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Besonders Kleinkinder sind betroffen

„Wir sind am Rande der Belastbarkeit“: Virus-Welle bringt Kinderarzt-Praxen in Bedrängnis

Kliniken und Kinderarztpraxen voller kleiner Patienten. RoMed spricht von „prekärer“ Lage bei RSV-Infektionen.
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Kliniken und Kinderarztpraxen voller kleiner Patienten. RoMed spricht von „prekärer“ Lage bei RSV-Infektionen.
  • Martin Lünhörster
    VonMartin Lünhörster
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Erkrankungen mit dem RS-Virus nehmen zu. Besonders Kleinkinder sind davon betroffen. An den RoMed Kliniken ist eine stärkere Häufung als in den vergangenen Jahren zu erkennen. Dort und in Kinderarztpraxen ist die Lage bereits jetzt prekär.

Rosenheim - Das nächste Virus sorgt für ausgelastete Krankenhäuser und Notaufnahmen. Das RS-Virus breitet sich derzeit stark aus und sorgt für überlastete Arztpraxen. RS steht dabei für das Respiratorische Synzytial-Virus, aus der Familie der Pneumoviridae. Und damit erkennt man auch schon, um was für eine Infektion es sich handelt. Das RS-Virus befällt die oberen und unteren Atemwege. Für Erwachsene geht eine Infektion laut den RoMed Kliniken in Rosenheim meist nur mit geringen Symptomen wie Schnupfen einher. Für Kinder, besonders Kleinkinder, könne das RS-Virus allerdings schwerwiegende Verläufe mit sich bringen. 

Was sich stark auf die Arztpraxen auswirkt. Otto Laub, Kinderarzt in Rosenheim, ist mit seinen jungen Patienten völlig ausgelastet. „Wir und alle Praxen in der Region platzen aus allen Nähten. Es geht vor allem um die Behandlung von Corona, Influenza und eben RSV Patienten. Alleine heute habe ich 90 Patienten in der Praxis“, sagt Laub. Das medizinische Personal sei am Rande der Belastbarkeit und es wird nicht so schnell besser. Die Infektionswellen werden bis in den Januar andauern, sagt der Kinderarzt weiter.

Kinderarzt Otto Laub hat 40 % mehr Patienten als je zuvor

Der Bericht zur epidemiologischen Lage des Robert-Koch-Instituts (RKI) befasst sich nicht nur mit Corona, also Sars-CoV-2 Virus, sondern auch mit der Ausbreitung von Grippe-, Rhino- und eben RS-Viren. Demnach hat die aktuelle RSV-Welle in der Kalenderwoche 41, also Mitte Oktober begonnen. Alle diese Viren befallen das Atmungssystem und sind für diese Jahreszeit typisch. Dennoch sei laut dem Lagebericht des RKI ein deutlich steigender Trend bei RSV Infektionen besonders bei Kleinkindern festzustellen, verbunden mit Erkrankungen und sogar Krankenhauseinweisungen. Etwa zwei Prozent aller Erstinfektionen erfordern einen Klinikaufenthalt.

Kliniken erneut ausgelastet

Dieser Trend macht sich auch am RoMed Klinikum in Rosenheim bemerkbar. Auf OVB Anfrage heißt es von dort, man habe zur Zeit eine sehr ausgeprägte Welle von RSV-Infektionen. Das betreffe hauptsächlich Kleinkinder. Derzeit sind 17 Kinder dort stationär aufgenommen. Zum Teil benötigen die kleinen Patienten Sauerstoff, der mittels einer sogenannten High-Flow-Brille verabreicht wird. Bei dieser nicht-invasiven Atemunterstützung wird über eine Nasensonde erwärmte, befeuchtete und sauerstoffangereicherte Luft zugeführt. 

Die Situation sei allerdings prekär, heißt es seitens der RoMed Klinik weiter. Zum Teil hätten wegen der hohen Belegung geplante Operationen oder stationär geplante Aufnahmen aus anderem Grund abgesagt werden müssen.

Hier macht sich dann Corona wieder bemerkbar. Zwar sei die Zahl der Corona bedingten stationären Aufnahmen bei Kindern zurückgegangen. Aber noch immer seien die Kapazitäten knapp. Sowohl räumlich bei der Notwendigkeit einer Isolierung als auch durch den Pflegepersonalmangel und erkrankten Mitarbeitern. Dadurch kann es zu deutlichen Wartezeiten kommen, bis ein Bett zur Verfügung steht. In der Kindernotaufnahme der RoMed Klinik erfolge jedoch - wie sonst auch - eine Dringlichkeitseinschätzung, eine sogenannte Triage, so dass schwerkrankten Patienten Vorrang eingeräumt werden kann. 

Die Übertragung mit dem RS-Virus erfolgt über Schmier- oder Tröpfcheninfektionen, also über die Atemluft oder auch über direkten Hautkontakt. Typische Symptome seien laut dem RoMed Klinikum Fieber, Husten sowie Schnupfen. In der Folge kann es zu einer erschwerten Atmung durch eine Verengung der Atemwege kommen, die bis zur Notwendigkeit der Sauerstoffgabe oder der Atemunterstützung reicht. In seltenen Fällen könne es auch zu einer bakteriellen Superinfektion kommen. Davon spricht man, wenn zu einer Virusinfektion noch eine weitere Erkrankung durch Bakterien hinzu kommt. 

Eine Impfung gegen RSV gibt es bereits, aber die ist teuer und nur für Risikopatienten gedacht. Im kommenden Jahr soll ein neuer Impfstoff auf den Markt kommen. Derzeit finden noch letzte Studienzüge statt. Aber Otto Laub ist sich sicher, dass es noch länger dauern wird, bis eine Zulassung erfolgt.

„RS-Viren als Geißel des ersten Lebensjahres“

Eine Infektion mit RSV ist dabei nichts Ungewöhnliches. Im Laufe des ersten Lebensjahres machen rund 50 bis 70 Prozent aller Kinder eine Infektion durch, nach Ende des zweiten Lebensjahres hätten es 99 Prozent aller Kinder gehabt, sagt Otto Laub. Eine Immunität nach einer Infektion besteht nicht, allerdings verlaufen künftige Ansteckungen in der Regel mit geringeren Symptomen. 

Eine gänzliche Vermeidung mit dem RS-Virus ist schwierig. Aber das RoMed Klinikum empfiehlt die Einhaltung der bekannten Hygieneregeln. So könne eine Infektion zumindest minimiert werden.

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