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Im Portrait

Für mehr bayerische Identität: Warum ein Rosenheimer das Bundesverdienstkreuz erhält

Kultusminister Michael Piazolo überreicht Professor Dr. Manfred Treml das Bundesverdienstkreuz am Bande.
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Kultusminister Michael Piazolo überreicht Professor Dr. Manfred Treml das Bundesverdienstkreuz am Bande.
  • VonThomas Stöppler
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Manfred Treml, Historiker aus Rosenheim, ist mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet worden. Dabei erklärt er, wieso es nicht die bayerische Identität gibt und was Geschichtsbewusstsein mit Ukraineflüchtlingen zu tun hat.

Rosenheim – „Die bayerische Identität werden Sie nie finden“, erklärt Manfred Treml. Dabei ist genau diese bayerische Identität einer der Gründe für das Bundesverdienstkreuz am Bande, das der Historiker Ende März verliehen bekam. In der Laudatio von Bayerns Kultusminister Michael Piazolo hieß es: „Durch Ihr Engagement stärken Sie die bayerische Identität und das Geschichtsbewusstsein im Freistaat.“ Und letzteres würde Treml wohl sofort unterschreiben: „Insofern trage ich vielleicht ein bisschen dazu bei, weil ich doch einiges geschrieben habe.“

Ein Rosenheimer identifiziert sich nicht mit Bamberg

Und nicht nur geschrieben: Der 78-Jährige ist ausgesprochen umtriebig. Er hält Vorträge, ist Beirat des Bayerischen Landesvereins für Heimatpflege, war Leiter der Sammlungsdirektion und stellvertretender Direktor des Hauses der bayerischen Geschichte und hat unter anderem entscheidend in der Fernsehserie „Der bayerischen Geschichte auf der Spur“ mitgewirkt.

Aber die eine bayerische Identität gebe es nicht, auch wenn der Kultusminister das so gesagt hat. „Wenn Sie einem Würzburger bei einem Schoppen Wein erzählen wollen, dass er ein Bayer ist“, erklärt lachend Treml, „dann wird er mit Ihnen gar nicht mehr freundlich weiterreden.“ Was Treml meint, ist, dass das bayerische Staatsgebilde zwar schon 200 Jahre existiert, aber allein nicht identitätsstiftend ist. Jedenfalls nicht nach Innen: „Ein Rosenheimer wird sich wohl sehr selten mit Bamberg oder Bayreuth identifizieren.“ Nach außen sei das wieder anders: „Wenn man in Afrika oder Südamerika oder sonst wo unterwegs ist, kann man sich einfach schon zur Verständigung als Bayer bezeichnen.“

Einmal durch fast ganz Bayern

Treml kennt bayerische Identitäten nicht nur, weil es zu seinem Beruf gehört. Gebürtig in Eggenfelden in Niederbayern lebt er seit vielen Jahren in Rosenheim, hat in München studiert, eine Professur in Ingolstadt und im schwäbischen Dillingen Referendare und Lehrer aus- und weitergebildet. „Ich war immer gesamtbayerisch unterwegs und ich liebe dieses vielfältige Bayern“, sagt er. Nur nach Franken müsste er noch kommen, sagt er lachend.

Seine ausgezeichneten Leistungen haben ganz unmittelbar etwas mit eben diesen bayerischen Identitäten zu tun: „Ich gehe halt davon aus“, erklärt er, „dass Geschichtsbewusstsein der Schlüssel ist zum Verständnis des eigenen Landes und auch der Verbindung der Menschen mit einer Region.“ Das gilt nicht nur für bayerische Urgewächse, sondern auch für alle, die dazukommen – ob diese aus anderen Teilen Deutschlands oder aus der Ukraine kommen. „Wir müssen denen helfen, ihre Stadt, ihre Region zu verstehen.“ Und er geht noch weiter: „Geschichte ist nicht zur Selbstbestätigung derer, die immer schon da waren, und daraus eine Folklore Veranstaltung machen.“

Geschichte sei wichtig, um einander zu verstehen. Auch die Erfahrungen des anderen tragen dazu bei. Daher hat Piazolo gar nicht Unrecht, wenn er Treml für die Stärkung der bayerischen Identität lobt. Denn so führt Piazolo weiter aus: „Herzlichen Dank für Ihren Beitrag – so gelingt das freiheitlich-demokratische Miteinander in unserem Land.“

Neugier gegen über der eigenen Geschichte

Dieses Identitätsbewusstsein wird nicht zuletzt auch durch die Geschichtsvereine gestärkt. Treml kennt sich da aus, schließlich ist er Vorsitzender des Verbands bayerischer Geschichtsvereine. Und auch beim historischen Verein Rosenheims ist er Ehrenmitglied. Mit diesem hat er auch den Band „Rosenheim – Geschichte und Kultur“ 2010 herausgebracht oder auch die Tagebücher von Elisabeth Block. Und natürlich unzählige Ausstellungen wie der großen „Salz Macht Geschichte“ Ausstellung“, die sich mit dem florierenden Salzgewinnung und -handel in Rosenheim und Umgebung beschäftigte.

Neugierig wollte und will er machen mit den Ausstellungen, mit Beiträgen in Funk und Fernsehen oder mit seinem Wirken in der Stiftung „Medienpädagogik Bayern“, die er mitgegründet hat. Denn Neugier sei das wichtigste – gegenüber der eigenen Geschichte wie auch der des Anderen.

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