Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


Olaf Fröhlich (55) im Interview - mit *Umfrage*

Wird der Autoverkehr in Rosenheim bevorzugt? Das sagt der Fahrradbeauftragte der Stadt

Ein Mann mit vielen Plänen: Olaf Fröhlich ist seit sechs Monaten der Radverkehrsbeauftragte der Stadt Rosenheim.
+
Ein Mann mit vielen Plänen: Olaf Fröhlich ist seit sechs Monaten der Radverkehrsbeauftragte der Stadt Rosenheim.
  • Anna Heise
    VonAnna Heise
    schließen

Rosenheim – Seit sechs Monaten ist Olaf Fröhlich (55) der neue Radverkehrsbeauftragte der Stadt Rosenheim. Eines seiner Hauptziele: Die Sichtweisen der verschiedenen Verkehrsteilnehmer unter einen Hut bringen. Wie das gelingt, warum es veränderte Öffnungszeiten für Schulen braucht und wieso man in Rosenheim durchaus auf einem guten Weg ist, verrät er in einem Gespräch mit unserer Zeitung.

Es gibt immer wieder kritische Stimmen, die sagen, dass der Radverkehrsbeauftragte der Stadt eine Vollzeitstelle sein sollte und kein Ehrenamt.

Olaf Fröhlich: Das sehe ich anders. Als ehrenamtlicher Mitarbeiter ist man unabhängig. Das ist ein hohes Gut. Natürlich gibt es viel zu tun, aber die Verwaltung unterstützt mich tatkräftig und ist an vielen Sachen ohnehin schon dran. Meiner Meinung nach braucht es keine Vollzeitstelle.

Mahlen die Mühlen der Verwaltung sehr langsam?

Fröhlich: Das kann man so nicht sagen. Ich glaube, oftmals wissen die Bürger gar nicht, wie viel Arbeit und welcher finanzielle Aufwand hinter bestimmten Beschlüssen stecken. Es ist schade, dass deswegen oft der Eindruck entsteht, dass nichts vorwärtsgeht. Auch deshalb habe ich es mir zur Aufgabe gemacht zu zeigen was schon passiert ist, aber eben auch, was getan werden muss. Zudem gebe ich die Dinge, die die Bürger als Problem empfinden, weiter an die Verwaltung.

Gibt es viele Probleme?

Fröhlich: Es gibt kaum etwas, dass noch nicht angestoßen wurde. Gerade laufen beispielsweise die Vorbereitungen, 30er-Beschränkungen auf einigen Straßen im Stadtgebiet einzurichten. Aber auch das braucht gute Begründungen und Zeit.

Ist Radfahren in Rosenheim sicher?

Fröhlich: Absolut. Rosenheim ist keine schlechte Stadt zum Radfahren. Aber natürlich gibt es Problemzonen und Problemzeiten. Heißt: Zur Rush-Hour am Morgen ist es gefährlicher als während der Ferienzeit.

Also sollten die Bürger nur noch während der Ferienzeit mit dem Rad fahren?

Fröhlich: Nein (lacht). Aber ich würde es gut finden, wenn man sich mehr Zeit nimmt. Wenn man als Rad- oder Autofahrer also beispielsweise ein paar Minuten früher losfährt, um zur Arbeit zu gelangen, um den Verkehr am Morgen eben zu entzerren. Meiner Meinung nach wäre es deshalb sinnvoll, die Hoch- und Schulbeginnzeiten zu verändern. Es reichen vielleicht schon zehn Minuten früher oder später.

Das hört sich wie etwas an, das sich eher weniger leicht umsetzen lässt.

Fröhlich: Das stimmt. Das ist wohl eines der dickeren Bretter. Aber es geht ja darum, die Verkehrsströme auseinanderzuziehen.

Vonseiten der Radfahrer-Lobby hört man immer wieder, dass der Autoverkehr in Rosenheim über allem steht.

Fröhlich: Das sehe ich nicht so. Natürlich braucht ein Auto mehr Platz als ein Fahrrad. Wir haben aber gute Beispiele, wo dem Radverkehr viel Raum gegeben wird. Nicht zuletzt vom Radentscheid angeschoben. Kaiserstraße, Samerstraße, das Radl-Parkhaus am Bahnhof sind hier nur drei. Rosenheim ist nun einmal eine Stadt, die wenig Platz hat, und ich finde durchaus, dass jeder die Berechtigung haben sollte, mit dem Auto zu fahren. Ich bin kein Fan davon Autos und Radfahrer gegeneinander auszuspielen. Es geht auch miteinander.

Wie soll das funktionieren?

Fröhlich: Unser Ziel sollte es sein die jeweilige Sichtweise verständlich zu machen, um damit ein besseres Miteinander herzustellen. Beispiele: Radfahrer haben wirklich Ängste wenn Autos zu dicht überholen, oder wenn Autofahrer mit dem Handy in der Hand Auto fahren. Autofahrer haben echt ein Problem mit Radlern die ohne Licht im Dunkeln fahren, oder als Geisterfahrer schwungvoll Kreuzungen passieren. Bus-, Lkw Fahrer oder Fußgänger haben wieder andere Sorgen.

Was also tun?

Fröhlich: Ich möchte gerne verschiedene Kampagnen starten. Vorstellbar sei, dass man beispielsweise große Lastwägen auf die Schulhöfe stellt, damit Kinder der fünften und sechsten Klasse einen Eindruck davon bekommen, was der tote Winkel ist und wie wenig man als Lkw-Fahrer in bestimmten Situationen sieht. Ich glaube, wenn solche Maßnahmen konsequent umgesetzt werden, kann es gelingen, eine Generation zu sensibilisieren, die bewusster im Straßenverkehr unterwegs ist. Dass all das nicht einfach wird, ist mir klar.

Andere Städte setzen auf Pop-up-Radwege, Autobahnen für Fahrräder und Fahrradstraßen. Braucht es das auch in Rosenheim?

Fröhlich: Ich habe ein Problem damit, Rosenheim mit anderen Städten zu vergleichen. Wir sind eine sehr kleine Stadt mit vielen kleinen Straßen. Spontan würde mir beispielsweise keine Straße in der Stadt einfallen, auf der ein Pop-up-Radweg sinnvoll ist. Ich glaube, der Fokus sollte darauf liegen, die Dinge, die wir haben zu verbessern und weiter voranzutreiben.

Neben der Lastwagen-Aktion auf den Schulhöfen: Welche Ziele verfolgen Sie für die kommenden Monate?

Fröhlich: Ich plane eine gemeinsame Lichteraktion mit dem Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC) für Schulkinder im Herbst. Damit wollen wir dafür sorgen, dass weniger unbeleuchtete Räder auf den Straßen unterwegs sind. Zudem möchte ich Bürgern die Möglichkeit geben, fünf verschiedene Lastenräder auszuprobieren, um herauszufinden, welches zu ihnen passen könnte. Auch möchte ich helfen das wir Aktionen, wie beispielsweise das Stadtradeln besser ins Licht der Öffentlichkeit rücken. Vorstellen könnte ich mir auch eine Zusammenarbeit mit der Hochschule, die sich darüber Gedanken machen könnte, wie man Fahrräder wetterfester machen könnte.

Eine gute Idee. Gerade wo man seine Fahrräder nur begrenzt in Bus und Bahn mitnehmen kann.

Fröhlich: Daran will ich arbeiten, auch wenn ich hier natürlich nur wenig Spielraum habe. Gemeinsam mit den Radverkehrsbeauftragen des Landkreises will ich mich dafür einsetzen das bei der nächsten Ausschreibung des Meridian wieder Fahrräder kostenfrei mitgenommen werden können. Gutes Beispiel ist die SOB mit den Zügen Richtung Mühldorf.

Ihr Abschlussappell?

Fröhlich: Besser Vor- und Rücksicht nehmen, als das Jemand die Nachsicht hat.

Mehr zum Thema

Kommentare