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Zukunft des Lokals ist noch offen

Triumphe, Tragödien und Tzatziki: Die Griechische Taverne in Rosenheim macht dicht

Rückzug nach fast 40 Jahren: Aristidis und Maria Vassios von der Griechischen Taverne in der Prinzregentenstraße.
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Rückzug nach fast 40 Jahren: Aristidis und Maria Vassios von der Griechischen Taverne in der Prinzregentenstraße.
  • Ludwig Simeth
    VonLudwig Simeth
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Schwerer Schlag für die Gastronomieszene in Rosenheim: Nach fast vier Jahrzehnten schließen Aristidis und Maria Vassios die Griechische Taverne an der Prinzregentenstraße. Wie es danach mit dem Lokal weitergeht, ist noch offen.

Rosenheim – Die Bayern und die Griechen – eine innige Beziehung, spätestens seit den Zeiten Ludwigs I. im 18. Jahrhundert, als Prinz Otto von Wittelsbach als König in Athen regierte, während der Münchner Regent das hellenische Ypsilon importierte und per Dekret an prominentester Stelle platzierte: Jetzt hieß es auf einmal nicht mehr Baiern, sondern Bayern.

Die Kultur fängt mit dem Essen an

Weil die Kultur mit dem Essen anfängt, lässt die meisten Rosenheimer knapp 200 Jahre später das Ypsilon eher kalt. Für sie sind Gyros und Tzatziki das Alpha und Omega. Seit 1984 werden sie damit von Aristidis und Maria Vassios in der Griechischen Taverne verwöhnt. Doch damit ist bald Schluss. Mitte Mai macht die Gastronomen-Familie den Laden dicht. Wie und ob es mit dem Lokal weiter geht, ist noch offen.

Damit geht in Rosenheim nicht nur kulinarisch, sondern auch gesellschaftlich eine Ära zu Ende. Weil sie alle in der Taverna an der Prinzregentenstraße seit fast vier Jahrzehnten ihre Triumphe und Aufstiege feiern, Wahlsiege und Theaterpremieren, Geburtstage und Jubiläen, Beförderungen und Abschlüsse: Sportler, Politiker, Künstler, Schauspieler, Beamte, Studenten oder Berufsschüler. Und weil das Leben auch bitter wie Retsina sein kann, half die mediterrane Vielfalt der griechischen Küche samt Ouzo-Absacker auch beim Verdauen der – so würde es Aristoteles formulieren – kleinen Tragödien des Lebens: Schlappen, Rückschläge, Abstiege.

Ob es gut oder schlecht gelaufen war, das lasen Aristidis (57) und Maria (54) ihren Stammgästen schon beim Betreten des Lokals an den Gesichtern ab. Je nachdem gab es eine warmherzige Umarmung samt Glückwunsch oder eine Seelenmassage – und dazu das passende Gericht, stets gewürzt mit den typischen Geschmäckern des Mittelmeers. „Wir waren immer stolz auf unsere Speisekarte und unsere Gäste, bei denen wir uns herzlich für ihre jahrzehntelange Treue bedanken wollen. Wir haben für sie stets das Beste gegeben“, sagt das Ehepaar Vassios, dem der Abschied schwer fallen wird.

Paar möchte sich mehr um die Familie kümmern

So hat das Ende im Mai nichts mit den Corona-Stillständen zu tun. Nach 38 Jahren ohne Ruhetag und Urlaub ist der Akku nicht mehr so voll wie einst, außerdem möchte sich das Paar – drei Kinder, ein Enkelkind (2) – jetzt mehr um Familie und Hobbys kümmern. Aristidis Vassios – für alle nur „der Aris“ – ist leidenschaftlicher Radfahrer und FC-Bayern-Fan. Nun wird endlich mehr Zeit sein für eine Alpenüberquerung oder Besuche in der Allianz-Arena. Seit den 90ern ist er Bayern-Mitglied, seinen Ausweis – Nummer 20018 – hat er stets dabei, der 2019 viel zu früh verstorbene Ex-Bayern-Profi und Vizeweltmeister Norbert Eder war Stammgast im Lokal.

Was mit König Ludwigs Bemühungen um bayerisch-hellenischen Beziehungen begann, prägte übrigens auch die Familie. Als einer der Pioniere bei der Gründung einer griechischen Schule in München kam Marias Vater in den 60ern nach München, die Tochter folgte ihm 1983. Aris war schon 1972 nach Kolbermoor gekommen, wo sein Vater in der Spinnerei sein Geld verdiente.

Den Rest erledigte dann Aphrodite. Gefunkt hat es im griechischen Lyceum in Berg am Laim, dort lernte der Schüler Aris aus der nordgriechischen Hafenstadt Préveza seine Maria aus dem etwa 100 Kilometer entfernten Grevená kennen und lieben. Das war 1984, im selben Jahr ging es nach Rosenheim. Aus dem bescheidenen Anfang mit einem kleinen Imbiss, der vorwiegend die Berufsschüler mit Gyros und Hamburgern versorgte, wurde rasch eine kleine Taverne mit zehn Tischen für 40 Gäste. In den 90ern, im Rückblick sicher die stimmungsvollste Zeit, wurden nicht nur die Sirtaki-Abende länger, sondern auch das Lokal immer größer.

Junge Liebe: Diese Aufnahme von Maria und Aristidis Vassios entstand im Jahr 1984.

Heute gibt es Platz für 140 Gäste

Heute gibt es Platz für 140 Gäste. Möglicherweise müssen sich viele bald ein neues Stammlokal suchen, darunter die vielen Sportler – von den Starbulls-Meisterhelden der 80er über die Basket- und Volleyballer bis zu den Hockey- und Tennisspielern. Gespräche laufen zwar, doch es kann gut sein, dass Mitte Mai endgültig das letzte Taramas aufs Pitabrot geschmiert wird. „Bis dahin fühlt sich für uns jeder Abend an wie eine kleine Abschiedsfeier an“, sagt Aristidis Vassios mit etwas Wehmut. Viele Gäste werden es ähnlich empfinden. Doch die Erinnerung an viele genussreiche Abende wird in den Herzen vieler Rosenheimer ebenso fest verankert bleiben wie das Ypsilon in Bayern.

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