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Dank des Erlös der OVB-Weihnachtsspenden-Aktion

Einzug in erste Inklusions-WG der Region: „Freue mich wahnsinnig auf neues Leben“

Die ersten Bewohner sind in die WG in der Schillerstraße eingezogen.
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Die ersten Bewohner sind in die WG in der Schillerstraße eingezogen.
  • VonJulian Baumeister
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Vor drei Jahren hatte das Katholische Jugendsozialwerk die Idee die erste inklusive Wohngemeinschaft der Region ins Leben zu rufen. Jetzt ist diese Idee Wirklichkeit geworden: Die ersten Bewohner mit und ohne Beeinträchtigung sind in den Neubau in der Schillerstraße in Rosenheim gezogen. Ein Verdienst der OVB-Leser.

Rosenheim – In der Mitte des künftigen Wohnzimmers steht bereits ein riesiger Esstisch, um den sich eine kleine Gruppe an Menschen versammelt hat. Es wird viel gelacht, während sich die zukünftigen Bewohner der Wohngemeinschaft in der Schillerstraße in Rosenheim und ihre Helfer die Umzugsbrotzeit schmecken lassen.

Die Gespräche am Tisch drehen sich hauptsächlich darum, wo beispielsweise eine Dartscheibe aufgehängt wird oder wer über das Fernsehprogramm entscheiden darf. Sogar über den Standort der Weihnachtsdekoration wird schon freudig diskutiert. Bei dieser Vorstellung kommt der ein oder andere aus dem Grinsen gar nicht mehr heraus. Ein Stockwerk höher werden die ersten Habseligkeiten aus Umzugskisten geholt und in Schränken verstaut. Es zieht Leben ein in der ersten Inklusions-Wohngemeinschaft der Region Rosenheim – dank der Unterstützung der OVB-Leser.

„Jetzt beginnt ein neuer schöner Lebensabschnitt für uns. Ich freue mich wahnsinnig auf das, was jetzt kommt“, sagt Benedikt Dinzenhofer. Der 30-Jährige, der ein großer FC Bayern-Fan ist und in den Wendelsteinwerkstätten in Rosenheim arbeitet, ist einer von neun Bewohnern, die jetzt in das Inklusions-Wohnprojekt des Katholischen Jugendsozialwerks (KJSW) und der Paula Schamberger Stiftung eingezogen sind.

Nachhaltige Holzbauweise im ganzen Gebäude

Das Einfamilienhaus, das komplett in nachhaltiger Holzbauweise errichtet wurde, teilen sich von nun an vier Studenten der Technischen Hochschule Rosenheim (TH) und fünf Menschen mit Beeinträchtigung. Für die Studenten ist das Zimmer in der WG, die nur ein paar Fahrradminuten von der TH entfernt ist, mietfrei. Dafür gibt es eine Bedingung: Sie sollen ihre Mitbewohner im Alltag unterstützen.

Ein ganz besonderer Ort: Die erste Inklusions-WG Rosenheims in der Studenten und Menschen mit Beeinträchtigung unter einem Dach wohnen und sich gegenseitig im Alltag unterstützen.

Erst im September 2021 erfolgte der Spatenstich für das Inklusions-Projekt, das 2019 an der OVB-Weihnachtsspendenaktion teilgenommen hatte. Rund 360 000 Euro kamen damals durch die Spenden der OVB-Leser für den Bau der inklusiven Wohngemeinschaft zusammen.

Mittlerweile verteilen sich auf drei Stockwerke neun Einzelzimmer, jeweils vier im ersten und zweiten Stock und eines im Erdgeschoss. Jede Etage hat ein eigenes Bad inklusive einer großer Glasdusche. Im Erdgeschoss des Wohnhauses gibt es zudem ein gemeinsames Wohnzimmer mit Fernseher und einer neuartigen Einbauküche. Für die Barrierefreiheit in der WG sorgt ein Lift in der Mitte des Hauses oder beispielsweise auch eine Herdplatte, unter der es ein Freiraum ermöglicht, mit dem Rollstuhl darunter zu fahren . „Es ist wahnsinnig schön geworden“, sagt Astrid Fiebiger, Fachabteilungsleiterin beim KJSW. Noch besser sei es, dass der Bau pünktlich Anfang September fertig geworden ist. „Das war uns wichtig, weil am 1. Oktober das neue Semester beginnt und die Studenten so noch in aller Ruhe umziehen können“, sagt sie.

Einer von den Studenten ist Simon Behringer. Der 21-jähriger Rohrdorfer studiert Architektur im zweiten Semester. „Das ist mein erster Umzug“, sagt Behringer, während er die letzten Schrauben an seinem Bett festzieht. Über eine Bekannte seiner Mutter habe er von dem Projekt erfahren. Die Entscheidung, dass er in die WG einzieht, sei aber erst nach einem persönlichen Kennenlernen aller Interessenten gefallen. „Ich war am Anfang ein bisschen skeptisch. Aber nachdem ich die anderen Bewohner kennengelernt habe, war mir klar: Das ist es, da will ich dabei sein“, sagt Behringer.

Simon Behringer, einer der neun Bewohner der Inklusions-WG.

Insgesamt drei Treffen der Bewerber habe es im Vorfeld gegeben. „Zunächst haben sich alle ganz normal schriftlich im Frühjahr bei uns beworben“, sagt Fiebiger. Von „Bewerbern überrannt“ wurde sie allerdings nicht. „Es gab sowohl bei den Menschen mit Beeinträchtigung, als auch bei den Studenten zehn Bewerber“, sagt die Fachabteilungsleiterin des KJSW. Voraussetzung für einen Einzug ist, dass alle Bewohner weitestgehend selbstständig, volljährig sowie berufstätig oder Studenten sind.

Nach einer Vorauswahl sei man mit den verbliebenen Bewerbern zum Pizzabacken, zum Bowling und einmal in eine Kletterhalle gegangen. Um sicherzustellen, dass auch das Zwischenmenschliche passt, so Fiebiger. „Spätestens da war klar, zwischen wem die Chemie stimmt und wer damit einen Platz in der WG bekommt“, sagt Fiebiger. Sie betont: „Es soll ja schließlich keine Zweck-WG sein, sondern eine Wohngemeinschaft, in der man freundschaftlich zusammenwächst.“

Nina Weinzierl will für alle Bewohner kochen.

Dass viel gemeinsam unternommen wird, ist auch Nina Weinzierl, die als Köchin in einem Altenheim arbeitet, wichtig. Sie wünsche sich, dass zum Beispiel abends Filme zusammen angeschaut werden oder am Wochenende Ausflüge gemacht werden. Ähnlich sehen das auch ihre Mitbewohner. „Ich würde gerne in den Berge oder auf das Herbstfest gehen“, ergänzt Benedikt Dinzenhofer. „Vielleicht können wir ja sogar mal mit allen in den Urlaub fahren“, hofft Weinzierl.

Am wichtigsten ist der gelernten Hauswirtschafterin aber etwas anderes: das gemeinsame Kochen. „Ich koche gerne für die anderen, am liebsten Nudelgerichte oder Salate. Das geht auch für viele Leute gut“, sagt Weinzierl und lacht.

Jana Wünsch freut sich auf die Verantwortung, die sie in der WG übernehmen soll.

Damit gekocht werden kann, muss der Kühlschrank der WG gefüllt sein. Eine Aufgabe, um die sich die Studenten in Zukunft kümmern werden. „Es hat immer ein Student Dienst und muss vor Ort sein, falls irgendetwas sein sollte“, erklärt Astrid Fiebiger. Die Schichten seien immer 24 Stunden lang, außer am Wochenende, das eine eigene Schicht darstellt. „Es ist schon eine Menge Verantwortung, die wir jetzt haben“, sagt Jana Wünsch, die Innenarchitektur im dritten Semester studiert. Vor allem seien die meisten Bewohner in einem Alter, in dem man eigentlich mehr mit sich selbst beschäftigt ist.

„Es wird sicher mal Probleme geben, aber dafür müssen wir gemeinsam Lösungen finden und aus den Fehlern lernen“, sagt die 21-Jährige. Ganz wichtig sei ihrer Meinung nach die Kommunikation untereinander. „Man muss auch mal sagen können, wenn mir etwas nicht passt. Dann wächst man schnell zusammen und es macht nicht jeder nur sein Ding.“

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