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Zwei Jahre Corona

Pandemie in der Region Rosenheim: Wie Klinik-Mitarbeiter ihren Alltag meistern

  • Michael Weiser
    VonMichael Weiser
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Zwei Jahre Pandemie, das bedeutet zwei Jahre Belastung für die Menschen in den Kliniken der Region Rosenheim. Wir sprachen mit vier Mitarbeiterinnen der Romed-Kliniken in Wasserburg, Rosenheim und Prien. Über ihren Antrieb. Über den Frust. Und über Energie und Erschöpfung.

„Mich ärgert die Verharmlosung der Pandemie“: Peristera Baumgartner.

Peristera Baumgartner (48), stellvertretende Stationsleitung der Corona-Station in der Romed-Klinik Wasserburg: Mein Antrieb nach eineinhalb Jahren Pandemie ist trotz des vielen Leids, das wir hier täglich sehen, und der erhöhten Arbeitsbelastung immer noch der selbe Grund: Es ist das Wissen, etwas Sinnvolles zu tun. Auch wenn man oft frustriert ist und manchmal an seine Grenzen stößt, ist unser Beruf immer noch einer der wertvollsten überhaupt.

Was mich ärgert: Das Unverständnis mancher Menschen und die Verharmlosung der Pandemie. Ich selbst bin auch nicht in Panik geraten, jedoch weiß ich, dass jeder von uns dazu beitragen kann, dass wir aus dieser Endlosschleife rauskommen. Und damit meine ich nicht nur das Impfen, sondern vor allem Rücksichtnahme. Wenn ich von Menschen höre, die trotz ihrer Infektion zum Shoppen gehen, dann macht mich das wütend.

Ich bin heilfroh, dass wir hier auf der Station so ein wunderbares Team haben, dass wir uns gegenseitig auffangen und motivieren und gerade jetzt noch stärker zusammenhalten. Danke an mein Team.

„Was mich antreibt, ist die Liebe zum Beruf“: Alexandra Kiesel.

Alexandra Kiesel (44), seit 1998 im Romed-Klinikum Rosenheim beschäftigt. Seit Eröffnung der Premiumstation dort tätig. Momentan hilft sie in der Zentralen Notaufnahme (ZNA): Was mich antreibt, ist die Liebe zum Beruf, die Freude an der abwechslungsreichen Arbeit und natürlich die Kollegen, mit denen man den Stationsalltag erlebt und meistert.

Seit einigen Jahren ist bekannt, dass in der Krankenpflege Personal fehlt, dass die Anforderungen an das Personal stetig steigen und der Beruf auch finanziell an Attraktivität und Anerkennung verloren hat. Das ärgert mich. Ich denke, wir würden jetzt nicht so dastehen, wenn vor allem die Politik auf diese Probleme früher reagiert hätte.

Tageweise fällt es schwer, sich zu motivieren. Aber man weiß, wenn man sich krankmeldet, muss ein anderer Kollege einspringen, der eigentlich frei hätte – das möchte man keinesfalls. Und natürlich sind da noch immer die oben genannten Gründe, welche einen motivieren. Ehrlich gesagt, es wäre gut und wichtig, den Akku mal wieder auftanken zu können.

„Zusammenhalt im Team treibt mich an“: Jennifer Scheffel bei der Arbeit.

Jennifer Scheffel (29), seit 2011 im Klinikverbund tätig. Aktuell in der Romed-Klinik Prien auf der Covid-Station beschäftigt: Was mich antreibt: Der Zusammenhalt im Team und das Bedürfnis, die Stationsarbeit weiterhin aufrecht zu erhalten treiben mich an. Auch die soziale Verantwortung. Dazu kommt der Wunsch, die hochwertige pflegerische Versorgung unserer Patienten weiterzuführen, sowie mein privates Umfeld und die Liebe zu meinem Beruf, für den ich mich entschieden habe – wie bei einem Eheversprechen: In guten und in schlechten Zeiten.

Es ärgert mich, dass lange versprochene Verbesserungen zur allgemeinen Situation der Pflege ausbleiben. Wir verlieren durch leere Versprechen der Politik komplett das Vertrauen und die Lust am Beruf. Immer weniger junge Menschen wollen wegen der hohen mentalen und physischen Belastungen in der täglichen Arbeit den Beruf ergreifen. Gründe sind auch der Mangel an Wertschätzung, dass das Privatleben durch Schicht- und Wochenenddienste leidet, die enorme gesundheitliche und körperliche Belastung bis zum Rentenalter. Uns fehlt Anerkennung und Wertschätzung. Versprochene finanzielle Anreize sind leider nur vorübergehend wie etwa Bonuszahlungen. Versprochene Lohnerhöhungen sollte es in allen Bereichen der Pflege geben, und nicht nur in bestimmten Bereichen wie Intensivstationen. Der Personalmangel wird durch sich weiter verschärfende Auflagen wie Impfzwang zunehmen. Und zuletzt: der massive Pflegenotstand ist doch das Hauptproblem.

Und der Akku? Er läuft auf Reserve. Die Erholungsphasen werden immer kürzer. Freizeit wird eingeschränkt, weil man immer öfter einspringen muss. Schichtwechsel schlaucht, bei vielen Kollegen häufen sich die Krankheitszeiten. Da wird eine Covid-Station aus dem Nichts erschaffen, Personal wird von anderen Bereichen abgezogen und fehlt dort.

„Träume nachts von der Arbeit“: Helga Wendlinger.

Helga Wendlinger (64), seit 1990 bei den Romed-Kliniken der Stadt und Landkreises Rosenheim, seit 2009 Leitung der Hygienefachkräfte: Was mich antreibt, ist die hygienisch optimale Versorgung der Patienten. Eine meiner Hauptaufgaben ist es, die Kolleginnen und Kollegen zu schulen, um eine Infektion der Mitarbeiter und eine Übertragung auf die Patienten zu verhindern.

Dass es bei dem massiven Aufkommen von Covid-19-Infektionen immer noch Mitmenschen gibt, die sich vehement gegen eine Impfung stellen, ärgert mich. Falschinformationen in den Medien sind für mich in meiner Arbeit hinderlich, da sehr viele Mitmenschen diese unkritisch teilen und somit zur Verunsicherung der Bevölkerung beitragen.

Und der Akku? Eine konstruktive Zusammenarbeit mit den unterschiedlichen Berufsgruppen, sowie ein positives Feedback der Kolleginnen und Kollegen motiviert mich, meine Arbeit weiterzuführen, auch wenn ich merke, dass die Energie mit jedem Tag weniger wird, ich nachts von der Arbeit träume und deshalb meistens schlecht schlafe.

Rubriklistenbild: © romed