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Pony richten und Spitzen schneiden

Lydmyla aus Charkiw kümmert sich in der Rosenheimer Luitpoldhalle um Frisuren der Bewohner

Konzentriert bei der Arbeit: Lydmyla (rechts) schneidet den Pony einer jungen Frau nach, die vor kurzen aus der Ukraine geflüchtet ist.
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Konzentriert bei der Arbeit: Lydmyla (rechts) schneidet den Pony einer jungen Frau nach, die vor kurzen aus der Ukraine geflüchtet ist.
  • Anna Heise
    VonAnna Heise
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Der Krieg in der Ukraine geht weiter und mit ihm die Flucht der Menschen nach Deutschland. In Rosenheim sind mittlerweile 400 Kriegsflüchtlinge registriert. Eine von ihnen ist Lydmyla aus Charkiw. Über eine Frau, die anderen Menschen hilft, wo es nur geht.

Rosenheim – Den schwarzen Kamm hat Lydmyla zwischen Daumen und Zeigefinger geklemmt, mit der rechten Hand kämmt sie die Haare nach vorne und schneidet den Pony der jungen Frau nach, die vor ihr sitzt. Ein prüfender Blick, ein Nicken, dann ist der nächste an der Reihe.

Zwei Friseursalons in der Ukraine betrieben

Mehr als 20 Ukrainer, die derzeit in der Luitpoldhalle untergekommen sind, haben sich an diesem Vormittag von Lydmyla die Haare schneiden lassen. „Ich hatte in der Ukraine zwei Friseursalons“, sagt sie. Sie spricht einen Mix aus Englisch und Deutsch, ab und zu blickt sie hilfesuchend zu einer Freundin, die ihr bei der Übersetzung der Fragen hilft.

Vor einem Monat ist die junge Frau gemeinsam mit ihrer zwölfjährigen Tochter von Charkiw nach Rosenheim geflüchtet und lebt seitdem bei Freunden. Ihr Mann und ihr Bruder seien nach wie vor in der Ukraine und würden gegen die russische Besatzung kämpfen. „Wir telefonieren jeden Tag“, sagt die Friseurmeisterin.

Kontakt zum Kinderschutzbund

Durch Zufall sei der Kontakt zu Teresa Leitner vom Kinderschutzbund entstanden, die sich in der Luitpoldhalle engagiert und sich darum kümmert, dass es den geflüchteten Menschen an nichts fehlt. „Bei einer Bewohnerversammlung haben viele gefragt, wo sie in Rosenheim zum Friseur gehen können“, erinnert sich Leitner. Also fragte sie bei Lydmala, ob sie sich vorstellen könnte, in die Luitpoldhalle zu kommen und den Bewohnern dort kostenlos die Haare zu schneiden. „Sie hat sofort zugestimmt“, sagt Leitner.

Bewohner haben sich selbst organisiert

Einen Teil ihrer Ausrüstung hat Lydmyla bei ihrer Flucht aus der Ukraine mitgenommen, die restlichen Utensilien leiht sie sich von einem Friseur aus der Region aus. Während sie den Menschen die Spitzen schneidet und den Pony wieder in Form bringt, finden sich Freiwillige, die die Haare, die auf den Boden gefallen sind zusammenkehren und entsorgen.

„Sie haben sich sofort selbst organisiert“, sagt Teresa Leitner. Der jüngste Kunde sei gerade einmal ein Jahr alt gewesen, die Älteste um die 60. Fast jeder hätte genau Vorstellungen davon gehabt, welchen Haarschnitt sie haben wollten.

Riesige Nachfrage

Ob die Aktion in Zukunft noch einmal stattfindet, steht im Moment noch nicht fest. „Vorstellbar wäre es schon. Die Nachfrage war riesig“, sagt Leitner. Lydmala wäre sofort bereit wiederzukommen, aber vielleicht kommen die Menschen dann auch zu ihr in einen richtigen Salon. Denn: „Ich will so schnell wie möglich eine Arbeit finden.“