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Einblick in bewegtes Leben

Tipps einer 100-jährigen Rosenheimerin: Wie man bis ins hohe Alter gesund und fit bleibt

Bronislawa Plattner bekommt von Daniel Artmann, Zweiter Bürgermeister von Rosenheim, zum 100. Geburtstag einen Blumenstrauß überreicht.
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Bronislawa Plattner bekommt von Daniel Artmann, Zweiter Bürgermeister von Rosenheim, zum 100. Geburtstag einen Blumenstrauß überreicht
  • VonJulian Baumeister
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Wer 100 Jahre alt ist, hat viele Geschichten zu erzählen. So auch Bronislawa „Broni“ Plattner. Zu ihrem 100. Geburtstag gab die Frau aus Rosenheim einen Einblick in ihr bewegtes Leben. Von einschneidenden Erlebnissen im Zweiten Weltkrieg bis hin zu dem Geheimnis, wie man es schafft gesund so alt zu werden.

Rosenheim – An der Wand hängt eine bunte „Happy Birthday“-Girlande. Der große Tisch im Kapellenraum des Elisabeth-Altenheims in Rosenheim ist festlich geschmückt. An einem Ende ist ein Kuchenbuffet aufgebaut. Die rund 15 Gäste tanzen und singen zur Musik eines Akkordeon-Spielers. Was nach einer normalen Geburtstagsfeier aussieht, ist doch besonders: Das „Geburtstagskind“ Bronislawa Plattner aus Rosenheim feiert ihren 100. Geburtstag. Und erzählt, wie sie es geschafft hat so alt zu werden.

Weltkrieg als Einschnitt

„Man hat viel zu erzählen nach 100 Jahren. Aber warum ich so alt geworden bin, weiß ich selber nicht“, sagt Plattner. Geboren wurde „Broni“, wie sie von ihrer Familie genannt wird, 1922 in einem oberschlesischen Dorf bei Tworkow im heutigen Polen. Sie wuchs als Jüngstes von fünf Kindern mit drei Brüdern und einer Schwester auf. „Ich hatte eine schöne Kindheit“, sagt Plattner.

Besonders sei ihr das gute Essen ihrer Mutter in Erinnerung geblieben. „Eine gute und gesunde Ernährung ist das Geheimnis für ein langes Leben“, sagt Plattner. Das sei auch der Grund, warum es ihr körperlich „sehr gut“ gehe. „Meine Füße funktionieren nicht mehr so wie ich das möchte, und das Hören könnte besser sein, aber sonst. Ein bisschen merke ich das Alter also schon“, sagt Plattner und lacht. Durch eine Nervenerkrankung in den Beinen sei sie auf einen Rollator angewiesen. „Da ist es hilfreich, dass sie Augen hat wie ein Adler“, sagt Josef Plattner, der Stiefsohn von „Broni“.

Auch geistig sei die 100-Jährige noch „gut beieinander“, sagt er. Ihre Angelegenheiten regle sie alle noch selbst, sagt Bronislawa Plattner.

Flucht aus der Heimat

Deshalb erinnere sie sich auch gut an die „schwerste Zeit“ in ihrem Leben: Der Zweite Weltkrieg. Zunächst sei in ihrem Dorf nicht viel von der Machtübernahme der Nationalsozialisten zu spüren gewesen. Doch als einer ihrer Brüder kurz vor Kriegsbeginn bei einer Militärübung starb und wenig später der zweite Bruder an der Ostfront fiel, sei es „schlagartig vorbeigewesen mit der unbeschwerten Zeit“. „Das war sehr schlimm für unsere Familie“, erzählt Plattner. In den letzten Kriegsjahren habe sie in einer Munitionsfabrik arbeiten müssen, damit die Familie Lebensmittelmarken bekommt.

1945 sei sie dann mit vier jungen Frauen über das Gebiet der heutigen tschechischen und slowakischen Republik mit dem Fahrrad, dem Zug und sogar teilweise zu Fuß nach Bayern geflohen. Dadurch sei sie auch von ihrer Familie getrennt worden.

Umso mehr freue es sie, dass zu ihrem 100. Geburtstag „so viele aus der Verwandtschaft bis hin zu den Urenkeln gekommen sind“.

Ihren Mann Josef, den sie 1975 heiratete, habe sie bei ihrer Arbeit für die Amerikaner in der Besatzungszone kennengelernt. Dort habe sie als Küchenkraft, Serviererin und später als Verkäuferin für die amerikanische Armee gearbeitet. So sei sie auch über Cham in die Kaserne nach Bad Aibling gekommen.

Über Bad Aibling nach Rosenheim

Die ersten Jahre in der Region lebte „Broni“, deren Tochter Elisabeth 1948 auf die Welt kam, noch in den Baracken und später in den Wohnblöcken des heutigen Kasernengeländes. Später zog sie mit ihrem Mann, der eine weitere Tochter und Sohn Josef mit in Ehe brachte, nach Rosenheim. „Das war eine schöne Zeit. Da habe ich im Landratsamt gearbeitet und der Arbeitsweg war kurz“, sagt Plattner.

Noch schöner sei es geworden, als sie nach dem Eintritt in die Rente im Jahr 1984 mit ihrem Mann die Welt bereisen konnte. „Wir waren an unserem Traumziel, dem Nordkap, und oft mit dem Wohnmobil im ehemaligen Jugoslawien“, erzählt die 100-Jährige. Der nächste „schwere Einschnitt“ in ihrem Leben sei dann 1997 der Schlaganfall ihres Mannes gewesen, der ihn zum Pflegefall werden ließ. Viele Jahre habe sie ihn noch zuhause gepflegt, bis er 2006 in einem Altenheim verstarb. „Es ist schon komisch, wenn man älter als die meisten anderen wird“, sagt „Broni“, die bis 2018 noch in ihrer eigenen Wohnung lebte.

Spielerin aus Leidenschaft

Doch auch jetzt im Altenheim habe sie sich noch viel von früher beibehalten. „Ich spiele gerne. Vor allem Mensch-ärgere-Dich-nicht oder Bingo“, sagt die 100-Jährige. Und auch die Nachrichten verfolge sie noch aufmerksam. „Die sind fast ein wenig wie früher“, sagt „Broni“ mit Blick auf die Geschehnisse in der Ukraine.

„Ein bisschen kürzertreten muss ich jetzt aber schon“, sagt Plattner und lacht. „Das kann man sich fast nicht vorstellen, so fit wie sie sind“, zeigt sich auch Daniel Artmann, Rosenheims Zweiter Bürgermeister, beeindruckt, der einen Blumenstrauß und einen Brief von Oberbürgermeister Andreas März vorbeibrachte. Dessen Besuch freute Bronislawa Plattner besonders. „So einen hohen Besuch bekommt man selten“, sagt „Broni“ Plattner.

Wie viele Jahre noch dazukommen sollen, da will sie sich überraschen lassen. „Die Hauptsache ist, dass es einem gut geht, dann ist das Älterwerden kein Problem. Und gutes Essen natürlich“.

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