Forschungsprojekt der TH Rosenheim

Rosenheim aus Sicht der Senioren: Hochschüler befragen Bürger zum Thema „Leben im Alter“

Im Gespräch mit den Bürgern: Studentin Christina Heldt bei einer Befragung. Technische Hochschule Rosenheim
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Im Gespräch mit den Bürgern: Studentin Christina Heldt bei einer Befragung. Technische Hochschule Rosenheim
  • Anna Hausmann
    vonAnna Hausmann
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Studierende der Technischen Hochschule Rosenheim haben den Senioren Gehör geschenkt und gefragt, wie ihnen die Stadt Rosenheim gefällt. Im Ausschuss für Soziales, Familien und Senioren wurden erste Ergebnisse präsentiert: Doch es gibt einige Verbesserungsvorschläge.

Rosenheim – Wie sehen die Bedürfnisse Rosenheimer Senioren für ein zufriedenes Leben im Alter aus? Dieser Frage sind Studierende der Technischen Hochschule Rosenheim gemeinsam mit der Hochschule für angewandte Wissenschaft München sowie dem Campus Mühldorf nachgegangen. Im Ausschuss für Soziales, Familien und Senioren wurde eine erste Bilanz gezogen: Die Bürger seien zufrieden, allerdings gebe es noch Luft nach oben.

Weniger Befragte in der Coronapandemie

„Wir wollen herausfinden, was die Menschen in der Stadt Rosenheim für ein möglichst langes selbstständiges Leben im Alter in der gewohnten Umgebung benötigen“, erläutert Projektleiterin Prof. Barbara Solf-Leipold von der Professur Sozialmanagement und Sozialpolitik. Die Studenten aus dem sechsten Semester befragten dazu an verschiedenen Orten Einwohner der Stadt Rosenheim, die das Lehrforschungsprojekt zusammen mit dem Caritasverband Rosenheim unterstützt. Rahmen für die Evaluation war das Projekt „Soziale Dienste Seniorinnen und Senioren“.

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.Befragung von 200 Menschen war nicht möglich

Doch bedingt durch die Coronapandemie mussten die Studierende die Zahl der Befragten herunterfahren. Gespräche mit den ursprünglich 200 geplanten Bürgern waren nicht mehr möglich, stattdessen schenkten die Studierenden rund 30 Personen Gehör.

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Es fehlt noch an Transparenz

Aus empirischer Sicht seien die Ergebnisse nicht aussagekräftig, räumt Solf-Leipold ein. Dennoch biete die Befragung Aufschluss über zentrale Wünsche. Ein zentraler Aspekt sei dabei deutlich hervorgetreten: Bürger müssen die Angebote kennen, um sie nutzen zu können. Hier fehle es noch an Transparenz. Das spiegelten auch Experteninterviews, etwa mit dem Verein Pro Senioren und dem Senioreinbeirat wider. Negativ bewertet wurde die Mobilität, etwa die Busverbindung im Sozialraum West. Die Befragungen ergaben außerdem, dass Rosenheim eine gute Aufenthaltsqualität mit vielen Sitzgelegenheiten biete. Besonders barrierefreie Begegnungsräume seien im Alter wichtig, wie aus den Gesprächen hervorgingen.

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Wunsch nach zentraler Anlaufstelle

„In Rosenheim gibt es bereits viele Angebote für Senioren, das ist positiv zu werten“, so Solf-Leipold. Die Anlaufstellen seien vorhanden, aber seien oftmals noch zu unübersichtlich. Dieser Ansicht sind auch die Experten: Die Vernetzung in Rosenheim sollte noch weiter gefördert werden. Doch hierfür bräuchte es noch mehr Personal und Zeit, dies wäre aktuell – auch coronabedingt – weder auf professioneller noch ehrenamtlicher Ebene möglich. Laut Expertenbefragung würde es sich anbieten, vorhandene Strukturen wie den Verein Pro Senioren zu nutzen und noch weiter auszubauen.

Projektleiterin Prof. Barbara Solf-Leipold.

Über „Soziale Dienste Senioren“: Hausbesuche mit persönlicher Beratung

Hinter dem Projekt „Soziale Dienste Senioren“ steckt ein Anliegen der Stadt: Häufig hinderten Scham, Unkenntnis und andere Bürger daran, den zuständigen Ämtern ihre schwierige Situation anzuzeigen und zu vermitteln. Das Projekt soll hier ansetzen und gegensteuern. „Wir wollen erreichen, dass sich die Lebensverhältnisse von älteren Bürgern aus ganzheitlicher Sicht verbessern“, so Sozialamtsleiter Christian Meixner. Im Fokus stehen Bürger ab 65 Jahren sowie körperlich, geistig und kognitiv eingeschränkte Menschen. Für diese bieten die Diplom-Sozialpädagoginnen der Caritas, Brigitte Plank und Ramona Gehrlicher, Hausbesuche an.

Präventiv und anlassbezogen

Diese werden, wie die beiden im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen erklärten, in zweierlei Formen unterteilt: Zum einen gebe es die präventiven Hausbesuche, welche beispielsweise durch das soziale Umfeld initiiert werden. Zum anderen machen die beiden Ansprechpartnerinnen anlassbezogene Hausbesuche, veranlasst durch das Sozialamt. Hier gehe es darum, die Personen zu unterstützen, um ihre Selbstständigkeit zu stärken und Wege gegen Vereinsamung und Isolation zu finden.„Wir beraten, welche Hilfen und Unterstützungsmöglichkeiten es gibt.“ Das Projekt der Stadt und Caritas startete am 1. Februar 2019 und ist zunächst auf drei Jahre angelegt.

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