Raus aus dem OP, ran an die Gitarre: Was eine Rosenheimer Band den Berliner Ärzten voraus hat

„Tina and the Wire Buddies“ bei ihrem Auftritt beim Rosenheimer Sommerfestival (von links): Christian Seidel, Christoph Habersetzer, Martina Wagner, David Müller, Toni Ilsanker. re

Musik ist ihre Leidenschaft, die Arbeit am Rosenheimer Klinikum oder in einer Arztpraxis ihr tägliches Brot: die Rosenheimer Band „Tina and the Wire Buddies“ besteht größtenteils aus Ärzten. Was vor allem in Zeiten von Corona eine große Herausforderung ist.

Von Kilian Schroeder

Rosenheim – Gerade noch den Arztkittel angehabt, jetzt schon die E-Gitarre eingestöpselt: Für die Mitglieder der Band „Tina and the Wire Buddies“ ist das nichts Ungewöhnliches. In der Band sind drei Ärzte, zwei im Romed-Klinikum in Rosenheim, und ein Elektroingenieur. Am Mikrofon steht die Krankenschwester Martina Wagner (33). Für die fünf Musiker werden die Bühnen, auf denen sie spielen, immer größer.

Krankenschwester und Elektroingenieur

Die Band besteht aus Dr. Christian Seidel (43), Dr. David Müller (45), Christoph Habersetzer (43), Toni Ilsanker (43) und Wagner. Seidel und Müller arbeiten als kardiologische Oberärzte am Romed-Klinikum Rosenheim, Wagner ist Krankenschwester im Herzkatheterlabor. Habersetzer arbeitete ebenfalls im Rosenheimer Krankenhaus, ist jetzt als hausärztlicher Internist tätig. Ilsanker ist das einzige Mitglied, das nicht im medizinischen Bereich, sondern als Elektroingenieur tätig ist.

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Der Bandname entstammt einer Technik in der Kardiologie, in der ein „Buddywire“, ein spezieller Draht, als eine Art Schuhlöffel den Zugang in ein Blutgefäß erleichtert. Da auch Ilsanker in der Arbeit mit Drähten zu tun hat, einigten sich die fünf auf den Namen „Wire Buddies“. „Wir haben voneinander schon früher gewusst, dass wir Musik machen“, sagt Seidel.

Er spielt nicht nur Gitarre, Bass, Akkordeon und Mundharmonika, sondern ist auch der musikalische Leiter der Band. „Die ersten gemeinsamen Anfänge kamen 2010 bei einer Einlage zum Abschied des damaligen Chefarztes. Danach ging es sporadisch weiter, in den vergangenen Jahren probten wir immer regelmäßiger.“ Vor zwei Jahren stieß Ilsanker als Gitarrist zur Band.

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Gespielt wird, was gefällt – meist Coversongs aus dem „Classic Rock“. Nach einigen Auftritten bei Faschingsbällen oder einem Grillfest der Station, stand ein Auftritt zum Jubiläum „10 Jahre Romed-Kliniken“ auf dem Sommerfestivalgelände in Haus – und zwar als letzte Band der Veranstaltung. An die 3000 Menschen feierten zusammen mit den „Wire Buddies“. „So etwas erlebt man einmal und nie wieder“, sagt Seidel.

Dennoch ist das Proben nicht immer einfach neben den Verpflichtungen für die Familie und dem Krankenhausalltag. Für die Station muss immer ein Arzt erreichbar sein, und da früher drei der fünf Bandmitgliedern auf der kardiologischen Station arbeiteten, war das nicht leicht zu bewerkstelligen.

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„Wir versuchen, einmal pro Woche zu proben“, sagt Wagner. Dass Habersetzer, der in der Band Bass und Klavier spielt jetzt als Hausarzt tätig ist, hat die Lage verbessert. „Hausärzte haben mittwochs frei, wir haben uns den Abend auch freigeschaufelt.“ Trotzdem ist der Zeitplan oft eng: Zum Sommerfestivalgelände etwa kam Seidel direkt aus einer Visite.

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Gemeinsam Musik zu machen, ist ein Ausgleich zum Arbeitsalltag: „Wenn ich zum Feierabend nach Hause gehe, bin ich oft müde, manchmal gefrustet – aber nach drei Liedern bin ich wieder fit. In der Probe ist einfach eine positive Energie“, sagt Wagner.

Nach Corona wieder auf der Bühne

Auch wenn kein Auftritt ansteht, wollen die Mediziner und der Elektroingenieur ihr Repertoire erweitern und an sich arbeiten. „Ich versuche, jeden Tag eineinhalb Stunden Schlagzeug zu üben“, sagt Müller. „Dafür habe ich extra ein E-Schlagzeug, um abends niemanden zu wecken.“ Die Probenarbeit sei auch deshalb so produktiv, weil jeder sich gut zuhause vorbereite. „Das liegt vor allem an der konzentrierten Arbeit der Ärzte“, scherzt Wagner. Die nächsten Auftritte sind geplant. Für die Zeit nach der Corona-Krise jedenfalls.

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