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Viele Praxen beteiligen sich an Protestaktion

Hausärzte in der Region Rosenheim warnen vor Überlastung - „Deutsche rennen zu oft zum Arzt“

Ärzte fürchten um die künftige Wirtschaftlichkeit ihrer Praxen.
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Ärzte fürchten um die künftige Wirtschaftlichkeit ihrer Praxen.
  • Martin Lünhörster
    VonMartin Lünhörster
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Sechs Monate Wartezeit für einen Termin beim Hautarzt. Neun Monate Wartezeit für eine Magen-Darm-Spiegelung. Wer keinen Notfall hat, muss teils lange auf eine Untersuchung warten. In Zukunft könnte das noch länger dauern. Um das möglichst zu vermeiden, haben die Ärzte in der Region ein Zeichen gesetzt.

Rosenheim - Zwei Stunden lang sind am Montag, 10. Oktober, in den Morgenstunden zahlreiche Arztpraxen geschlossen geblieben. Die Ärzte beteiligten sich an einem bundesweiten Protest, um auf die geplante Streichung der Neupatientenregelung durch die Bundesregierung aufmerksam zu machen. In Rosenheim beteiligten sich laut Dr. Fritz Ihler, dem Vorsitzenden des Ärztlichen Kreisverbands, so gut wie alle Facharztpraxen.

Extra-Honorar soll gekippt werden

Die Neupatientenregelung war 2019 vom damaligen Gesundheitsminister Jens Spahn ins Leben gerufen worden. Damit sollten die Praxen dazu motiviert werden, zusätzlich kurzfristig Termine zur Verfügung zu stellen und neue Patienten aufzunehmen. Für die Versorgung erhalten die Haus-und Fachärzte ein extra Honorar ohne Abschläge. Diese Regelung soll nun unter Gesundheitsminister Karl Lauterbach wieder gekippt werden.

Planungssicherheit fehlt

Die Ärzte fürchten nun, dass es für zahlreiche Patienten schwieriger werden könnte, einen neuen Hausarzt zu finden. Und wenn, dann nur in Verbindung mit langen Wartezeiten. Die Fachärzte sind auch die Hauptleidtragenden in Bezug auf den Wegfall der Neupatientenregelung und sind vielerorts künftig nicht mehr in der Lage, neue Patienten aufzunehmen. Die meisten Ärzte hätten sich auf die Regelung verlassen. Ihnen fehlt nun die Planungssicherheit, erklärt Fritz Ihler gegenüber dem OVB.

Dr. Fritz Ihler, Ärztlicher Kreisverband.

Dr. Klecker spricht von Überlastung

Die Praxis von Dr. Nikolaus Klecker in Rosenheim beteiligte sich am Montag ebenfalls für eine Stunde an dem Protest. Klecker, Oberbayerns Bezirksvorsitzender im Bayerischen Hausärzteverband, sieht mit dem Wegfall der Regelung große Probleme auf die Fachärzte in der Region zukommen, um neue Patienten unterzubringen. Schon jetzt seien viele Fachärzte völlig überlastet und an ihren Grenzen. Bei Fachärzten wie beispielsweise Dermatologen könne es durchaus ein halbes Jahr dauern, bis die Patienten einen neuen Termin bekämen.

„Deutsche Patienten sind verwöhnt“

Hier sieht Klecker aber auch ein Problem im deutschen Gesundheitssystem. „Viele Patienten rennen 15 bis 18 Mal im Jahr zu einem Arzt. In anderen Ländern sind es drei bis fünf Mal.” Die deutschen Patienten seien verwöhnt, so Klecker. Viele Arzt- oder sogar Besuche in der Notaufnahme seien schlicht nicht notwendig, belasten aber dennoch das Gesundheitssystem. Diese unnötigen Arztbesuche würden ihren Teil dazu beitragen, dass besonders die Fachärzte über ihren Kapazitäten arbeiten.

Dr. Nikolaus Klecker, Hausärzteverband.

Das System in Deutschland werde von vielen ausgenutzt, und es bestehe keine Aussicht auf Besserung, so Nikolaus Klecker.

Corona-Pandemie belastet die Ärzte

Für eine große Belastung sorgt nach wie vor die Corona-Pandemie bei den Ärzten in der Region. Denn die Herbstwelle baut sich auf, die Infektionszahlen steigen seit Wochen. Die Stadt Rosenheim liegt aktuell bei einer 7-Tage-Inzidenz von 800 (10. Oktober), der Landkreis Rosenheim ist mit 871 noch darüber. Der Landkreis Altötting als regionaler Spitzenreiter liegt sogar bei knapp 1200. Diese Werte sind im Verlauf der vergangenen Tage relativ stabil geblieben, aber die Tendenz geht nach oben.

Rosenheims Ärzte-Vertreter Dr. Fritz Ihler nennt das den Wiesn-Effekt, also viele Neuinfektionen wegen der zuletzt stattgefundenen Volksfeste. Die Behandlung der Corona-Patienten ist aber laut Ihler besser geworden. Antivirale Medikamente seien oft schon in den Praxen vorrätig und müssten nicht extra in der Apotheke bestellt werden. Die derzeit vorherrschende Corona-Variant BA.5 habe zudem nicht mehr die schwerwiegenden Krankheitsverläufe wie ihre Vorgänger. 

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