Gesundheitsamt und Klinik beziehen Stellung

Corona-Video um RoMed-Klinikum Rosenheim: Was ist dran an den Vorwürfen?

In einem Video, das viral ging, wird darüber gesprochen, dass das RoMed Klinikum Rosenheim fälschlicherweise COVID-19 auf dem Totenschein einer Verstorbenen eingetragen habe, um angeblich die Zählung der Todesfallzahlen zu manipulieren.
+
In einem Video, das viral ging, wird darüber gesprochen, dass das RoMed Klinikum Rosenheim fälschlicherweise COVID-19 auf dem Totenschein einer Verstorbenen eingetragen habe, um angeblich die Zählung der Todesfallzahlen zu manipulieren.

Das Video ging viral. Der Protagonist des Videos teilt dem Zuschauer zu Beginn mit, dass er das Krankenhaus in Rosenheim anrufen wird, da er ein falsches Spiel mit der Todesursache Corona wittere, und filmt sich anschließend. Im Gespräch mit rosenheim24.de nehmen das RoMed Klinikum und das Gesundheitsamt Rosenheim Stellung zu den Anschuldigungen im Video.

Rosenheim - „Ich werde das Krankenhaus in Rosenheim anrufen. Und zwar ist die Mutter meiner Lebensgefährtin verstorben. Das ist schon zwei Wochen her und heute kam der Totenschein zu ihrer Schwester nach Rosenheim. Weil sie ja die erste Ansprechperson war, hat sie den Totenschein bekommen und da steht drin ‚verstorben an Corona‘“, heißt es zu Beginn des Videos.

Der Protagonist fährt fort mit der seiner Meinung nach zentralen Problematik, die ihn zu diesem Telefonat gebracht hat: „Interessant ist, dass der Hausarzt Lungenentzündung diagnostiziert hat und das auch so bestätigt hat, dass sie an einer Lungenentzündung verstorben ist. Sie wurde im Krankenhaus Rosenheim zweimal getestet. Negativ. Damit aber Corona als Todesursache im Totenschein erscheinen kann, muss mindestens dreimal getestet werden und der Test muss dann halt eben positiv sein und erst dann kann oder darf der Arzt Corona als Todesursache eintragen.“

Es folgt der Anruf beim Klinikum Rosenheim. Im Telefonat teilt sein Gesprächspartner - ein Stationsarzt - mit, dass es sich bei der Diagnose auf dem Totenschein der Verstorbenen um die Feststellung eines Arztes handle, der aufgrund der klinischen Befunde eindeutig auf COVID-19 zurückzuführende Lungenschäden nach dem Tod feststellte. Dies sei ausreichend, um auch nach negativen Corona-Tests den Befund COVID-19 anzugeben.

Auf die Aussage, dass mindestens drei Tests gemacht werden und diese positiv sein müssten, teilt der Arzt mit, dass dies nicht korrekt sei. Die PCR-Tests können auch bei einer vorliegenden Infektion mit SARS-Cov-2 aus diversen Gründen negativ sein. Zählen würde letztendlich der Befund des Arztes.

Als der Ton des Anrufers zunehmend in Anschuldigungen übergeht, verweist der Stationsarzt auf den offiziellen Weg und beendet das Telefonat. Der Protagonist sei im Grunde nicht einmal berechtigt die detaillierten Umstände des Todes zu erfragen, meint der Stationsarzt und das sei nur für die engsten Angehörigen erlaubt.

Im weiteren Verlauf des Videos geht es um die zahlenmäßige Erfassung von Corona-Toten und eine mutmaßliche Manipulation dieser Zahlen. Zum Schluss des Videos wird angemerkt, dass die Angehörigen nicht zu einem Test als potenzielle Kontaktpersonen aufgefordert worden seien. Sie sollen erst über den Totenschein erfahren haben, dass bei der Verstorbenen offenbar Covid-19 diagnostiziert wurde.

Der Romed-Geschäftsführer Dr. Jens Deerberg-Wittram teilte gegenüber den OVB-Heimatzeitungen mit: „Das Romed-Klinikum behält sich vor, die unberechtigte Aufzeichnung und Veröffentlichung des Telefongesprächs strafrechtlich würdigen zu lassen.“

Im Gespräch mit rosenheim24.de klärt das Klinikum Rosenheim auf

Zur Aufklärung der im Video angeführten Anschuldigungen und was an ihnen dran ist, stellte die Redaktion einige Fragen an die Pressestelle des Klinikum Rosenheim.

Redaktion: Wie ist die Aussage des Herren im Video, dass mindestens drei positive Corona-Testergebnisse vorliegen müssen, um einen Corona-Tod belegen zu können, zu bewerten?

Antwort des Pressesprechers: Bei entsprechenden klinischen Symptomen belegt ein positiver Test die Erkrankung. Die Aussage, dass mindesten drei positive Testergebnisse vorliegen müssen, ist falsch. Allerdings schließt ein negatives Testergebnis eine Coronaerkrankung nicht aus.

Redaktion: Welche Kriterien werden vorausgesetzt, um einen Tod aufgrund COVID-19 zu bestimmen?

Antwort des Pressesprechers: Ein entsprechender klinischer Verlauf, ein positiver Test auf Covid oder andere eindeutige Befunde sowie der Ausschluss anderer Erkrankungen, die ähnliche Symptome hervorrufen können.

Redaktion: Was ist in dem Fall der im Video besprochenen Frau vorgefallen/wie wurde trotz negativer Corona-Tests ein Tod durch COVID-19 bestätigt?

Antwort des Pressesprechers: Aus Datenschutzgründen können wir uns zu Einzelfällen nicht äußern. Siehe bitte auch Antwort bei der nächsten Frage.

Redaktion: Wie unterscheidet sich eine „normale“ Pneumonie von einer COVID-19 Pneumonie?

Antwort des Pressesprechers: Die Covid-19 Pneumonie unterscheidet sich durch den typischen Verlauf, der häufig zu einer raschen Verschlechterung des Zustandes führt. Eine Unterscheidung ergibt sich auch aus dem typischen computertomographischen Lungenbefund und entsprechenden Laborergebnissen.

Redaktion: Wie oft tritt ein solcher „Widerspruch“ von Labordiagnostik und klinischer Symptomatik auf?

Antwort des Pressesprechers: Sehr selten, dabei handelt es sich um Einzelfälle, die weniger als 5 Prozent der Covid-Erkrankungen ausmachen.

Redaktion: Welche Optionen hat man als Angehöriger in einem solchen Fall, sich über das Geschehene zu informieren oder aufklären zu lassen?

Antwort des Pressesprechers: Wir bieten jedem nahen Angehörigen ein Gespräch mit dem behandelnden Arzt an.

Gesundheitsamt Rosenheim über das Vorgehen in derartigen Fällen

Auf Anfrage von rosenheim24.de teilt das Gesundheitsamt Rosenheim mit, dass „grundsätzlich in Fällen, in denen im vertraulichen Teil der Todesbescheinigungen in der Kausalitätskette als Todesursache die Diagnose COVID-19 bescheinigt ist, eine Einzelfallermittlung“ durchgeführt wird. Bei dieser werden alle relevanten Befunde erhoben.

Die Übermittlung „über die zuständige Landesbehörde an das Robert Koch-Institut (RKI) nach dem Infektionsschutzgesetz als Todesfall an oder mit einer COVID-19-Infektion erfolgt nur, wenn die Kriterien der Falldefinition des RKI erfüllt sind.“ Nach den Kriterien des RKI wird demnach in drei genau definierten Fällen gemeldet:

  • 1. Klinisches Bild von COVID-19 und labordiagnostischer Nachweis mittels Nukleinsäurenachweis oder Erregerisolierung
  • 2. Bei nicht erfülltem klinischem Bild und labordiagnostischer Nachweis mittels Nukleinsäurenachweis oder Erregerisolierung
  • 3. Bei nicht unbekanntem klinischen Bild und labordiagnostischer Nachweis mittels Nukleinsäurenachweis oder Erregerisolierung

Bezogen auf den Fall der verstorbenen Angehörigen gibt das Gesundheitsamt eine allgemeine Antwort zum Vorgehen in derartigen Fällen: „Sofern keine Laborbestätigung gemäß Falldefinition vorliegt, kommt dies (eine Übermittlung) nur in Betracht, wenn zusätzlich zu dem klinischen Bild einer COVID-19-Infektion eine epidemiologische Bestätigung (wenn innerhalb der maximalen 14-tägigen Inkubationszeit Kontakt zu einem bestätigten Fall bestanden hat oder bei einer Zugehörigkeit zu einem Ausbruchsgeschehen) für eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung gegeben ist.“

Fall wird nicht als Corona-Todesfall ans RKI gemeldet

Aufgrund des Datenschutzes kann über den im Video besprochenen Fall nicht mitgeteilt werden, wie in dieser speziellen Situation vorgegangen wurde. Im Allgemeinen erklärt das Gesundheitsamt jedoch: „Bei zwei negativen Corona-Tests und einem ärztlichen Befund, der Covid-19 auf der Grundlage von CT-Veränderungen diagnostiziert, wären die Vorgaben des RKI nicht erfüllt. Der Fall wird nicht an das RKI gemeldet und geht nicht in die Statistik ein.“

Über die im Video abschließend angeführte Kritik, dass die Familie nicht zu einem Corona-Test gebeten wurde, teilt das Gesundheitsamt mit: „Wenn das Gesundheitsamt aufgrund seiner Ermittlungen zu dem Schluss kommt, dass die Falldefinition einer COVID-Infektion nicht erfüllt ist, und daher kein hinreichender Verdacht auf eine mögliche Infektionsübertragung vorliegt, wird in der Regel keine Kontaktpersonennachverfolgung durchgeführt.“

Kommentare