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Bei der Party gab es viel zu lachen

„Der Kimmich heißt bei der Oma nur ‚der Sexy‘“: Anneliese Reichling aus Rosenheim feiert ihren 100. Geburtstag

Oberbürgermeister Andreas März gratuliert Anneliese Reichling zum 100. Geburtstag.
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Oberbürgermeister Andreas März gratuliert Anneliese Reichling zum 100. Geburtstag.
  • VonThomas Stöppler
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Fußball, Formel 1 und jede Menge Humor. Die Rosenheimerin Anneliese Reichling feierte vergangenen Freitag ihren Ehrentag. Zu Prosecco, Kuchen und Schnittchen gab es für Reichling und ihre Gäste vor allem viel zu lachen.

Rosenheim – Noch mal hundert Jahre? „Ich gebe mir Mühe“, sagt Anneliese Reichling. Aber wenn Anneliese Reichling da sitzt, bekommt man nicht den Eindruck, dass wäre ein Problem. Hellwach ist sie und voller Energie. „Das ist ein wenig langweilig“, sagt sie, „wenn man immer nur zuschauen kann und nicht mehr selber tanzen.“ Das mit dem Tanzen meint sie offenkundig ernst: Zwar wollen die Beine nicht mehr, aber die Hundertjährige zeigt gleich, dass man auch im Sitzen tanzen kann.

Ein Glück die Sonne zu sehen

Gebürtig stammt sie aus Freiburg und ist dann lange in Dortmund gewesen. „Diese Dunstglocke – da war es ein Glück, wenn man die Sonne gesehen hat.“ Es ist dann die Gesundheit ihres Mannes, der die Familie Richtung Süden treibt. Zunächst einmal für zwei Jahre. „Aber angucken nützt ja nichts, ich musste ja trotzdem runter“, erzählt sie lachend. Denn so schlimm, wie das klingt fand sie es gar nicht: „Es war immer angenehm zum Leben mit den Leuten.“ Die Rosenheimer haben Reichling die Umstellung leicht gemacht: „Wo kimmst denn her?“ haben die Menschen sie gefragt, und „gleich war man im Gespräch.“

Aber Dortmund ist aus ihrem Leben nicht verschwunden: Der BVB ist weiter wichtiger Bestandteil. Ein Wimpel steht auf der Fensterbank des Wintergartens, in dem Reichlings Tochter Lilian zusammen mit Enkelin Bettina Schnittchen und Prosecco, Kaffee und Kuchen den Gästen reichen. Der Regen prasselt laut auf das Glasdach, das erschwert die Gespräche, aber Reichling hört gut und spricht deutlich.

Joshua Kimmich heißt „Der Sexy“

Aber vom Ankommen in der Region zeugt auch der der Teddy Bär mit Bayerntrikot direkt neben dem BVB-Wimpel. „Fußball ist ganz wichtig für die Oma“, sagt Bettina, selbst inzwischen Mutter eines erwachsenen Sohnes. Jedes Wochenende Bundesliga und unter der Woche natürlich die Champions League. In letzterer werden für Liverpool die Daumen gedrückt aus alter Verbundenheit zu Jürgen Klopp. Aber primär sind es inzwischen die Bayern, für die das Herz schlägt. „Der Kimmich heißt bei Oma immer nur „der Sexy“, sagt Tochter Lilian.

Aber außer Fußball und der ebenfalls eng verfolgten Formel 1 ist es Reichling „da oben ein bisschen zu ruhig.“ Sie wohnt im ersten Stock, ihre Töchter unten, sie helfen, sie unternehmen Dinge zusammen, aber wenn die Beine nicht mehr wollen, dann sind die Möglichkeiten etwas eingeschränkt.

Aber der Kopf ist noch ganz klar, als ob auf der Festplatte nicht hundert Jahre Erinnerungen gespeichert wären, als ob da noch jede Menge Speicherplatz vorhanden wäre. Und so bleibt Oma nützlich. „Sie passt immer noch auf uns auf“, erzählt Enkelin Bettina. „Sie gibt uns immer noch gute Ratschläge “

Pächterin der Mittelstation

Wie wach der Kopf ist, bekommt gleich Oberbürgermeister Andreas März zu spüren, der zum Gratulieren vorbeikam. Denn Reichling hat mal im Schwimmbad in Nussdorf am Kiosk gearbeitet. Ein Herr wollte einfach nach hinten gehen, sie hielt ihn auf. „Ich darf das“, sagte der Herr, Reichling fragte: „Woher wissen Sie das?“. Der Herr war Andreas März Onkel und er durfte das wirklich. Es war ja sein Kiosk. „Wir haben soviel Spaß gehabt“, erzählt Reichling lachend. Der OB lacht auch und sagt: „Da sind wir gleich mal wieder negativ aufgefallen.“

Sowieso blickt Reichling auf ein bewegtes Arbeitsleben zurück. Besonders in Erinnerung geblieben ist ihr, die Mittelstation der Hochriesbahn. Bis zum endgültigen Ausbau der Seilbahn blieb sie die Pächterin der Station. Ganz nach oben wollte sie nicht, das war ihr zu wackelig mit der Seilbahn. Das Hoch- und Runterlaufen war mühsam, aber es hielt auch fit. „Nach Feierabend habe ich mich dann immer rausgesetzt und geschaut. Dann sind die Tiere rausgekommen und haben mit mir da gesessen.“

Nach den eigenen Vorstellungen gelebt

Auch im hohen Alter blieb Reichling der Gastronomie treu. Sie unterstützte als Köchin ihre Tochter in deren Gaststätte. „Sie war unsere Saladette“, sagt Lilian lachend. Irgendwann hat dann der Körper nicht mehr gewollt, auch wenn es Reichling immer noch Spaß gemacht habe.

„Ich habe immer nach meinen Vorstellungen gelebt“, erzählt sie und dabei habe sie Maß gehalten. Nicht zu viel, nicht zu wenig. „Und was nicht gut getan, kam gleich weg“. Das glaubt man Reichling sofort. Und vielleicht hat auch der Humor geholfen, ein so stolzes Alter zu erreichen. Davon hat Reichling jedenfalls jede Menge.

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