albers. Ein Rundgang auf dem Wertstoffhof bestätigt das. Von Unmut und Aggressivität fehlt jede Spur. „So ein Verhalten ist in dieser besonderen Situation einfach unangemessen“, sagt Christoph Jahn, der eine Schubkarre entsorgt. Er hält sich an die Vorschriften, fährt nur dann zum Wertstoffhof „wenn es wirklich notwendig“ ist. „Die Regelungen sind gut und richtig“, sagt er.

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Eine Meinung, die Sigfrid Feckl teilt. Feckl arbeitet als Schreiner, muss öfter zum Wertstoffhof, um Türkartons zu entsorgen. Er stapelt sie, wirft sie in den dafür vorgesehenen Container. „Die Regelungen machen Sinn“, sagt er. Auch er habe schon häufiger anstehen müssen, aus der Ruhe gebracht habe ihn das nicht.

Mitarbeiter sind in feste Teams eingeteilt

Schräg gegenüber steht Alexandra Pongratz. Ihr Kofferraum ist gefüllt mit Kartons, Grüngut und Kompost. Seit dem Beginn der Corona-Krise komme sie nur selten auf den Wertstoffhof, sagt sie. Zu groß ist die Angst vor einer Ansteckung, auch „weil sich viele Menschen nicht an den verordneten Abstand halten“. Trotzdem ist sie dankbar, dass der Wertstoffhof nach wie vor geöffnet hat.

Viele Wertstoffhöfe mussten schließen

Keine Selbstverständlichkeit, sagt Bereichsleiter Thomas Albers. Denn viele Wertstoffhöfe in Deutschland mussten im Kampf gegen die Ausbreitung des Virus schließen. „Darüber haben wir nie nachgedacht“, sagt Albers und fügt hinzu: „Wir wollten auch weiterhin für die Bürger da sein.“

Nur das Notwendigste auf Wertstoffhof entsorgen

Damit das so bleibt, mussten zahlreiche Sicherheitsvorkehrungen getroffen werden. Die Mitarbeiter sind in feste Teams eingeteilt, fast alle tragen einen Mundschutz. Während der Arbeit, aber auch bei den Kunden wird darauf geachtet, dass der Mindestabstand eingehalten wird.

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Außerdem wird versucht, Menschenansammlungen so gut es eben geht zu vermeiden. „Deshalb ist es so wichtig, dass im Moment nur das Notwendigste auf dem Wertstoffhof entsorgt wird“, sagt Albers.

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