13.000 echte Tote in 35 Jahren

Darum liebt Deutschlands dienstältester Mord-Ermittler die Rosenheim Cops

Gerhard Hoppmann, Mord-Ermittler, sitzt in seinem Büro im Polizeipräsidium vor Mord-Akten. Nach 46 Dienstjahren als Polizist geht er in Pension.
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Gerhard Hoppmann, Mord-Ermittler, sitzt in seinem Büro im Polizeipräsidium vor Mord-Akten. Nach 46 Dienstjahren als Polizist geht er in Pension.

«Wenn Krimi, dann die Rosenheim-Cops“, sagt Gerhard Hoppmann. Der 62-Jährige ist vermutlich Deutschlands dienstältester Mord-Ermittler. Mit rund 13.000 echten Toten hatte er es in 35 Berufsjahren zu tun. Einblicke in eine außergewöhnliche Laufbahn.

Von Frank Christiansen

Krefeld/Rosenheim - Warum also die „Rosenheim Cops“? „Es ist weit genug weg von der Realität“, begründert Hoppmann. Die Wohlfühl-Spannung in malerischer Landschaft rund um Rosenheim ist ihm zur Entspannung lieber als ein harter „Tatort“. Wer würde es ihm verdenken?

In seinem Büro in Krefeld reihen sich unzählige Aktenordner - auf fast jedem steht in großen Buchstaben: «Mord». In Duisburg bekam er den Spitznamen «Schimanski», obwohl er im Gegensatz zum TV-Kommissar überhaupt nicht rüpelhaft sei, sagt Gerhard Hoppmann. Nach 35 Jahren als Mordermittler geht Hoppmann (62) jetzt in Pension. Er hat 13 000 Todesermittlungsverfahren geführt und in 30 Jahren 250 Mordkommissionen geleitet. Bis auf einen Fall hat er alle aufklären können.

Schon mit 15 Jahren geht er zur Polizei

«Ich bin der dienstälteste Mordkommissionsleiter Nordrhein-Westfalens und vermutlich auch bundesweit», sagt er über sich selbst. Für Mörder war es in den vergangenen Jahrzehnten schon ein Fehler, sich den Niederrhein als Tatort auszusuchen. Denn da bekamen sie es fast zwangsläufig mit den Ermittler-Legenden Ingo Thiel oder Gerhard Hoppmann zu tun. «Mord war immer das Highlight», sagt Marathonläufer Hoppmann, der schon als Jugendlicher mit 15 Jahren zur Polizei kam.

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Kurz vor der Pension hat er vor einigen Wochen seine Aufklärungsquote noch einmal verbessern und einen 24 Jahre alten «Cold Case» mit Hilfe der ZDF-Sendung «XY Aktenzeichen ...ungelöst» aufklären können. «Die Leiche lag am Abhang einer Kiesgrube», erinnert er sich. «Jeder Mord brennt sich in die Festplatte ein.»

Nur ein einziger ungeklärter Fall: ein 2014 getötetes Baby

Ungeklärt bleibt aus seiner Zeit nur der Fall eines 2014 getöteten Neugeborenen. Die Babyleiche lag in einer Plastiktüte in einem Krefelder Park. «Wenn ein wehrloser Säugling auf dem Obduktionstisch liegt, ist das nicht nur für die Obduzenten besonders», sagt er. Acht solcher Fälle hatte er.

Der wichtigste Meilenstein in seiner Laufbahn sei die Entwicklung der DNA-Analyse zum Instrument der Ermittler gewesen. «Ihr habe ich meine hohe Aufklärungsquote zu verdanken.» Mit seinen Nachfolgern habe er etwas Mitleid, denn es sei fraglich, ob sie diese jemals erreichen werden - egal, wie gut sie seien.

Neues Recht erschwert die Arbeit

Und das liegt an einer rechtlichen Neuerung, die seit Jahresbeginn gelte. So muss nun noch vor der ersten Vernehmung eines Verdächtigen ein Verteidiger hinzugezogen werden. Der wird aber seinen Mandanten in aller Regel zum Schweigen vergattern. «Das geht in die völlig falsche Richtung», sagt Hoppmann.

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«Bislang war eine Vernehmung, die zu einem Geständnis führt, die Krone unserer Ermittlungsarbeit.» Diese Krone dürfte sich künftig nur noch selten ein Ermittler aufsetzen. «Dadurch werden etliche Fälle vermutlich nicht geklärt. Wir werden kaum noch Vernehmungen mit Geständnissen bekommen. Das tut mir für die Kollegen sehr leid», sagt Hoppmann.

Viele von Hoppmanns Mördern sind schon wieder frei

Inzwischen seien viele der von ihm überführten Mörder nach verbüßter Strafe wieder frei. Einer, der länger hinter Gitter bleiben dürfte, ist der Serienkiller Fred W.. Er schoss 2008 in Krefeld einem Autohändler mit einer Schalldämpfer-Pistole in den Kopf. Außerdem war er für eine Serie von Raubüberfällen verantwortlich.

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Wegen des Mordes in Krefeld musste Hoppmann acht Monate später in die Türkei reisen, wohin das Opfer überführt worden war. «Wegen eines Fehlers in der Rechtsmedizin war das Projektil im Kopf des Toten übersehen worden. Das habe ich dann zurück nach Krefeld gebracht.»

Unschuldigen vor dem Gefängnis bewahrt

Erst vor Kurzem konnte Hoppmann mithelfen, Fred W. wegen eines Mordes in Belgien ein zweites Mal zu überführen. «Dort hätte um ein Haar der Sohn des Mordopfers unschuldig die Strafe verbüßt. Der saß schon hinter Gittern», sagt Hoppmann.

Emotional schwierig war für ihn der Fall, bei dem es um die Tötung eines SEK-Beamten in Gelsenkirchen ging. «Das war nicht nur ein Polizist, sondern auch noch der Sohn eines Polizisten im gleichen Alter wie ich.»

Tsunami-Opfer identifiziert - „da wurden leichenfeste Beamte gesucht“

Nach dem verheerenden Tsunami im Pazifik reiste Hoppmann freiwillig für das Bundeskriminalamt nach Thailand, um bei der Identifizierung der 220 000 Toten zu helfen. «Da wurden leichenfeste Beamte gesucht», erinnert er sich. Als er nach 46 Dienstjahren in seiner Personalakte geblättert habe, sei ihm seine Beurteilung nach dem Bewerbungsgespräch in die Hände gefallen. «Da stand, ich könnte wohl ein guter Polizist werden, sei aber psychisch nicht belastbar.»

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