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OVB-Reporterin begleitet die Rosenheimer Polizei

Sie stehen im Dienste des Staates und werden dafür angefeindet - so geht es Polizisten bei Demos

Vom Damm aus beobachteten die Beamten die Veranstaltung im Mangfallpark. Es ist ein ruhiger Abend ohne besondere Vorkommnisse.
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Vom Damm aus beobachteten die Beamten die Veranstaltung im Mangfallpark. Es ist ein ruhiger Abend ohne besondere Vorkommnisse.
  • VonPaula Trautmann
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Es ist kurz vor 18 Uhr am Mittwoch. Acht Polizisten versammeln sich in einem grell erleuchteten, fast steril wirkenden Raum im zweiten Stock des roten Backsteingebäudes in der Ellmaierstraße 3. Dort besprechen sie die bevorstehenden Einsätze. Drei Demonstrationen sind heute angemeldet.

Rosenheim – Im Mangfallpark-Süd werden sich Bürger wie jeden Mittwoch zur „Mahnwache“ versammeln, um gegen die Corona-Politik zu protestieren. Das wollen auch die Teilnehmer der „Schilderdemo“ in der Rathausstraße, direkt am Eingang zum Park. Rund einen Kilometer davon entfernt versammeln sich Anhänger der Initiative „Rückenwind Gesundheitspersonal“ am Ichikawa-Platz in der Nähe des Romed-Klinikums – der Gegenpol zu den beiden anderen Veranstaltungen.

„Lassen wir uns überraschen“

Hauptkommissar Robert Maurer kennt das bereits, für ihn und sein Team sind die Einsätze mittlerweile Routine. Er lehnt sich zurück und erklärt kurz die Versammlungsbescheide: Wer darf was, wie viele Personen sind angemeldet, auf was müssen die Beamten achten.

Sie sollen die Demonstranten aus der Ferne beobachten und nur eingreifen, wenn jemand die Veranstaltung massiv stört, die Redner blockiert oder belästigt. Bisher sei es meist ruhig gewesen. „Lassen wir uns überraschen“, sagt Maurer. Ausgestattet mit Pistole, Einsatzstock, Funkgerät, Handschellen und Schreibutensilien verlassen die Beamten den Raum.

Runter ins Erdgeschoss, raus auf den Parkplatz im Hinterhof, rein in einen mitternachtsblauen BMW: Maurer und sein Kollege Tom Opetnik drehen noch ein paar Runden durch die Rosenheimer Innenstadt. Sie erwarten einen ruhigen Abend. Weil am Ichikawa-Platz eine Rede von Oberbürgermeister Andreas März angekündigt ist, könne es aber interessant werden.

Einsatzbesprechung in der Inspektion: (von links) Julia Kießling, Tobias Wehren, Michaela Schödl, Maximilian Huber, Robert Maurer, Martina Hörfurter und Thomas Opetnik von der Rosenheimer Polizei.

„Manchmal hat man ein gewisses Gefühl, dass etwas komisch ist oder nicht stimmt“, sagt Maurer. Das sei heute nicht der Fall. Sie würden das ja nicht zum ersten Mal machen, kennen die Veranstalter und den Ablauf seit fast zwei Jahren. Das schaffe einen Erfahrungsschatz. Eine kleine Ungewissheit gebe es aber immer. „Deshalb sollte man nie total entspannt sein, dann ist man nicht so präsent, wie man sein sollte“, so der Hauptkommissar.

Beschimpft als „Idioten“, „Arschlöcher“ oder „Straftäter“

Die Beamten müssten für alles gewappnet sein, auch auf tätliche Angriffe. Vor knapp einem Jahr sei ein Kollege mit der flachen Hand auf die Nase geschlagen worden, weil er wegen eines Maskenverstoßes die Personalien eines älteren Ehepaars aufnehmen wollte. Tätliche Angriffe nehme die Polizei sehr ernst, da werde die Anzeige nicht fallen gelassen.

Die beiden Polizisten erzählen, dass sie noch nie bespuckt oder mit Flaschen beworfen wurden. Aber beschimpft wurden sie, als „Idioten“, „Arschlöcher“ oder „Straftäter“. Ob ihnen das etwas ausmacht? „Das kann man nicht pauschal sagen“, sagt Maurer.

1300 Personen dürfen sich versammeln

Sind es Betrunkene, nehme er das nicht ganz so ernst, den normalen Bürger im nüchternen Zustand schon. „Das ist traurig, nur weil man ein Vertreter des Staates ist.“ Der Hauptkommissar merke an der Stimmlage, Lautstärke, Äußerungen, Mimik und Gestik, dass das Aggressionspotenzial höher ist. „Ihre Augen sind manchmal total hasserfüllt.“ Da frage er sich, was mit den Menschen los ist. Tage- oder wochenlang grübeln würde er aber nicht.

Es ist 18.45 Uhr. Maurer parkt das Auto vor dem Arbeitsgericht, die beiden Polizisten laufen zum Mangfallpark und überreichen der Versammlungsleiterin den Bescheid. In 15 Minuten soll der Protest losgehen, bisher sind rund 100 Personen da, 1300 dürften sich versammeln. Maske muss niemand tragen, der Abstand von 1,5 Metern kann auf der Fläche eingehalten werden. Die Ordner müssen dafür sorgen.

Videos von Impfgegnern gezeigt

Die Organisatoren haben Lautsprecher und eine Bühne aufgebaut. Über eine kleine Leinwand flimmern Gesichter von Krankenschwestern, medizinischen Fachangestellten, Studenten und vielen mehr. Sie fordern eine „freie Impfentscheidung“. Von politischem Machtmissbrauch, einer „Freiheit mit Ablaufdatum“ und durch die Impfung ausgelöste Menstruationsstörungen ist die Rede.

Problem mit einem Querdenker

Die Beamten stellen sich auf den Damm und beobachten die Menge. Mittlerweile sind rund 700 Teilnehmer da, schätzen sie. 14 Polizisten sind an diesem Abend im Einsatz. „Beim nächsten Mal kann das wieder anders sein“, sagt Maurer. Die Situation werde immer wieder neu bewertet.

Ausgestattet mit Trillerpfeifen, Glocken und Kerzen: Rund 700 Personen haben an der „Mahnwache“im Mangfallplatz-Süd teilgenommen.

Nicht nur Uniformierte sind unterwegs, auch Beamte in Zivil – damit sie nicht gleich erkannt werden. Das Verhalten gegenüber einer Zivilperson sei ganz anders als bei einem Polizisten in Uniform, weiß Opetnik.

Ein Kollege funkt ihn an. Am Ichikawa-Platz gibt es Probleme. Die Demonstranten fühlen sich von einem bekannten Rosenheimer Querdenker-Aktivisten und früherem AfD-Mitglied gestört, weil er sie filmt. Maurer und Opetnik machen sich auf den Weg. Als sie ankommen, hat sich die Situation schon aufgelöst. Der Mann sei freiwillig gegangen, berichten die Kollegen.

Anders als im Mangfallpark tragen die rund 200 Unterstützer des Klinikpersonals alle eine Maske. „Das müssten sie nicht, sie machen das freiwillig“, betont Maurer. Weil alles ruhig ist, fahren die Polizisten wieder zurück in den Mangfallpark.

„Ich versuche, da auf Durchzug zu schalten“

Die „Mahnwache“ ist immer noch in vollem Gange. Die Stimmen der Redner hallen durch die Lautsprecher. Sie beklagen sich über unkritische Medien, Freiheitsberaubung und behaupten, es gebe keine Demokratie mehr. Die Zuhörer applaudieren, jubeln und versuchen so laut wie möglich zu sein mit ihren Trillerpfeifen und Glocken.

„Ich versuche, da auf Durchzug zu schalten“, sagt Maurer. „Hier rein, da raus“, bestätigt Opetnik und zeigt auf seine Ohren. Sie seien neutral und nur dazu da, die Veranstaltungen zu schützen. Die seien diesmal „ohne besondere Vorkommnisse“ über die Bühne gegangen.

Keine Rede von Rosenheims Oberbürgermeister Andreas März
Entgegen der Ankündigung seitens der Veranstalter hat Rosenheims Oberbürgermeister Andreas März nicht auf der jüngsten Kundgebung des Bündnisses „Rückenwind Gesundheitspersonal“ gesprochen. Der Rosenheimer Rathauschef sei zum einen durch einen dringenden Termin kurzfristig verhindert gewesen, schildert Rosenheims Pressesprecher Thomas Bugl. Schwerer wiegen dürfte jedoch der Umstand, dass sich unter den Organisatoren auch Gruppen des linken politischen Spektrums befänden, die derzeit vom Verfassungsschutz beobachtet würden, wie Bugl erläutert. Er nennt auf Anfrage das Offene Antifaschistische Plenum Rosenheim und den Sozialistisch Demokratischen Studentenbund in Rosenheim. März wolle sich bewusst sowohl von Verbindungen ins links- wie auch rechtsextremistische Milieu abgrenzen. jek

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