Mit 81 Jahren hat Christl Streng aus Rosenheim zu malen begonnen – Aquarell-Postkarten

Nach vielen Jahren fand Christl Spreng zurück zu ihrem liebsten Hobby. Vor allem während der Corona-Pandemie war sie froh über diesen Zeitvertreib.
  • vonAnna Hausmann
    schließen

Niemand ist zu alt, um seiner Leidenschaft nachzugehen. Christl Streng hat mit 81 Jahren ihr liebstes Hobby wiederentdeckt: das Malen. Ihre Postkarten und Bilder sind jetzt in der Rosenheimer Stadtbibliothek zu sehen.

Rosenheim - Wenn Christl Streng in ihrem Zimmer im Seniorenheim Küpferling des Bayerischen Roten Kreuzes malt, ist der ganze Tisch bedeckt mit Aquarellfarben, Pinseln und Stiften. Ihre liebsten Motive: Flora und Fauna, meist in Pastelltönen. Die Inspiration? Die findet sie über das Smartphone, von Blumensträußen bis hin zu Tieren, deren Karikaturen sie zu Papier bringt.

Von Österreich nach Rosenheim

Schon als Jugendliche hat sie gerne in der Schule gemalt, erinnert sich Streng, die in Niederösterreich geboren wurde. 1949 zog sie nach Rosenheim. Dann war erst einmal Arbeit und turbulentes Familienleben mit drei Kindern angesagt. Für das Malen blieb da nur wenig Zeit.

„Zu meinem 60. Geburtstag haben mir meine Kinder einen Malkurs bei der Volkshochschule in Kolbermoor geschenkt“, erzählt die Hobbykünstlerin. Ihre Leidenschaft war wieder geweckt. Vor einem halben Jahr zog Streng in das SeniorenWohnen Küpferling. Zeit für Stillstand? Nicht für die tatkräftige Seniorin.

In einer Vitrine der Stadtbibliothek sind die Postkarten der Seniorin zu sehen. Richter/Schlecker/Stadtbibliothek

Aufmerksam auf das Talent der Rentnerin wurde die Betreuungskraft Romy Schlierf: „Als Frau Streng damals bei mir in der Abteilung war, hat sie erzählt, wie gerne sie früher gemalt hat.“ Die Fachkraft, die selbst künstlerisch aktiv ist, wurde hellhörig und zeigte Streng Bücher über den Umgang mit Aquarellfarben. „Es ist uns ein großes Anliegen, dass wir unsere Bewohner animieren, ihre Hobbys auszuleben“, erklärt sie.

Lesen Sie auch: Platz mit vielen Gesichtern: So wollen Stadtbibliothek und TH den Rosenheimer Salzstadl beleben

Volles Programm

Für die Seniorin geht es im Alter erst so richtig los: „Jetzt bin ich 81 Jahre alt, und endlich habe ich Zeit zum Zeichnen und Malen gefunden“, sagt sie und lacht. Gerade in Zeiten von Corona, in der sich die Besuche ihrer Freunde meist auf ein Gespräch über den Balkon beschränkten, setzte sie sich an ihren Tisch und malte. Heraus kamen über 40 Postkarten und viele weitere Bilder.

Inspiration für ihre Postkarten findet Spreng im Netz.

Das Malen ist ihre Form der Erholung: „Leider bin ich nicht mehr besonders gut zu Fuß. Beim Zeichnen vergesse ich das alles und kann richtig abschalten.“ Christl Streng möchte am liebsten keinen Aufruhr um die eigene Person. Ein Verkauf ihrer Postkarten ist bislang nicht ihr Ziel. „Für mich zählt der Spaß“, erklärt sie. Die Karten verschenkt sie deshalb am liebsten an ihre Freunde, um ihnen eine Freude zu bereiten.

Lesen Sie auch: Die Vorlesestunde ist zurück

Chance für angehende Künstler

Solche Bilder erhielt auch ihre Schwiegertochter, die diese wiederum ihrer Freundin Elisabeth Gröger zeigte, einer Mitarbeiterin in der Rosenheimer Stadtbibliothek. „Als ich die Malereien gesehen haben, wusste ich, dass sie perfekt zu unserem Format ‚Kunst in der Vitrine‘ passen.“ Mit Christl Streng darf dort nun die bislang älteste Hobbykünstlerin ihre Werke zeigen.

Werke in der Stadtbibliothek

Wer auch gerne seine Bilder in der Stadtbibliothek sehen möchte, kann sich an Petra Lausecker unter der Mail-Adresse petra.lausecker@rosenheim.de wenden. „Natürlich wäre es schön, wenn die Einsendungen auch einen künstlerischen Anspruch haben“, so Elisabeth Gröger. Inspiration können sich die angehenden Künstler bis dahin bei den Malereien von Christl Streng holen. Ihre Bilder werden noch mindestens bis Ende August dort zu sehen sein.

Kommentare