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Anlässlich ihres 100. Geburtstags

Rosenheimer Grüne wollen an NS-Opfer Elisabeth Block erinnern – doch nicht alle sind damit glücklich

Seit 1998wird in einem konzipierten Ausstellungsbereich im Städtischen Museum – in dem Leiter Walter Leicht steht – an die Opfer des Holocausts gedacht. Darunter ist auch die Familie Block. Im kommenden Jahr soll es in der Einrichtung zudem eine Schaufensterausstellung geben.
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Seit 1998 wird in einem konzipierten Ausstellungsbereich im Städtischen Museum – in dem Leiter Walter Leicht steht – an die Opfer des Holocausts gedacht. Darunter ist auch die Familie Block. Im kommenden Jahr soll es in der Einrichtung zudem eine Schaufensterausstellung geben.
  • Anna Heise
    VonAnna Heise
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Elisabeth-Block-Tage, eine Erinnerungsausstellung oder ein Wandbild an der Mädchenrealschule: Grüne, ÖDP und FDP wollen anlässlich ihres 100. Geburtstags an die im KZ ermordete Elisabeth Block erinnern. Doch die Verwaltung hat andere Pläne.

Rosenheim – Man kann sich nur an Menschen erinnern, mit deren Namen sich ein Gesicht, ein Werk oder eine Geisteshaltung verbindet. Da ist sich Karl-Heinz Brauner sicher. Der Grünen-Stadtrat hat deshalb, gemeinsam mit mehreren Stadtratskollegen, einen Antrag an Oberbürgermeister Andreas März (CSU) gestellt.

Ihr Wunsch: Die Stadt soll am 12. Februar 2023 mit verschiedenen Aktionen an das Leben, Lernen und Arbeiten des jüdischen Mädchens erinnern. Mit einer Touch-Screen-Version des Tagesbuchs der Elisabeth, einer Erinnerungsausstellung, organisiert vom Städtischen Museum sowie speziellen Tagen, die dem wohl bekanntesten Opfer des Nationalsozialismus aus der Region gewidmet sind.

Fixierung auf eine Person unangemessen

Doch so richtig überzeugen konnten Grüne, FDP und ÖDP die Rosenheimer Stadtverwaltung mit ihren Vorschlägen nicht. „Eine Fixierung alleine auf die Person Elisabeth Block erscheint unangemessen, da auch ihre Eltern Fritz und Mirijam Block, ihr Bruder Arno und ihre Schwester Gertrud ermordet wurden“, teilte Kulturamtsleiter Wolfgang Hauck während der jüngsten Sitzung des Schul-, Kultur- und Sportausschusses mit. Zudem seien – unabhängig von der Familie Block – auch weitere Rosenheimer Mitbürger „Opfer der Ideologie des Nationalsozialismus“ geworden.

Ausstellungsräume bereits verplant

Eine Gedächtnisausstellung im Städtischen Museum sei zudem nicht realisierbar, da die Ausstellungsräume bereits verplant seien, und es nicht genügend Objekte zu Elisabeth Block gibt. Außerdem erinnerte Hauck daran, dass der Familie Block und allen weiteren jüdischen Opfern des Holocausts im Städtischen Museum seit 1998 mit einem konzipierten Ausstellungsbereich gedacht wird.

An gesamte Familie Block erinnern

Stattdessen schlug die Verwaltung vor, dass zum 12. Februar 2023 im Rahmen einer Schaufensterausstellung an die gesamte Familie Block und alle anderen Holocaust-Opfern erinnert wird. Auch prüfe der Förderverein „Städtisches Museum“, ob sich eine ergänzende Begleitveranstaltung durchführen lasse.

Künstlerische Gestaltung einer Wand vorstellbar

Realisiert werden könnte, in Kooperation mit der Städtischen Galerie, der Wunsch nach der künstlerischen Gestaltung einer Außenwand. „Die Umsetzung, wie auch eine angemessene künstlerische Darstellung wird im Rahmen des Transit-Art-Festivals geprüft und soll möglichst zeitnah umgesetzt werden“, teilte die Verwaltung mit.

Umbenennung des Vorplatzes

Auf einer halben Din A4-Seite fasste die Verwaltung zudem zusammen, was in Rosenheim bereits alles getan wurde, um an die Opfer des Nationalsozialismus zu erinnern. So habe sich der Stadtrat erst im März für ein dezentrales personalisiertes und zentrales Gedenken ausgesprochen. Außerdem soll der Vorplatz und die postalische Anschrift der Mädchenrealschule in „Elisabeth-Block-Platz“ geändert werden. Die Stadtbibliothek positioniert sich laut Verwaltung seit Jahren mit einem „hochwertigen analogen und digitalen Bestand“ zu den Themen Holocaust, Antisemitismus und Erinnerungskultur.

Die Rosenheimer Volkshochschule fördere durch ihr Kursangebot eine „zeitgeschichtlich und historisch kritische Auseinandersetzung mit Ideologien wie dem Nationalsozialismus“ und im Stadtarchiv stehen die Tagebücher der Elisabeth Block digital zur Verfügung.

„Nicht nur Lisi Block wurde deportiert“

Letztendlich sprachen sich die Mitglieder des Schul-, Kultur- und Sportausschusses mit 10:1 Stimmen für den Antrag aus – jedoch mit den von der Verwaltung vorgeschlagenen Modifizierungen. Dennoch regte Stadträtin Sonja Gintenreiter an, dass Potenzial, das Elisabeth Block als Identifikationsfigur hat, noch stärker zu nutzen.

„Alle Schüler kennen Anne Frank. Wir haben eine Rosenheimer Anne Frank“, sagte sie. „Warum muss es immer noch ein Gedenken auf eine Person geben? Nicht nur Lisi Block wurde deportiert“, widersprach Gabriele Leicht (SPD) und erhielt Zustimmung von Robert Multrus, Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler /UP.

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