Auf der Loretowiese: Rosenheim hat jetzt "Gin-Garten mit Streetfood"

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"Lösungen müssen genau so schnell kommen wie die Krise gekommen ist", sagt Korbinian Vogl. Der 28-jährige Gastronom aus Rosenheim eröffnet am 12. Juni den "Gin-Garten mit Streetfood" – nicht nur, um Mitarbeitern und Kollegen wieder eine Perspektive zu geben. 

Rosenheim – Korbinian Vogl ist 28 Jahre alt und Gastronom aus Leidenschaft. Seit rund 5 Jahren betreibt er das Flötzinger Bräustüberl und seit etwa 3 Jahren den Hans Wurst in der Ruedorfferstraße sowie das I'M Irish in der Samerstraße. Weil hier seit Beginn der Coronakrise mehr oder minder tote Hose herrscht, wuchs in Vogl die Idee für einen etwas anderen Biergarten.

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Der soll nun am 12. Juni eröffnen. Bis Donnerstag wurde noch fleißig auf der Loretowiese gewerkelt. Wir hatten während der Phase des Aufbaus die Möglichkeit, ein paar Fragen zum neuen Projekt zu stellen. 

Idee der Nachtgastronomen

Wie ist die Idee des Gin-Gartens entstanden? 

Korbinian Vogl: Während das Bräustüberl seit ein paar Wochen wieder im eingeschränkten Corona-Betrieb öffnen darf, ist der Hans Wurst nun schon Monate geschlossen. Er dürfte zwar technisch öffnen, aber da die Kunden hauptsächlich vorher oder nachher im Rosenheimer Nachtleben feiern, macht das keinen Sinn.

Wir sind also mit den Nachtgastronomen zum Nichtstun gezwungen und unsere Mitarbeiter bekommen im besten Fall Kurzarbeiter-Lohn. 

Da das Coronavirus draußen wohl am wenigsten ansteckend ist und draußen auch der Abstand am besten eingehalten werden kann, wollten wir etwas draußen machen. Dabei sind wir auf den Biergarten der Flötzinger Brauerei gekommen, der in normalen Zeiten nur zum Herbstfest genutzt wird. Doch in diesen Zeiten ist ja gar nichts mehr normal. Die Brauerei war sofort bereit uns den Garten zur Verfügung zu stellen. Einzige Bedingung war, noch einen weiteren Nachtgastronomen ins Boot zu holen, um möglichst vielen eine Existenz zu ermöglichen.

Trinken und Essen von Lausa Bar und Hans Wurst 

Wer ist mit im Boot und warum?

Vogl: Die Jungs um Stefan Rech haben vor wenigen Monaten die Lausa Bar übernommen, haben renoviert und dann kam Corona und die konnten seither nicht mehr aufsperren. 

Wie das Ganze aussehen soll, da waren wir uns schnell einig. Der Sommer ist lang und der Sommer findet vor allem für die meisten Rosenheimer hier statt. Deswegen wollten wir Abwechslung bieten, also keinen normalen Biergarten, auch um den bestehenden klassischen Biergärten keine Konkurrenz zu machen. „Gin-Garten mit Streetfood“ ist das Ergebnis. Und alle haben sofort gebrannt, wieder was tun zu können. Also haben wir Paletten geschliffen, Tische lackiert, Lichterketten und Lampions aufgehängt, und, und, und...

Endlich war wieder was zu tun und eine Perspektive geschaffen.

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Wie beurteilen Sie die Zusammenarbeit mit der Stadt Rosenheim bei der doch recht spontanen Idee?

Vogl: Mit dem Vorhaben sind wir auf die Stadt und die Behörden zugegangen und haben dort sofort ein offenes Ohr und Unterstützung bekommen. Schon in den ersten Corona-Wochen haben der neue Oberbürgermeister März und 2. Bürgermeister Artmann sowie die 3. Bürgermeisterin Leicht Gastronomen ins Rathaus geladen, um zu diskutieren, wie man dem Wirtschaftszweig Gastronomie, der von der Corona-Krise mit am meisten gebeutelt wird, helfen kann.

Auch die Verwaltungsbehörden haben super mitgeholfen, diesem extremen Jahr mit kreativen Ideen entgegen zu wirken. Ohne dass alle an einem Strang ziehen, ist sowas kurzfristig nicht zu machen. Das ist aber auch das Stichwort: In der Corona Krise kann man nur kurzfristig entgegen wirken. Lösungen müssen genau so schnell kommen wie die Krise gekommen ist. Ansonsten sind die Unternehmen verschwunden. 

"Wir wollen eine Existenz schaffen" – "entspannt und ruhig"

Könnte der Gin-Garten die Rosenheimer über die entfallene Wiesn hinwegtrösten?

Vogl: Der Ausfall der Wiesn kann sicher mit nichts kompensiert werden. Weder für die Gäste noch für die Rosenheimer Wirtschaft. Hier sind ja so viele vor Ort betroffen, Taxifahrer, Hoteliers, Trachtenläden, Metzger, lokale Handwerksfirmen, Bedienungen, Schankkellner,... so viele, dass man eigentlich gar nicht darüber nachdenken darf. 

Wir wollen auch gar nichts ersetzen, wir wollen nur im Rahmen unserer Möglichkeiten für unsere Gäste eine schöne Zeit schaffen und für uns und unsere Mitarbeiter eine Existenz. Zumindest über den Sommer, denn dann ist es vorbei mit dem Gin-Garten. Wie es danach weitergeht, darüber wollen wir aktuell nicht nachdenken. Aber wir bleiben kreativ und motiviert, das ist sicher.

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Wie viele Plätze wird es geben und wie sehen die Öffnungszeiten aus? 

Die Platzzahl ist durch die Corona-Auflagen beschränkt. Wir Gastronomen reden daher aktuell nur von Tischen. Denn wenn zwei Personen an einem 8-er Tisch sitzen, dann kann man niemandem dazu setzen und die nächsten Plätze sind mindestens 1,5 Meter entfernt. Heißt also bei uns im Bräustüberl: Da wären oft noch Sitzplätze frei, es sind aber alle Tische besetzt. Das schränkt uns natürlich extrem ein. Aber wir wollen nicht jammern, wir sind froh nicht mehr zum Nichtstun verdammt zu sein. Im Gin-Garten soll es ja eh chillig zugehen, daher ist es eh locker bestuhlt, entspannt und ruhig.

Derzeit ist geplant, dass der Gin-Garten von 16 bis 22 Uhr geöffnet hat – natürlich nur bei schönem Wetter. 

Corona-Maßnahmen werden auch digital umgesetzt

Im Gin-Garten setzt man laut Vogl auf digitales Einlasskontrollen und einer Registrierung der Haushalte unter einer dafür eingerichteten Webseite. 

An den Theken- und Verkaufsständen herrscht Selbstbedienung mit Abstandsregelung und es gibt ein Wegesystem mit Ein - und Ausgang in den Gastgarten.

Auch die Speise- und Getränkekarten ist digital – und via QR Code einlesbar auf dem Smartphone. 

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