Regenfälle spülen Erinnerungen hoch: Oberwöhrer erinnern sich an Jahrhunderthochwasser 2013

Ein Blick in die Vergangenheit: Das Hochwasser 2013 hat den Stadtteil Oberwöhr besonders schwer getroffen. Der Dauerregen der vergangenen Tage weckt bei den Anwohnern Erinnerungen von damals. Schlecker/dpa
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Ein Blick in die Vergangenheit: Das Hochwasser 2013 hat den Stadtteil Oberwöhr besonders schwer getroffen. Der Dauerregen der vergangenen Tage weckt bei den Anwohnern Erinnerungen von damals. Schlecker/dpa
  • Anna Heise
    vonAnna Heise
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Tagelang hat es so ausgesehen, als ob es gar nicht mehr aufhören wollte, zu regnen. Mit den heftigen Niederschlägen kam bei den Anwohnern im Rosenheimer Stadtteil Oberwöhr die Erinnerung an das Hochwasser 2013 zurück. Doch die Sorgen scheinen unbegründet.

Rosenheim – Rosemarie Schwer (68) aus Oberwöhr hat Angst. Das sagt sie gleich am Anfang des Telefonats. „Wir sind alle sehr besorgt“, sagt sie. Ihr Mann Valentin ist in den vergangenen Tagen immer wieder mit dem Rad zur Mangfall gefahren, um sich selbst ein Bild von der Situation zu machen.

Überflutete Keller und traumatisierte Anwohner

Rosemarie Schwer ist zu Hause geblieben, aktualisiert im Minutentakt die Website mit den Pegelständen der Mangfall und des Auerbaches. „Bei jedem Dauerregen kommen die Erinnerungen an 2013 hoch“, sagt sie. Sie selbst hat das Hochwasser „massiv getroffen“. Sie spricht von einem Schaden im sechsstelligen Bereich, von überfluteten Kellern und traumatisierten Anwohnern.

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Nur zwei kleinere Feuerwehr-Einsätze

Es sind Erinnerungen, die auch Elke Kraft nicht loslassen. Die 51-Jährige ist zur Zeit in Hamburg, bekommt fast täglich Nachrichten und Bilder von Nachbarn, die sie über die Situation in Oberwöhr auf dem Laufenden halten. „Ich bin sehr beunruhigt“, sagt sie. Auch weil ihr Haus direkt am Auerbach liegt.

Im Einsatz: Rettungskräfte ziehen ein Boot am 3. Juni 2013 über einen überschwemmten Platz.

Sie habe sogar überlegt „Hals über Kopf nach Hause zu fahren“. Letztendlich habe sie sich aber dagegen entschieden, auch weil der Regen – laut Wetterbericht – nachlassen soll. Doch die Sorge, dass das Wasser noch einmal in ihr Haus eindringt, bleibt.

Schaden beträgt 400 000 Euro

Vor sieben Jahren standen sowohl ihr Keller als auch das gesamte Erdgeschoss unter Wasser. Der Schaden betrug rund 400 000 Euro. „Ich hatte noch anderthalb Jahre nach dem Hochwasser mit den Folgen zu kämpfen“, sagt Kraft.

Verheerende Situation: Zahlreiche Autos verloren den Kampf gegen das Hochwasser.

Ähnlich angespannt ist Wilfried Heuschneider. Der 60-Jährige hat noch die Bilder von dem verheerenden Pfingsthochwasser 2013 vor Augen. „Wir sind damals untergegangen“, sagt er. Auch in seinem Keller steht nach fast 24 Stunden Starkregen das Wasser –  des steigenden Grundwassers wegen.

Beängstigende Situation

Um seinen Keller macht er sich wenig Sorgen. „Ich habe dort sowieso nichts mehr drin“, sagt er. 2013 sei die Situation eine andere gewesen, der Schaden ein größerer. Besorgt ist Heuschneider trotzdem. „Die Situation ist beängstigend“, sagt er. Denn auch vor sieben Jahren habe es ohne Unterlass geregnet. Was dann folgte, war ein verheerendes Hochwasser.

Leiter des Wasserwirtschaftsamtes gibt Entwarnung

„So schlimm ist es bei Weitem nicht“, sagt Paul Geisenhofer, Leiter des Wasserwirtschaftsamtes und gibt Entwarnung. Die Situation der vergangenen Tage sei mit der vor sieben Jahren nicht vergleichbar.

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Damals habe es ein 100-jährliches Hochwasser gegeben. Die Situation jetzt sei eher mit einem zehn- bis 20-jährlichen Hochwasser zu vergleichen. Hinzu kommt, dass sich seit 2013 viel getan hat. So hat der Freistaat Bayern über zwölf Millionen Euro in den Hochwasserschutz entlang der Mangfall in Rosenheim und Kolbermoor investiert.

Nur kleinere Einsätze für die Feuerwehr Aisingerwies-Oberwöhr

Und auch der erste Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Aisingerwies-Oberwöhr, Marco Langer, gibt Entwarnung. Die Lage sei ruhig, es habe bis jetzt lediglich kleinere Einsätze in Oberwöhr gegeben.

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Für die Bewohner ein kleiner Trost. Was bleibt, sind die Erinnerungen – und die Hoffnung, dass es eine Situation, wie vor sieben Jahren nicht noch einmal geben wird.

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