Aus dem Gerichtssaal

Rosenheim: 20-Jähriger wegen räuberischen Diebstahls vor Gericht - wo ist die Einkaufstasche geblieben?

Den Versuch eines jungen Mannes, ihm Drogen zu verkaufen, hat ein 20-jähriger Rosenheimer mit einer Drohgebärde abgewehrt – und musste sich dafür nun vor Gericht verantworten.
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Den Versuch eines jungen Mannes, ihm Drogen zu verkaufen, hat ein 20-jähriger Rosenheimer mit einer Drohgebärde abgewehrt – und musste sich dafür nun vor Gericht verantworten.
  • vonTheo Auer
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Missglücktes Drogengeschäft oder räuberischer Diebstahl? Mit dieser Frage musste sich jetzt das Rosenheimer Amtsgericht bei der Verhandlung gegen einen 20-jährigen Mann aus Rosenheim beschäftigen.

Rosenheim – Dieser soll laut Anklage zunächst einen 18-jährigen Rosenheimer geschlagen und ihm anschließend eine Einkauftasche gestohlen haben.

Wochenendplanung am Spielplatz

Vier Jugendliche hatten sich am 1. Februar am Spielplatz hinter der Tankstelle in der Äußeren Münchener Straße getroffen, um sich über das Wochenende zu beraten. Der Angeklagte soll dann laut Anklage einen Jugendlichen bedroht und beraubt haben.

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Der 20-Jährige erklärte vor Gericht, dass weder er noch ein anderer das angebliche Tatopfer bedroht, geschlagen oder gar beraubt habe. Vielmehr hätte der ihn und seinem Freund, einen Berufskollegen (19), Cannabis angeboten. Sein Freund, der Drogen grundsätzlich verabscheue, habe ihm die Drogen aus der Hand genommen und weggeworfen. Dann habe er den Dealer am Hemd gepackt und einen Faustschlag angedeutet – mehr nicht. Der Dealer sei die Freundin des Tatopfers, eine 17-jährige Auszubildende aus Rosenheim, berichtete als Zeugin, dass der Angeklagte ihrem Freund eine Einkaufstasche abgenommen und die Waren darin gegen Geld zurückgetauscht habe.

Zeugin hatte selbst keine Kenntnis

Auf Nachfragen durch den Vorsitzenden Richter Hans-Peter Kuchenbaur stellte sich jedoch heraus, dass sie lediglich die Erzählungen ihres Freundes wiedergab und selbst überhaupt keine Kenntnisse vom Geschehen hatte.

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Ganz anders der 19-jährige Kollege des Angeklagten, der das Geschehen ähnlich darstellte, wie der 20-Jährige. Zum Verbleib der Einkaufstüte erklärte der Zeuge. „Die besagte Einkaufstüte war dort stehen geblieben, nachdem wir auseinandergegangen waren. Ich habe sie dann geholt und festgestellt, dass sich darin Kleidungsstücke befanden. Da habe ich die Tüte in einen Sammelcontainer für Bekleidung geworfen.“

Verblieb der Tasche ungeklärt

Der Angeklagte erklärte, er lehne grundsätzlich Drogenmissbrauch ab und habe das dem Dealer deutlich klargemacht. Um sich seiner ein für alle Mal zu entledigen, habe er ihn mit einem angedeuteten Faustschlag bedroht. Auf keinen Fall habe er ihn getroffen, auch nicht die Absicht dazu gehabt. Von einer Einkaufstasche wisse er nichts.

In seiner Befragung machte das mutmaßliche Tatopfer, ein 18-jähriger Rosenheimer, der krankheitsbedingt am ersten Tag gefehlt hatte, zu den Aussagen der anderen Zeugen, er habe Cannabis zum Kauf angeboten, keine Angaben. Zudem stellte sich heraus, dass er lediglich unterstellt hatte, der Angeklagte habe ihm eine Einkaufstasche entwendet. Gesehen hatte er das nach eigenen Angaben nicht.

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Vertreterin des Jugendamtes verteidigt Angeklagten

Die Vertreterin des Jugendamtes berichtete, dass der Angeklagte seit einer Verurteilung vor über zwei Jahren einen völlig neuen Lebensweg eingeschlagen habe und eine solche Tat wie angeklagt ganz im Gegensatz zu dem stünde, wie sie ihn nun kennengelernt hat.

Staatsanwältin plädiert für Freispruch

Die Staatsanwältin erklärte in ihrem Plädoyer, dass keine der Vorwürfe dem Angeklagten nachzuweisen seien und beantragte daher, den Rosenheimer freizusprechen. Der Verteidiger, Rechtsanwalt Hans Sachse, schloss sich dem Antrag an. Das Jugendschöffengericht traf dieselbe Entscheidung.

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