Rituale gehören einfach dazu

OVB
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Weihnachten läuft bei Familie Ebner jedes Jahr ganz ähnlich ab: Unbedingt dazu gehört, dass Josef und Maria erst an Heiligabend ihren Platz der Krippe finden.

Rosenheim - Gemeinsames Christbaumschmücken, Krippeaufstellen, Liedersingen oder nach der Bescherung in die Christmette gehen - fast jede Familie hat für den Heiligen Abend unterschiedliche Rituale und einen ganz eigenen Ablauf.

Bei Ehepaar Tschiesche, Inhaber der Metzgerei Angerer, stellt sich Weihnachtsstimmung am heutigen Samstag erst am späten Nachmittag ein. Zuerst ist viel Arbeit angesagt. "Wir stehen an diesem Tag schon um 3 Uhr auf", erzählt Eva Tschiesche. Selbst wenn die Metzgerei schließt, ist für die 57-jährige noch nicht Schluss. Dann räumt sie zusammen mit ihrem Mann Georg noch den Stand am Christkindlmarkt aus.

Erst gegen 17 Uhr kommen die beiden heim. Dort steht zuerst einmal Duschen auf dem Programm: "Wenn wir dann sauber sind und unsere festliche Kleidung anziehen, stellt sich Weihnachtsstimmung ein."

Mittlerweile sind die Kinder der Tschiesches schon erwachsen. Es gibt bereits Enkel und gefeiert wird heuer gemeinsam bei einer Schwester von Eva Tschiesche. "Dadurch wird für mich vieles einfacher, weil ich mich nun nicht mehr um alles kümmern muss", erklärt die Rosenheimerin.

Die "staade Zeit" ist für das Ehepaar extrem kurz. Bereits nach dem zweiten Weihnachtsfeiertag ist wieder Schluss mit der Ruhe: Dann steht Silvester vor der Tür und damit verbunden ist immer ein weiterer großer Andrang in allen Metzgereien.

Trotzdem genießt Eva Tschiesche das Weihnachtsfest seit jeher: "Da ist man mit seiner ganzen Familie zusammen. Das ist wunderschön." Weihnachten ohne geschmückten Christbaum oder andere Rituale, wie der Gang zum Friedhof, könnte sie sich nicht vorstellen. Ganz wichtig ist ihr auch das gemeinsame Essen. Auf dem Speiseplan steht auch heuer Sauerbraten mit Spätzle und Blaukraut.

Wenn das Ehepaar nach der Familienfeier wieder im eigenen Heim ankommt, sind beide meistens nur noch müde. "Mein Mann schläft immer sofort auf der Couch ein. Kein Wunder, nach so einem langen Tag", zeigt die Metzgersfrau Verständnis.

Arbeit am Heiligen Abend ist auch für Familie Mayer eine Selbstverständlichkeit. Die Tiere, die auf ihrem Bauernhof in Happing leben, wollen auch an diesem Tag versorgt werden. "Die Stallarbeit ruft bereits am frühen Morgen und dann auch noch einmal am Abend", sagt Barbara Mayer. Für die Kinder der 39-Jährigen bedeutet das, dass sie sich nach dem Nachmittags-Gottesdienstes länger gedulden müssen als viele andere Buben und Mädchen, bis endlich das Christkind auch zu ihnen kommt. Leicht fällt ihnen das nicht, und gerade darum herrscht auf dem Hof der Mayers trotz alltäglicher Betriebsamkeit am Weihnachtstag immer eine ganz besondere Stimmung.

Die genießt Barbara Mayer auch in vollen Zügen. Tatsächlich kehre in den Wintermonaten auf einem Bauernhof mehr Ruhe ein: "Mein Mann kommt im Winter oftmals früher nach Hause und dadurch hat die Familie mehr gemeinsame Zeit."

Gefeiert wird bei Mayers gemeinsam mit den Großeltern. Die wohnen gleich nebenan. Für die Kinder gibt es damit zweimal Bescherung. Groß aufgekocht wird an Heiligabend nicht. Würstel stehen traditionell auf dem Speiseplan.

Heuer könnte es sogar sein, dass auf dem Bauernhof in Happing ein "Christkind" zur Welt kommt. Die Geburt eines Kälbchens wurde für heute errechnet: "Zuerst einmal könnte das für uns eine Unterbrechung des gemeinsamen Festes und noch mehr Arbeit bedeuten. Aber wenn dann genau in dieser Nacht ein neues Leben auf die Welt kommt, wird das ein wunderschönes Erlebnis für die ganze Familie."

Bei Familie Ebner in der Kastenau gibt es drei Kinder, die es schon seit Wochen kaum mehr erwarten können, bis endlich das Christkind kommt. "Jetz soids endlich so weit sei", meint der sechsjährige Lucca. Sein zehnjähriger Bruder Kevin und seine zweijährige Schwester Alina sehen das genauso.

Mama Marion und Papa Florian tun an diesem Tag alles, um das Weihnachtsfest für die Kinder zum unvergesslichen Erlebnis zu machen. Florian hat an Heiligabend frei, Arbeitsstress gibt es darum bei Ebners an Weihnachten nicht. Dafür steht viel gemeinsame Zeit auf dem Programm. Zuerst wird miteinander gefrühstückt. Beim Baumschmücken helfen die Kinder mit. Ab Mittag wird die Wohnzimmertür zugesperrt. "Damit das Christkind kommen kann", weiß Lucca. Bevor sich die Tür am Abend endlich wieder öffnet, stehen noch Besuche bei den Großeltern auf dem Programm. Da geht es für die Kleinen schon mehrfach ans Geschenkeauspacken.

Auch bei Familie Ebner gibt es abends Würstel. "Die Kinder haben vor der Bescherung nicht mehr die Geduld für ein langes, festliches Essen", weiß die Mama. Wichtig ist auch der 31-Jährigen die Einhaltung von besonderen Ritualen. "Josef und Maria bekommen erst heute ihren Platz in der Krippe." Ein Glöckchen läutet die Ankunft des Christkinds ein. Vor dem Christbaum wird gemeinsam "Stille Nacht" gesungen, danach dürfen die Geschwister ihre Geschenke in Besitz nehmen. Die Wunschliste von Kevin, Lucca und Alina ist gar nicht so lang: "Einfach mal überraschen lassen."

wu/OVB

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