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Hitzige Diskussion im Bauausschuss

174 Wohnungen und eine Kita für die Innstraße in Rosenheim? Warum es Vorbehalte gibt

In der Innstraße 57 bis 59 sollen sogenannte Mikroapartments entstehen.
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In der Innstraße 57 bis 59 sollen sogenannte Mikroapartments entstehen.
  • Anna Heise
    VonAnna Heise
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Ein Wohnheim für Studenten, Wohnungen für Senioren und ein Kindergarten: Das soll in der Innstraße 57 bis 59 entstehen. Doch gleich mehrere Rosenheimer Stadträte stehen dem Vorhaben kritisch gegenüber - zum Unverständnis der Planer.

Rosenheim - Am Ende konnten Helmut Rutterschmidt und Tobias Tomczyk nur noch mit dem Kopf schütteln. Die beiden Investoren haben sich im vergangenen Jahr zusammengetan, um ein Konzept für das Gelände an der Innstraße 57 bis 59 zu entwickeln. Rutterschmidt ist der geschäftsführende Gesellschafter des Immobilienunternehmens „HSHI Gruppe“, Tomczyk Geschäftsführer der „Herto-Gruppe“.

Entstehung von 174 Ein-Zimmer-Mikroapartments

Sie wollen an der Innstraße 57 bis 59 - in Zusammenarbeit mit dem Aalener Betreiber „i Live“ - 174 Ein-Zimmer-Mikroapartments bauen. Die Wohnungen haben eine Größe ab 20 und bis zu 60 Quadratmeter, sind möbliert und für jede Altersgruppe geeignet. Zudem sollen auf dem Gelände der ehemaligen Gärtnerei 15 Wohnungen für Senioren entstehen und eine Kita mit zwei Gruppen und 40 Plätzen. Die Planungen sehen aktuell fünf gestaffelte Geschosse vor.

Doch geht es nach einigen Stadträten, sollen diese Planungen noch einmal überdacht werden. „Man braucht einen Knick in der Optik, wenn man denkt, dass sich das Vorhaben in die Umgebung einfügt“, kritisierte Grünen-Stadtrat Franz Lukas.

Paragraph 34 des Baugesetzbuches greift

Genau das ist jedoch notwendig, damit das Vorhaben genehmigungsfähig ist. Denn einen Bebauungsplan für das Areal gibt es nicht. Heißt: Der Paragraph 34 des Baugesetzbuches greift. Dieser schreibt vor, dass ein Bauvorhaben zulässig ist, wenn es sich nach Art und Maß in die nähere Umgebung einfügt und die Erschließung gesichert ist. Und hier haben einige Stadträte so ihre Zweifel.

Ist die Innstraße dem zusätzlichen Verkehr gewachsen?

„Die Höhenentwicklung fügt sich nicht in das Straßenbild ein“, sagte Herbert Borrmann, Fraktionsvorsitzender der CSU. Er erinnerte daran, dass es auch andere Bauwünsche gibt und nach wie vor nicht geklärt ist, ob die Innstraße dem zusätzlichen Verkehr, der durch den Neubau entstehen würde, gewachsen ist. „Das alles schreit nach einem Bebauungsplan für das gesamte Areal“, sagt er.

Abuzar Erdogan, Fraktionsvorsitzender der SPD, bezweifelt die Notwendigkeit eines solchen Planes: „Ich glaube nicht, dass ein Bebauungsplan das Verkehrsthema löst.“ Er wies darauf hin, dass bereits vor etlichen Jahren darüber nachgedacht wurde, die Situation an der Kreuzung Inn- und Chiemseestraße zu verbessern. Dieser Versuch sei gescheitert, da die Eigentümer die benötigten Straßenflächen nicht hergegeben wollten und eine Enteignung nicht in Frage gekommen sei.

Auf der Fläche an der Innstraße 57 bis 59 sollen 200 sogenannte Micro-Apartments entstehen. Schlecker

Erdogan schlug stattdessen vor, eine Maßnahme aus dem Nahverkehrsplan umzusetzen, den das Gremium 2019 einstimmig verabschiedet hatte: Die Innstraße stadteinwärts zwei Mal am Tag während des Berufsverkehrs für Autos zu sperren. „Das wäre eine Möglichkeit, um den Verkehr in den Griff zu bekommen“, sagte er in der jüngsten Sitzung des Stadtentwicklungs- und Baugenehmigungsausschusses.

Weniger Verkehr durch Car-Sharing-Angebote

„Wir können nichts dafür, wenn eine vierspurige Verkehrsstraße nicht leistungsfähig ist“, sagte Helmut Rutterschmidt einen Tag nach der Diskussion am Telefon. Schon damals, als es in der Innstraße 57 bis 59 noch einen Gewerbebetrieb gegeben hat, seien „zig Autos ein- und ausgefahren“. „Mit unseren Car-Sharing-Angeboten hätten wir jetzt wahrscheinlich sogar weniger Verkehr“, sagte Tomczyk.

Rahmenplan mit städtebaulichen Zielen

Doch nicht nur das Verkehrsthema schien den Stadträten Bauchschmerzen zu bereiten. So hatten sich die Freien Wähler/UP bereits im Februar für eine stadtplanerische Entwicklung des Innspitzes eingesetzt. Zwei Monate später beauftragten die Stadträte die Verwaltung damit, einen Rahmenplan zu erstellen, in dem die städtebaulichen Ziele festgelegt sind. Dieser soll dem Gremium Mitte 2023 vorgelegt werden. Aus diesem Grund schlug Burkl vor, mit der Entscheidung bis zur Fertigstellung des Rahmenplans abzuwarten. Einen Vorschlag, den auch Franz Lukas begrüßte.

Konkreter Vorbescheid liegt vor

Oberbürgermeister Andreas März (CSU) erinnerte Burkl und Lukas daran, dass es jetzt einen konkreten Vorbescheid gebe, über den entschieden werden müsste: „Wir können jetzt nicht sagen, wir kümmern uns nicht.“

Innstraße für Nachverdichtung wie gemacht

Dafür plädierte auch Abuzar Erdogan. Die Bebauung füge sich nach Art und Maß in die umliegende Umgebung ein. „Natürlich können wir über die Höhe diskutieren, aber wir müssen uns auch mit dem Thema Nachverdichtung stärker anfreunden“, sagte er. „Wo, wenn nicht in der Innstraße, sollte eine Nachverdichtung stattfinden?“

Letztendlich sprachen sich die Stadträte einstimmig für den Vorschlag von Oberbürgermeister Andreas März aus. Dieser regte an, nochmals das Gespräch mit den Bauwerbern zu suchen, um über die Möglichkeit zu diskutieren, „die Planung zu reduzieren“.

Gespräche mit der Stadtverwaltung gesucht

Dieses Gespräch soll - zumindest laut Rutterschmidt und Tomczyk - bereits in der kommenden Woche stattfinden. „Wir wussten, dass ein Risiko besteht, dass das Vorhaben nach Paragraf 34 nicht genehmigungsfähig ist“, sagten die beiden Geschäftsleute. Aus diesem Grund hätten sie das Gespräch mit der Stadtverwaltung bereits vorab gesucht und seien „ein Geschoss runter gegangen“. Und das, obwohl es bereits einige Gebäude in der Innstraße gebe, die allesamt höher seien als ihr geplanter Neubau.

Wunsch nach klarer Aussage

„Wir hätten uns einfach gerne eine klare Aussage gewünscht“, sagt Tomczyk. Ob es diese in der kommenden Sitzung des Bauausschusses gibt, bleibt abzuwarten.

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