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Im Sommer-Interview

Corona, Brenner-Nordzulauf, schwere Unwetter: Rosenheims Landrat Otto Lederer nimmt Stellung

Für Landrat Otto Lederer ist die Region Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. .
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Für Landrat Otto Lederer ist die Region Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. .
  • Rosi Gantner
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  • Norbert Kotter
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Rosenheim – Bewegte Zeiten liegen hinter Landrat Otto Lederer (CSU), der seit gut 15 Monaten im Amt ist – und die Herausforderungen sind vielfältig: Die Corona-Pandemie hat die Region weiter im Griff. Hinzu kamen zuletzt heftige Unwetter. Und ein weiteres, die Region prägendes Thema wird konkreter: der Brenner-Nordzulauf mit der Festlegung einer Vorzugstrasse östlich des Inns.

Wir haben im Sommer-Interview mit Landrat Lederer einen Streifzug durch die verschiedenen Themenblöcke unternommen.

Schwere Unwetter haben die Region überzogen – gibt es schon einen Überblick über die Schäden, die entstanden sind?

Otto Lederer: Es gibt eine erste Einschätzung aus den Kommunen, die hier gefragt sind. Die Schäden waren natürlich erheblich, aber kein Vergleich zu Ahrweiler oder dem Berchtesgadener Land.

Im Fall Götting (Bruckmühl) wurde im Nachgang Kritik laut, unter anderem an der Einsatzleitung. Wie steht es darum – und besteht hier seitens des Landkreises Handlungsbedarf?

Lederer: Mir ist die Kritik bekannt, allerdings habe ich bis jetzt keine Bestätigung erhalten. In Sachen Hochwasser in Götting ist auch hier in erster Linie die Kommune zuständig, über ein Gutachten zu klären, was man tun kann, um den Schutz zu verbessern. Falls notwendig, werden wir Bruckmühl dabei unterstützen.

Erst heftiger Hagel, dann Sturm und Starkregen – all das könnte Anzeichen für den Klimawandel sein. Im Fokus: die zunehmende Versiegelung. Dem gegenüber steht der Baudruck. Wie positioniert sich hier der Landkreis?

Lederer: In Sachen Hochwasserschutz entlang der Mangfall sind wir ja schon sehr weit, was aber nur für gewisse Ereignisse gilt. Die Themen Versiegelung, Entwässerung, Retentionsflächen werden wiederum in der Bauleitplanung behandelt, hier versuchen wir seitens des Landkreises, uns einzubringen, ebenso das Wasserwirtschaftsamt, das darauf großes Augenmerk legt.

Ein beherrschendes Thema ist weiter die Corona-Pandemie und in der Folge nun das Thema Impfen, wobei sich in der Region bereits Impfmüdigkeit breit macht. Worin sehen Sie die Gründe?

Lederer: Die Erfahrung zeigt uns, dass die Impfmüdigkeit überall eintritt. Gefühlt wandelte sich die Situation innerhalb von 14 Tagen vom Ansturm auf die Impftermine hin zum Überangebot, wir sind hier kein Sonderfall.

Alles zur Corona-Pandemie in der Region finden Sie im OVB-Dossier.

Dennoch liegt die Impfquote in der Region deutlich hinter dem bayern- und deutschlandweiten Schnitt zurück.

Lederer: Wir gehören sicherlich zu den Regionen, in denen die Skepsis größer ist, das kennen wir bereits von anderen Impfungen. Eine wissenschaftliche Erklärung gibt es dafür allerdings nicht, nur Vermutungen, aber das wäre reine Kaffeesatzleserei.

Immer wieder wird darüber diskutiert, ob Anreize zum Impfen geschaffen werden sollen. Wie stehen Sie dem gegenüber?

Lederer: Ich halte wenig davon, dass die Leute belohnt werden, die sich impfen lassen. Worüber man aber auf jeden Fall nachdenken sollte, ist, für Geimpfte Einschränkungen zu lockern, schließlich haben sie persönlich Vorsorge getroffen. Und wir sollten weiter niederschwellige Impfangebote machen, wie beispielsweise in einem Wasserburger Fitnessstudio.

Wie gut sehen Sie den Landkreis für die vierte Welle gerüstet?

Lederer: Wir tun alles dafür, dass unser Gesundheitsamt bestmöglich gerüstet ist, insbesondere was die Nachverfolgung von Kontaktpersonen angeht. Wir hoffen, dass wir damit gut vorbereitet sind, damit die Region nicht wieder zum Hotspot wird.

Wie stehen Sie möglichen erneuten Einschränkungen gegenüber?

Lederer: Meine Forderung ist schon länger, dass wir uns nicht allein auf die 7-Tage-Inzidenz stützen, sondern auch andere Faktoren wie die Auslastung der Kliniken eine Rolle spielen sollten. Ich hoffe, dass wir damit im Herbst besser gewappnet sind und die Entscheidungen auf einer breiteren Basis getroffen werden.

Blicken wir auf die kommunale Klinik-Landschaft. Wollen Sie an den vier Romed-Standorten festhalten? Und wie steht es um das Ziel einer schwarzen Null, wird es uneingeschränkt verfolgt und wie schwer wird das in Zeiten der Corona-Pandemie?

Lederer: Wir haben bereits Zeiten mit Defiziten hinter uns. Grundsätzlich sollten wir uns so aufstellen, dass wir eine schwarze Null erreichen. Oberstes Ziel aber ist eine optimale Gesundheitsversorgung vor Ort. In Corona-Zeiten sind wir abhängig davon, was an Zuschüssen vom Bund kommt. In Summe waren das im Jahr 2020 knapp 31,8 Millionen Euro an Corona-Finanzmitteln. Ohne das ließe sich die Covid-Situation nicht schultern. Insgesamt wird sich die Pandemie wirtschaftlich negativ auf die Romed-Kliniken auswirken.

Ein brisantes Thema für die Region: der Brenner-Nordzulauf. Was sind aus Sicht des Landkreises die nächsten Schritte, die erfolgen müssen?

Lederer: Ein großer Erfolg war bereits die Positionierung in der Resolution, die der Kreistag verabschiedet hat. Jetzt geht es darum, den Forderungen Nachdruck zu verleihen und sie bei den richtigen Stellen in Berlin und München zu platzieren. Der Rückhalt aus den Kommunen gibt uns natürlich Rückenwind, ebenso die Bürgerinitiativen mit ihrem Protest. Wir sind dankbar um jede Unterstützung. Weiter gilt es nun, die Feinplanung kritisch zu betrachten. Ich hoffe, dass wir dabei viele Erfolge feiern können.

Alles zum Brenner-Nordzulauf finden Sie im OVB-Dossier.

Die Deutsche Bahn spricht inzwischen von einer „breiten Akzeptanz“ der Brenner-Trasse. Wie ist Ihr Eindruck?

Lederer: In den betroffenen Regionen gibt es ganz sicher keine breite Akzeptanz, maximal ein Umdenken, dass man sich nun verstärkt einbringen muss, um die Planungen weiter zu optimieren. Mit dem Stand jetzt können wir in weiten Teilen nicht zufrieden sein.

Ein Thema, das insbesondere seit Corona viele bewegt: Digitalisierung. Wie weit ist man im Landkreis damit fortgeschritten?

Lederer: Die Pandemie hat uns in der Tat einen Riesenschub gegeben, was Homeoffice für die Mitarbeiter angeht oder Terminvereinbarung in den Ämtern. Vieles davon wollen wir beibehalten. Eingebremst hat uns die Pandemie bei der Einführung der E-Akte, das wollen wir weiter forcieren, auch das Thema digitaler Bauantrag wollen wir vorantreiben. Nach wie vor seitens der Telekom nicht umgesetzt sind die Glasfaser-Breitbandanschlüsse für alle Landkreis-Schulen. Darauf warten wir seit über einem Jahr. Derzeit verfügen nur elf von 24 Schulen über einen Glasfaseranschluss.

Kürzlich fiel der Startschuss für die Bildungsregion – ein Herzenswunsch?

Lederer: Darüber bin ich in der Tat überglücklich, besondere, weil die Stadt Rosenheim mit im Boot ist. Wir haben viele positive Rückmeldungen erhalten und freuen uns auf die Umsetzung.

Der Tourismus, ein bedeutender Wirtschaftssektor für die Region, ist aufgrund der Corona-Pandemie stark gebeutelt. Mit welchen Einbußen ist zu rechnen – und wie stehen Sie einer Annäherung an den Tourismusverband Traunstein gegenüber?

Lederer: Oberste Priorität hat aktuell, wie mit den Auswirkungen der Pandemie umgegangen werden kann, dass überlagert alles. Die Zusammenarbeit mit den Nachbarn in Traunstein ist bereits sehr gut, allerdings steht eine Fusion beider Tourismusverbände nicht mehr an oberster Stelle.

Der Tourismus steht vor zwei Herausforderungen: einerseits die Corona-Flaute, andererseits der Overtourismus durch Tagesausflügler – wie will der Landkreis damit umgehen?

Lederer: Hier brauchen wir beide Instrumente, das Steuern aus den Kommunen und der Region ebenso wie überregionale Konzepte für den gesamten Alpenraum. Arbeitskreise sind bereits installiert und sie arbeiten daran, Lösungsmöglichkeiten zu entwickeln. Ein großes Ziel muss nachhaltiger Tourismus sein, dazu zählt auch, dass die Gäste länger in der Region bleiben. Im Jahr 2020 lag die durchschnittliche Verweildauer bei 4,2 Tagen, das sollte ausgeweitet werden.

Lederer: Mit der Region verbinde ich meine Vergangenheit, meine Gegenwart und meine Zukunft. Ich bin froh und dankbar, hier leben und arbeiten zu dürfen und diese Gegend meine Heimat nennen zu können. Die zahlreichen engagierten Menschen, die vielen Vereine und Organisationen, die herrliche Kulturlandschaft, unsere bäuerlichen Familienbetriebe und unser innovativer Mittelstand machen unseren Landkreis so lebens- und liebenswert.

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