Ringen um jeden Baum

Der Bunker auf dem Bahnhofsvorplatz soll weichen, auch um den Blick auf das denkmalgeschützte ehemalige Oberbahnamt freizugeben. Im Bunkerhügel wurzeln Bäume. Wie viele davon und darüber hinaus gefällt werden müssten, soll im Oktober feststehen. Foto bi
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Der Bunker auf dem Bahnhofsvorplatz soll weichen, auch um den Blick auf das denkmalgeschützte ehemalige Oberbahnamt freizugeben. Im Bunkerhügel wurzeln Bäume. Wie viele davon und darüber hinaus gefällt werden müssten, soll im Oktober feststehen. Foto bi
  • vonElvira Biebel-Neu
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1500 Unterschriften hat der Bund Naturschutz innerhalb von gut drei Wochen für den Erhalt der Bäume auf dem Rosenheimer Bahnhofsvorplatz gesammelt. Wie viele der mehr als 40 Bäume bei der Neugestaltung tatsächlich fallen sollen, steht noch nicht fest. "Jeder Baum wird im Rahmen der Planung einzeln betrachtet", versichert Baudezernent Helmut Cybulska.

Rosenheim - Acht Plätze für das Abholen und Bringen hatte der erste Preisträger im Wettbewerb für die Neugestaltung des Bahnhofsvorplatzes vorgesehen. Das war der Mehrheit des Stadtrats zu wenig. Deshalb wurden die Preisträger aufgefordert, umzuplanen. Mit dem Ergebnis wird sich der Stadtrat voraussichtlich im Oktober beschäftigen. Die endgültige Entscheidung dürfte im November fallen.

Vorsorglich hat die Rosenheimer Gruppe des Bund Naturschutz im August mit einer Unterschriftenaktion für den Erhalt der Bäume begonnen. Vorsitzender Steffen Storandt sagt, die Bürger hätten bisher 1500 Unterschriften geleistet, ohne dass seine Organisation viel Überzeugungsarbeit habe leisten müssen. Viele seien geradezu entsetzt gewesen über die Planung. Storandt ist überzeugt, dass die Liste bis zur Übergabe im Oktober an die Oberbürgermeisterin noch wesentlich wachsen wird.

"Im Mittelpunkt der Entwicklung des Bahnareals steht der Ausbau des Bahnhofs als Mobilitätsdrehscheibe mit einer gleichzeitig leistungsfähigen und attraktiven Verknüpfung aller Verkehrsarten mit dem Schienennah- und Fernverkehr", sagt Baudezernent Helmut Cybulska. Der Platz soll barrierefrei werden und zum Bahnhofsgebäude hin sanft ansteigen. Damit fallen einige Stufen am Eingang weg, und die Rampen für Rollstühle und Rollator werden kürzer. Dass die Anforderungen an die Neugestaltung ohne Baumfällungen nicht unter einen Hut zu bringen sind, ist absehbar: Neuordnung des Busverkehrs, komfortable Erreichbarkeit von 20 Standplätzen für die Taxis, 40 Kurzzeitstellplätze für das private Abholen und Bringen, davon 25 in unmittelbarer Anbindung an den Bahnhofseingang, mindestens 1500 Abstellplätze für Fahrräder, kurze und verkehrsfreie Wege für die Fußgänger. Dafür soll der Kriegsbunker weichen, auch damit das Baudenkmal Südtiroler Platz 2, das ehemalige Oberbahnamt, an städtebaulicher Wirkung gewinnt. Bäume, die in dem Bunkerhügel wurzeln, ließen sich auf keinen Fall retten.

Die immer wieder erhobene Forderung, auch den Bunker zu erhalten, weist Cybulska zurück. Dies sei nicht der einzige Bunker in Rosenheim. Es gebe in Bayern besser erhaltene Beispiele, auch in der Stadt selbst, etwa auf der Südseite der Gleise nahe der Zufahrt zur Kunstmühle.

Auf dem Bahnhofsvorplatz stehen vor allem Birken und Linden, aber auch Buchen und Kastanien. "So viele Bäume wie möglich erhalten", dies sei auch Ziel der Verwaltung, betont Baudezernent Helmut Cybulska. Nachpflanzungen seien selbstverständlich geplant.

Vor allem eine Gruppe von etwa 80 Jahre alten Buchen sticht ins Auge. Der städtische Grünplaner Markus König sagt, wo viel Verkehr herrscht, würde man heutzutage keine Buchen mehr pflanzen. Sie reagieren allergisch auf Salzstreuung und nehmen starken Druck auf die Wurzeln übel. Insgesamt sei ein Teil des Baumbestands auf dem Vorplatz nicht mehr sehr vital. Statt immer wieder Geld in die Pflege zu stecken, müsse man auch jungen Bäumen Lebensraum bieten, so König.

Welcher der Bäume erhalten werden soll, steht erst fest, wenn die neuen Pläne vorliegen. Bevor der Stadtrat das Thema behandelt, will der Bund Naturschutz die gesammelten Unterschriften überreichen.

Elvira Biebel-Neu

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