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Lieferengpässe bei Medikamenten

Fiebersäfte und Antibiotika knapp - Ist die Versorgung in der Region noch gewährleistet?

Carina Poetzel von der Heilig-Geist-Apotheke: Manche Medikamente sind derzeit nicht verfügbar
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Carina Poetzel von der Heilig-Geist-Apotheke: Manche Medikamente sind derzeit nicht verfügbar
  • Martin Lünhörster
    VonMartin Lünhörster
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Immer wieder sind bestimmte Medikamente schlecht oder nicht verfügbar. Schmerzmittel für Kinder sind schon seit längerem nicht mehr in vollem Umfang verfügbar, nun stockt auch die Lieferung von Antibiotika und Krebsmitteln. Das sagen Ärzte und Apotheker in der Region.

Rosenheim - „Mal verbessert sich die Verfügbarkeit von bestimmten Medikamenten, dann ist was anderes schlecht verfügbar“, klagt Dominik Simon, Apotheker in der Rosenheimer Heilig-Geist-Apotheke. Man sei immer damit beschäftigt, nach Alternativen zu suchen. Erst kürzlich waren die Fiebersäfte für Kinder knapp geworden. Die Gründe für die lückenhafte Versorgung der Apotheken mit Medikamenten sind zahlreich. 

Aufgrund von Corona seien oft Produktionen von Wirkstoffen in China und Indien ausgefallen. Hinzu würden Probleme in der Logistik wegen Verzögerungen durch Frachtschiffe, die die Wirk- und Hilfsstoffe nach Deutschland bringen kommen. Bis hin zu den Transporten vom Hersteller zu den Großhändlern und Apotheken, weil Personal fehlt oder krankheitsbedingt ausfällt.

„Das Problem begleitet uns nun schon seit Jahren”, sagt Simon. Es sei eine brisante Geschichte, wenn es bestimmte Dinge wie den Ibuprofensaft für Kinder betrifft. 

Apotheken bauen Vorräte auf

Für die Apotheken bedeutet diese Unsicherheit in den Lieferketten zusätzlichen Aufwand. Um die Versorgung der Patienten sicherzustellen, versuchen die Apotheken einen gewissen Lagerbestand aufzubauen. Sobald die Apotheker hören, dass etwas knapp werden könnte, würden sie auch sowas wie Hamsterkäufe machen, um die Kunden versorgen zu können, berichtet Dominik Simon.

Die Lieferschwierigkeiten betreffen derzeit auch verschiedene Mittel, die in der Krebstherapie zum Einsatz kommen, wie beispielsweise Folinsäure und Fluorouraci. Sollte ein Mittel nicht verfügbar sein, seien die Apotheken oft dazu gezwungen, auf andere Präparate auszuweichen. Hier würde inzwischen auf Ware aus dem Ausland zurückgegriffen. Auch bei Antibiotika sei der Lieferengpass spürbar. Ist das eine Medikament verfügbar, ist ein anderes nicht zu bekommen, sagt Simon.

Im Schnitt gäbe es immer 250 bis 300 Artikel, die aktuell nicht verfügbar sind. Dieser Wert ist aber relativ konstant über die vergangenen Jahre hinweg. Letzten Endes würde es laut Simon doch um die Versorgungssicherheit der Patienten gehen. Nur nur beim Gas, auch bei den Medikamenten müsse man sich unabhängig machen und eine eigene Versorgung aufbauen. 

Es gibt immer Alternativen

Dr. Florian Bonke, Allgemeinmediziner aus Flintsbach am Inn, hat immer wieder Fälle, bei denen Medikamente nicht lieferbar sind. „Erst heute hatte ich einen Fall, bei dem ein Antibiotika für eine Frau mit Lungenentzündung nicht lieferbar war. Auch gewisse Spritzen für Diabetiker sind derzeit nicht verfügbar”, sagt Bonke. Das liege unter anderem daran, dass in anderen Ländern wie den USA mehr für die Medikamente gezahlt wird, also lieferten die Hersteller zuerst dorthin. Das mache sich dann auf dem deutschen Markt bemerkbar. „Es ist bei uns aber immer noch so, dass es Alternativen gibt“, versichert der Arzt. Es gebe die Antibiotika mit einem ähnlichen Wirkstoff, die Diabetes-Spritzen gebe es in anderen Dosierungen. Zum jetzigen Zeitpunkt könne man noch gut auf andere Medikamente ausweichen. So eine Situation gab es schon einmal im Winter 2021 und da hat sich das in Wohlgefallen aufgelöst, erinnert sich Bonke.

 „Unterm Strich bleibt es für die Kunden kostenneutral”

Bei akuten Lieferschwierigkeiten können die Apotheken laut Dominik Simon auf die Unterstützung der Krankenkassen hoffen. So könnten beispielsweise auch Importe aus dem Ausland vereinfacht abgerechnet werden. Sollte ein Produkt wirklich nicht verfügbar sein, kann auch ein anderes zurückgegriffen werden. Für die Kunden entstünden dabei keine Mehrkosten, wenn auf ein anderes Präparat ausgewichen werden muss. Bei zuzahlungspflichtigen Medikamenten bliebe der Beitrag wie er ist. Die Rabattverträge, die die Krankenkassen mit den Herstellern abschließen, betreffen sowohl die Apotheken als auch die Kunden nicht. 

Eine Verbesserung der Situation in der kommenden Zeit sieht Apotheker Dominik Simon nicht. Wenn man die Vergangenheit betrachte, werde es wohl in der kommenden Zeit so weitergehen, das manche Medikamente nur schwer oder nicht zu bekommen sind. Manchmal werde das Artikel betreffen, die bekannter sind, aber insgesamt werde die Lage konstant bleiben. Eine neue politische Weichenstellung sei nicht in Sicht. Aber auch nichts, was die Lage verschlechtern würde, schiebt Simon hinterher. 

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