IN ALTEN ZEITUNGSBÄNDEN GEBLÄTTERT

In Rosenheim fehlen Kleinwohnungen

Vor 50 Jahren wurde der Bräu am Anger abgerissen. Dies ist eine Aufnahme, die schon wesentlich früher entstand, um 1890. Rechts befand sich der dazugehörige Biergarten, im Vordergrund ist noch das Salingleis zu sehen. Nach hinten führt die Straße Am Anger. Die Kreis- und Stadtsparkasse Rosenheim ließ das Gebäude abreißen und baute dort ein elfstöckiges Hochhaus. Stadtarchiv Rosenheim
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Vor 50 Jahren wurde der Bräu am Anger abgerissen. Dies ist eine Aufnahme, die schon wesentlich früher entstand, um 1890. Rechts befand sich der dazugehörige Biergarten, im Vordergrund ist noch das Salingleis zu sehen. Nach hinten führt die Straße Am Anger. Die Kreis- und Stadtsparkasse Rosenheim ließ das Gebäude abreißen und baute dort ein elfstöckiges Hochhaus. Stadtarchiv Rosenheim

Ein Blick zurück in die Vergangenheit sagt viel über die Entwicklung einer Stadt und die Sichtweise früherer Generationen. Vieles wiederholt sich in verblüffender Weise. Wir haben deshalb in alten Zeitungsbänden geblättert und präsentieren in unregelmäßigen Abständen die interessantesten Dinge aus bestimmten Jahren. Heute geht es um die Zeit vom 29. Januar bis 11. Februar.

Rosenheim – „Sammelt die Knochen! Wer Knochen, auch in kleinsten Mengen sammelt und der richtigen Verarbeitung zuführt, erfüllt eine Pflicht gegen das Vaterland! Jede Hausfrau, jede Köchin möge sich in dieser schweren Zeit der kleinen Mühe unterziehen, alle Knochen sorgsam aufzubewahren und abzuliefern, wenn der Erlös dafür auch nicht groß ist. Nur durch richtige Verarbeitung in den dazu bestimmten Betrieben gewinnen wir gleichzeitig Fettstoffe für die Volks- und Kriegswirtschaft, Futtermittel sowie Düngemittel für die Landwirtschaft.“

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„Sitzung des Kollegiums der Gemeindebevollmächtigten am 30. Januar 1918. Zum Schluß der Sitzung kam es wieder einmal zu einer Debatte über den Mangel an Kleinwohnungen. Die soz. G.B. Göpfert, Langenegger und Geistaller hatten einen schriftlichen Antrag eingebracht, der die unverzügliche Errichtung von Arbeiterwohnungen und die Inangriffnahme von Einbauten in leerstehende Läden usw. fordert. Vorsitzender Finsterwalder berichtet über den Stand der Vorarbeiten des Bauamtes in der Erstellung von Kleinwohnungen. G.-B. Breitenhuber unterstrich gleichfalls die Notwendigkeit des Eingreifens der Stadt. 40 bis 50 Kleinwohnungen seien notwendig, um dem empfindlichen Mangel abzuhelfen.“

„Die Finanzlage Rosenheims ist besser, als es nach der bekannten Regierungsentschließung, womit der Stadt weitere Kreditaufnahmen untersagt worden waren, zunächst aussah. Nach der Überarbeitung des Schuldendienstgrenzgutachtens durch den Stadtkämmerer und der Aussprache mit der Regierung von Oberbayern steht der Abwicklung des Haushalts im vorgesehenen Rahmen nichts mehr entgegen. Als eine „frohe Botschaft vor dunklem Hintergrund“ bezeichnete Alois Gartner diese Mitteilung der Verwaltung.“

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„Einstimmig wurde im Stadtrat die Schulkonzeption für Happing entschieden. Dort wird eine Volksschule mit acht bis neun Klassen entstehen. Der Schulsprengel wird neben den Stadtteilen Happing und Kastenau auch das Randgebiet zwischen Bundesbahn und Mangfall und den Gemeindeteil Aisingerwies umfassen, sofern mit der Gemeinde Aising darüber eine Einigung erzielt werden kann. Über die Frage des Standortes wird der Stadtrat entscheiden, wenn die Ergebnisse der Grundstücksverhandlungen vorliegen.“

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„Wie jedes Jahr am „Schlenklpfinsta“, dem ersten Donnerstag nach Lichtmeß, fand gestern unter der Schirmherrschaft des Rosenheimer Geflügelzuchtvereins in der Viehmarkthalle (auf der Bayerwiese an der Inn straße, Anmerkung der Redaktion) der Taubenmarkt statt. Er steht in dem stolzen Ruf, nach dem Wasserburger Taubenmarkt die zweitgrößte Veranstaltung dieser Art in Europa zu sein. Die Markthalle beherbergte heuer zum letzten Mal den Taubenmarkt, da sie in naher Zukunft abgerissen wird. Wahrscheinlich wird der nächste Markt bereits in der festen Halle der Auerbrauerei auf der Loretowiese stattfinden.“

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„Die Kreis- und Stadtsparkasse Rosenheim hat den Auftrag erteilt, das Restgebäude des ehemaligen Bräu am Anger in Rosenheim abzubrechen. Mit den Arbeiten wurde dieser Tage begonnen. Noch im Sommer dieses Jahres, sobald das städtische E-Werk in die neuen Räume an der Bayerwiese umzieht, werden die Werkstätten des E-Werks, die sich derzeit noch im Hof der Sparkasse befinden, abgetragen. An ihrer Stelle wird dann sofort mit dem Bau einer Tiefgarage für die Sparkasse und die Kunden dieses Geldinstituts begonnen werden. Im Anschluß daran erfolgt die Erweiterung der Kassenhalle und der Büroräume auf dem Dach der Tiefgarage. Abgeschlossen werden diese ganzen Baumaßnahmen mit der Errichtung eines Hochhauses an der Stelle, an der jetzt die Abbrucharbeiten begonnen haben. Das wird 1969, spätestens aber 1970 der Fall sein.“

„Die immer klarere Ablehnung, auf die eine mögliche Zulaufstraße zum künftigen Brennerbasistunnel im Inntal stößt und das neueste Verwirrspiel um die Erstellung der Machbarkeitsstudie haben gestern den Rosenheimer Landtagsabgeordneten und verkehrspolitischen Sprecher der CSU-Landtagsfraktion, Adolf Dinglreiter, auf den Plan gerufen. Er vertritt die Ansicht, daß es bis dato keine konkreten Vorgaben für die Ausgestaltung einer Zulaufstrecke für den Brennerbasistunnel im Inntal gibt. Deshalb könne es auch kein Skandal sein, wenn noch niemand dazu befragt wurde. Er sei gegen eine „Phantomdiskussion zum Brennerbasistunnel“.

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Aufatmen in Kaltmühl: In die lockere Bebauung im Bereich Tizian-/Spitzwegstraße werden keine größeren Häuser hineingesetzt. Die Stadtverwaltung zeigte sich einer gewissen Verdichtung auf dem letzten freien Grundstück in dem geschlossenen Baugebiet nicht abgeneigt, entsprechend einem Grundsatzbeschluß des Stadtrats zur Schaffung von mehr Wohnraum. Der Bauausschuß stellte sich jedoch auf die Seite der empörten Nachbarn. Die befürchteten eine für sie ungünstige Veränderung ihres Wohngebietes.

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Die Schulden steigen, die für Investition zur Verfügungstehenden Mittel nehmen ab. So stellt sich die bedenkliche Entwicklung der Haushaltssituation in Rosenheim dar. Zum großen Teil kommt die Finanzmisere durch Dinge zustande, für die die Stadt nicht verantwortlich ist.“

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„Gestern, Punkt 11 Uhr, wurde das bestgehütete Postgeheimnis aller Zeiten gelüftet: die neuen Postleitzahlen, mit denen ab 1. Juli die postalische Einheit Deutschlands vollzogen werden soll. Rosenheim erhält die Nummern 83022, 83024 und 83026, zahlreiche Landkreisgemeinden nahmen Abschied von der 8201 und bekommen jeweilige eigene Postleitzahlen zugewiesen.“ re

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