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Flucht vor Putins Krieg

Bundespolizei und Ukraine-Flüchtlinge in Rosenheim: Fürsorgliche Kontrollen

Zweifelnder Blick: Für viele Menschen aus der Ukraine ist die Reise nach Deutschland eine Tour in den Frieden und die Ungewissheit.
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Zweifelnder Blick: Für viele Menschen aus der Ukraine ist die Reise nach Deutschland eine Tour in den Frieden und die Ungewissheit.
  • Michael Weiser
    VonMichael Weiser
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Putins Krieg gegen die Ukraine löst eine Massenflucht nach Europa aus. Dramen mit Menschen auf der Flucht spielen sich auch in Rosenheim ab. Die Bundespolizei kontrolliert die Neuankömmlinge. Und sorgt gleichzeitig für sie.

Rosenheim – Eine Frau nutzt die unfreiwillige Pause, um auf dem Bahnsteig eine Zigarette zu rauchen. Sie ist guter Laune. Sie sei in Ungarn gewesen, erzählt sie, in ihrer Heimat. Nun wolle sie über München nach Hessen weiterreisen. Ihr Zug hat jetzt in Rosenheim gehalten. Weil die Bundespolizei kontrollier .„Das kann heute dauern“, sagt sie, lacht leise und zuckt mit den Schultern. Was soll‘s, scheint die Bewegung zu bedeuten. Irgendwann komme ich schon an.

Ein paar Meter weiter stehen ein paar Menschen, denen derlei Gewissheiten im Moment fehlen. Eine Frau, umgeben von drei, vier kleinen Kindern, schimpft mit ihrem Mann. Er findet offenbar die Ausweise der Familie nicht. Die Familie hat sich vor den Schrecken des Krieges in der Ukraine in Sicherheit gebracht. Und jetzt soll Rosenheim womöglich die Endstation sein?

Drei Beamte der Bundespolizei beobachten das kleine Drama aufmerksam. Die Papiere sind in der Tat wichtig. Wer keine biometrischen Ausweise vorzeigen kann, dessen Personalien müssen auf der Dienststelle der Bundespolizei in Rosenheim registriert werden.

Die Polizisten sind bewaffnet und tragen kugelsichere Westen. Dem martialischen Auftreten zum Trotz äußern sie sich geduldig und freundlich. Die Fahrt sei nicht zu Ende, die Reise gehe weiter, versucht ein Uniformierter die Frau zu beruhigen, aber halt erst nach der Registrierung. Die Frau schüttelt den Kopf. Aus Verzweiflung. Oder weil sie den Beamten nicht versteht.

Nur ein Bruchteil kommt mit dem Zug

Hunderttausende von Menschen haben sich auf die Flucht vor dem Krieg in der Ukraine gemacht. Vermutlich nur ein Bruchteil von ihnen überquert die österreichisch-bayerische Grenze im Zug nach München. Die Bundespolizei verwendet dennoch viel Mühe auf die Kontrollen. Schon allein deswegen, weil sie zu ihren Kernaufgaben gehören. „Wir sind die Grenzpolizei, die beim Grenzübertritt oder kurz danach Kontrollen durchführt“, sagt Rainer Scharf, Sprecher der Bundespolizeiinspektion Rosenheim. Es könnten sich ja auch Kriminelle unter den Fahrgästen befinden.

Im Moment aber registrieren die Beamten vor allem Ukrainer oder Menschen, die sich in der Ukraine etwa von Berufs wegen aufhielten und vom Krieg überrascht worden waren. Oder auch Menschen aus ganz anderen Staaten außerhalb der Europäischen Union. „Im Einzelfall sind Personen unter den Flüchtlingen, die eine normale Migration anstreben“, sagt Scharf; „beispielsweise Marokkaner, die in Italien gearbeitet haben und in Deutschland eine neue Perspektive suchen.“

Es sind Menschen darunter, die bereits wissen, wo sie die nächste Nacht verbringen. Bei Freunden beispielsweise oder bei Angehörigen, bei denen sie fürs Erste unterkommen können. Manche aber, so weiß Scharf, wüssten mitnichten wohin. Sie werden wohl in einem der Ankunftszentren unterkommen, bevor sie dann auf die Kommunen im Freistaat verteilt werden. In Gemeinschaftsunterkünfte oder zu Privatleuten. Aber zunächst ist da die Ankunft zu managen.

Am Bus lockt ein fröhlicher Frosch

Wer keine entsprechenden Papiere vorweisen kann, den geleiten die Bundespolizisten durch die Unterführung auf die Südseite des Bahnhofs. Beamte helfen beim Tragen der Koffer. Oben, ein paar Meter neben der Treppe, steht an diesem sonnigen Tag ein gecharterter Bus, auf dessen Außenseite ein fröhlicher Frosch mit Zauberhut in „Ellmi‘s Zauberwelt“ lockt.

Kurze Unterbrechung der Reise: Die Bundespolizei führt Ankömmlinge aus der Ukraine zur Registrierung.

Der Kontrast zwischen feixendem Frosch und den Menschen drinnen könnte kaum größer sein. In ihren Gesichtern liest man Anspannung und Erschöpfung. Und vielleicht ein bisschen Erleichterung darüber, im Frieden angekommen zu sein.

Die Menschen sind unverletzt und doch versehrt

Die Familie von vorhin ist nicht dabei. Die Ausweise waren doch noch aufgetaucht. Wie bei über 100 anderen Geflüchteten auch. Doch gut 60 andere Menschen haben die Beamten aus dem Zug geleitet. Sie werden zur Inspektion in Rosenheim gebracht.

Zweck der Übung ist nicht nur die Sicherung der Identität. Es ist eine Art fürsorgliche Kontrolle, die Rettungskräfte und Polizeibeamte den Neuankömmlingen angedeihen lassen. Man reiche den Menschen kalte und heiße Getränke sowie belegte Brote, sagt Thorsten Kleinschmidt, stellvertretender Leiter der Inspektion. Es gibt Merkblätter, in denen die Ukrainer ersucht werden, sich innerhalb von 90 Tagen bei den Behörden zu melden. Zudem werden die Angekommenen medizinisch gecheckt und auf Corona getestet.

Einer von denen, die dabei helfen, ist Matthias Fischer vom Medizinischen Katastrophen-Hilfswerk. Vor den Ankömmlingen liegt wohl ein langer Weg zurück in ein normales Leben. Fischer spricht von der „Herausforderung, mit traumatisierten Menschen umzugehen“. Die Stimmung unter den geflüchteten Menschen sei gedämpft, die Stille fast greifbar. „Ein Blick in die Augen“, sagt Fischer, „und du weißt, was los ist.“

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