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Anschlag in Tel Aviv

Wie eine OVB-Reporterin die Nacht des Terrors erlebte

Am Schauplatz des Anschlags: Menschen trauern schweigend und betend um die beiden ermordeten Männer.
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Am Schauplatz des Anschlags: Menschen trauern schweigend und betend um die beiden ermordeten Männer.
  • Michael Weiser
    VonMichael Weiser
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Im Herzen der Metropole Tel Aviv schießt ein Terrorist um sich. Er tötet zwei Menschen, verletzt weitere schwer. OVB-Reporterin Heidi Geyer ist zufällig am Ort des Geschehens. Und berichtet von erstaunlicher Gelassenheit.

Tel Aviv/Rosenheim – Frühling in Tel Aviv, das ist anders als in anderen Städten am Mittelmeer. Tel Aviv bedeutet in etwa Ort des Frühlings, es ist Zentrum des gesellschaftlichen Lebens und der Wirtschaft in Israel, dynamische Party-Metropole mit Meer-Blick. Und die Dizengoffstraße ist Tel Avivs Herz. „Eine Straße zum Einkaufen, eine Ausgeh-Meile“, berichtet Heidi Geyer aus Tel Aviv. „Es sind sehr viele Menschen unterwegs. Es tobt hier das Leben, als habe es nie eine Pandemie gegeben.“

Der Terror trifft Nichtsahnende

Das erzählt sie kurz nach ihrer Ankunft. Ein paar Stunden später bekommen die Menschen in Tel Aviv ausgerechnet an der Dizengoffstraße erneut vor Augen geführt, dass es neben der Corona-Pandemie eine andere Bedrohung gibt – die Drohung des Terrors.

Zunächst deutet aber alles auf einen lebensfrohen Tel Aviver Abend hin. Die Menschen schlendern über den von unzähligen Lichtern erleuchteten Boulevard, stehen plaudernd vor Bars, sitzen vor den Restaurants unter großen Schirmen an Tischen auf dem Gehsteig.

Der Mörder sucht eine beliebte Kneipe heim

Auch vor der Ilka Bar stehen viele Menschen. Die Bar ist beliebt bei jungen Menschen, bei Einheimischen ebenso wie bei Touristen Weltenbummlern.

OVB-Reporterin Heidi Geyer: Zufällig am Ort des Terrors in Tel Aviv.

Auf einmal hallen Schüsse durch die Straßenschlucht. Ein Attentäter, ein 28-jähriger Mann aus Dschenin im Westjordanland, schießt auf die Menschen an der Bar, die nur den milden Abend genießen wollen. Zwei Männer tötet der Schütze, bis zu zehn weitere verletzt er. Dann flüchtet er.

Die Polizei trifft kurz danach ein, Hunderte von Beamte durchkämmen die Straße und sperren das Gelände vor der Bar ab. Heidi Geyer sieht viel Blaulicht, hört das Knattern von Hubschrauber-Rotoren über der City. Menschen laufen panisch durch die Straßen. Die Sicherheitskräfte geben den Anwohnern die Anweisung, hinter verschlossenen Türen zu warten, bis sie den Mörder gestellt haben. Es ist, als ob die Stadt den Atem anhält.

Mit Hilfe der Bilder von Überwachungskameras finden die Sicherheitsbeamten den Palästinenser neun Stunden später in Jaffa, dem alten Kern der Metropole, dessen Vorort Tel Aviv ursprünglich mal gewesen war. Der 28-jährige versteckt sich in der Nähe einer Moschee hinter einem Auto. Es kommt zum Schusswechsel, der Attentäter wird tödlich getroffen.

Trauer und Gelassenheit nach dem Anschlag

Am nächsten Tag erlebt Heidi Geyer ein Kontrastprogramm. Vor der Ilka-Bar: Dutzende Menschen, wahrscheinlich sind es über hundert, stehen an den Absperrungen, schweigend, „man sieht auch Menschen beten“, so schildert sie die Reaktion der Menschen. Es sind so viele gekommen, dass sie sich bis auf die Straße hinaus stauen: „Der Verkehr stockt“, sagt Heidi Geyer.

Die Tel Aviver legen Blumensträuße ab, überall vor den blauen Gittern, die die Polizei aufgestellt hatte, brennen Kerzen, auch israelische Flaggen sieht Geyer. Doch diese Betroffenheit beschränke sich auf den Ort des Geschehens. Ein paar Meter weiter gehe das Leben – zumindest oberflächlich betrachtet – den gewohnten Gang. Heidi Geyer berichtet von Gesprächen mit jungen Israelis.

„Einfach weitermachen ist für uns der einzig richtige Weg“, sagt einer zu ihr. Er erinnert daran, dass vor ein paar Jahren ganz in der Nähe schon einmal ein Attentat passiert sei. Alle äußern sich erleichtert – weil die Polizei den Attentäter bereits ausgeschaltet habe. Heide Geyers weitere Eindrücke: Die Leute sitzen in den Cafés, trinken und essen, sie seien vergnügt wie immer. „Die Stimmung ist ganz und gar nicht gedämpft“, berichtet die Reporterin.

Es hat sich ein Schatten auf den Tag gelegt

Sind Israelis an Krieg und Terror gewöhnt? Ist das Gelassenheit? Oder ist das normale, das umtriebige Leben in Tel Aviv noch ein wenig schwerer unterm Deckel zu halten als anderswo?

Heidi Geyer erlebt auch an anderen Plätzen in der Stadt Menschen, die geradezu sorglos wirken. Mit ihrer Reisegruppe besucht sie den Carmel-Markt. Auch hier ist hat das Leben zum Tel Aviver Takt zurückgefunden. „Gesteckt voll“, berichtet die OVB-Reporterin. Doch für sie hat sich ein Schatten auf den Tag gelegt. Die beiden Ermordeten gehen ihr nicht aus dem Kopf: „Das waren doch nur zwei Leute, die einen schönen Abend haben wollten.“

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