Raus aus Komfortzone?

Der städtebauliche Wettbewerb für das Bahnhofsareal hat auch Vorschläge für einen neuen regionalen Busbahnhof erarbeitet. Doch Stadtentwicklungs- und Bau- sowie Verkehrsausschuss konnten sich in einer Kombisitzung mit keiner der vier Varianten für das 2500 Quadratmeter große Dach über den 14 Haltestellen anfreunden.

Die Gründe: hohe Kosten, offene Fragen rund um Unterhalt und Pflege, unterschiedliche Ansichten zur Architektur.

Rosenheim - Die neue Drehscheibe für den regionalen Busverkehr wird auf einer Fläche an der Luitpoldstraße gegenüber dem AOK-Gebäude entstehen. Geplant sind zehn Haltekanten für Regionalbusse und vier für den Schienenersatzverkehr der Bahn sowie die notwendigen Wartebereiche. Die Haltestellen werden schräg angeordnet, sodass die Busse ohne zu rangieren herein und geradeaus wieder herausfahren können. Der Gesamtbereich soll durch ein 83 Meter langes und 30 Meter breites Dach geschützt werden. Es wird auf acht Stützen stehen. Soweit der Vorschlag aus dem Siegerentwurf des städtebaulichen Wettbewerbs, der für den Teilbereich des Busbahnhofs das Dach als wichtiges gestalterisches Element betrachtet. Doch ob dieser Weg auch wirklich gegangen wird, ist nach der Sitzung wieder offen.

Architekt Martin Wich stellte den beiden Ausschüssen vier Varianten für das Dach vor. Konzept eins hält sich ganz nah an den Wettbewerbsbeitrag. Vorgesehen ist als Eindeckung eine Vollverglasung mit Dachuntersicht, Kosten: 4,2 Millionen. Wird auf die Dachuntersicht verzichtet, betragen die Kosten 3,45 Millionen Euro.

Die Stadt hatte zur Reduzierung der notwendigen Mittel weitere Dachvarianten zur Überplanung in Auftrag gegeben. Variante zwei schlägt für das Dach eine Kombination aus Glas mit Paneelen vor. Die Kosten betragen ebenfalls 3,45 Millionen. Der dritte Vorschlag sieht einen breiten Rahmen aus einer massiven Eindeckung vor, der als Gründach möglich ist, Glas würde nur in der Mitte angeordnet. Die Kosten belaufen sich auf 3,1 Millionen Euro. Das vierte Konzept verzichtet auf das Material Glas ganz, die Eindeckung wird vollflächig geschlossen - mit Ortbeton. Das Dach wird begrünt. Für eine gleichmäßige Beleuchtung soll ein intelligentes Lichtmanagement sorgen. Die Kosten liegen hier bei etwa 3,08 Millionen.

Insgesamt wird der neue regionale Busbahnhof inklusive Nebenkosten und aufgrund der ebenfalls notwendigen Tiefbauarbeiten und der technischen Ausrüstung zwischen 5,96 und 7,25 Millionen Euro verschlingen. Gewaltige Kosten, die dazu führten, dass Margarete Fischbacher (CSU) von "einem großen Schock" sprach. "So viel Geld für einen solchen Kasten?", brachte sie die in ihren Augen vorhandene Notwendigkeit auf den Punkt, das Dachelement zu überdenken.

OB: Kleinteilige Lösung untersuchen

Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer gab einen Anstoß, der in die gleiche Richtung ging: Sie stellte die Frage zur Diskussion, ob der Busbahnhof wirklich als Großbauwerk mit stark akzentuiertem Gestaltungselement ausgeführt werden muss. Vielleicht sei auch eine kleinteilige Lösung mit einzelnen Bushäuschen für die Wartebereiche und vielen Bäumen möglich. Das wäre eine Abkehr von einem Teilbereich des Siegerentwurfs im Architektenwettbewerb - eine Möglichkeit, die wohl auch der schwierigen Haushaltslage und dem engen finanziellen Spielraum der Stadt geschuldet ist.

Wie viel Komfort für die Busreisenden muss sein? Die beiden Ausschüsse konnten sich in der gemeinsamen Sitzung nicht entscheiden - auch weil die Frage der Kosten für den laufenden Unterhalt der vier Dachvarianten noch nicht beantwortet ist. Die Debatte zeigte auch deutlich, dass Architektur eine Geschmackssache darstellt. CSU-Fraktionsvorsitzender Herbert Borrmann sah in den vorgestellten Dachvarianten keinen "großen städtebaulichen Wurf". Der Architekt betonte jedoch, es sei notwendig, das offene Bauwerk zurückhaltend zu gestalten. Es dürfe nicht mit den historischen Bahnhofsgebäuden konkurrieren.

In der Diskussion kristallisierte sich heraus, dass eine vollflächige Eindeckung ohne Glas von der Mehrheit abgelehnt wird. Zu dunkel und düster wirke diese Variante, waren sich viele Sitzungsteilnehmer mit Gabriele Leicht von der SPD einig. Der Tenor ging in Richtung einer leicht wirkenden Dachkonstruktion, jedoch nicht zu hundert Prozent verglast.

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